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        <title>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</title>
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        <description>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</description>
        <lastBuildDate>Sat, 19 May 2012 06:00:54 +0200</lastBuildDate>
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            <title>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</title>
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            <title>55. Der kluge Martin.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10933&amp;goto=11127</link>
            <pubDate>Wed, 16 May 2012 15:28:36 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[55. Der kluge Martin.

Ein armer Vater hatte drei S&ouml;hne, davon war der eine ein Schuster und hie&szlig; nur: der kluge Martin; der andere war ein Weber, der dritte ein Schneider. Nachdem sie alle mit einander ausgelernt hatten, schickte der Vater sie auf Reisen in die Fremde und gab einem jeden ein h&uuml;bsches Besteck, damit sie nicht unterwegs, wenn man ihnen etwas zu essen gebe, mit fremden L&ouml;ffeln und mit fremden Messern und Gabeln essen d&uuml;rften, sondern ihre eigenen h&auml;tten. Weiter konnte er ihnen, au&szlig;er seinem Segen, nichts mitgeben.

In einem Wirtshause, wo die Br&uuml;der unterwegs einkehrten, beschlossen sie, dass von hier ein jeder einen verschiedenen Weg einschlagen sollte, dass sie aber nach f&uuml;nf Jahren an demselben Tage und in demselben Wirtshause sich wieder zusammen finden wollten. Nun, das war gut. Nachdem sie diese Verabredung getroffen hatten, trennten sie sich und ein jeder zog seiner Stra&szlig;e nach.

Da kam denn der kluge Martin alsbald an eine Br&uuml;cke und h&ouml;rte daselbst ein Gl&ouml;cklein l&auml;uten und dachte: wie mag eine Glocke so f&uuml;r sich l&auml;uten? Denn er sah keinen Menschen dort. Als er aber genauer sich &uuml;berall umsah und eben die Br&uuml;cke von unten n&auml;her betrachten wollte, trat ihm ein Mann entgegen und sagte: &quot;Was suchst Du hier, und wo willst Du hin?&quot; Sprach der kluge Martin: &quot;Ich bin ein Schuhmacher und suche Arbeit und habe mich hier &uuml;ber das L&auml;uten der Glocke verwundert; aber nun sag mir auch, wer Du bist und was Du hier machst?&quot; Da sprach der andere: &quot;ich bin ein R&auml;uber.&quot; - &quot;O, sagte der kluge Martin, dies Handwerk habe ich zwar nicht gelernt, aber ich denke mir, ich verst&auml;nde es doch; wei&szlig;t Du was? Behalt mich hier! Ich will auch ein R&auml;uber werden!&quot; Der andre meinte, er wolle ihn wohl einstweilen da behalten; allein unter die R&auml;uber d&uuml;rfe er niemand f&uuml;r sich aufnehmen, das k&ouml;nne nur sein Meister tun und der sei nicht zu Haus. Da wartete der kluge Martin drei Tage lang, da kam der R&auml;uberhauptmann zur&uuml;ck, und nachdem ihm Martin seinen Wunsch er&ouml;ffnet hatte, sagte er: ja, er wolle ihn wohl aufnehmen, aber er m&uuml;sse vorher erst eine Probe ablegen und seine Geschicklichkeit zeigen. Da sagte der kluge Martin, ja, das wolle er sogleich tun, und ging fort und hatte nichts bei sich als das Besteck, das ihm sein Vater geschenkt hatte.

Wie er nun in einen Wald kam, sah er einen Metzger dahin ziehen, der f&uuml;hrte ein Kalb bei sich. Der kluge Martin schlich sich sogleich durch den Wald und gewann durch einen Seitenweg einen Vorsprung und kam dem Metzger vor, zog sein Besteck aus der Tasche, nahm L&ouml;ffel, Messer und Gabel heraus und warf die Scheide mitten auf den Weg. &Uuml;ber eine Weile, nachdem er eine gute Strecke weiter gegangen war, lie&szlig; er die Gabel fallen, und wieder nach einer Weile, in einer ziemlichen Entfernung, das Messer und den L&ouml;ffel zusammen auf einen Platz, und dann versteckte er sich im Geb&uuml;sch.

Sobald der Metzger die Scheide fand, besah er sie zwar, dachte aber, was sollst du mit der leeren Scheide machen und lie&szlig; sie liegen, denn sie war ohnehin ganz schlecht. Ebenso gefiel ihm auch die Gabel nicht und er mochte sie nicht aufheben. Als er aber weiter zog und zuletzt das Messer und den L&ouml;ffel da liegen sah, die beide sehr sch&ouml;n waren, nahm er sie auf und dachte: &quot;Ei, jetzt solltest du doch auch das ganze Besteck beisammen haben! H&auml;ttest du nur gleich alles mitgenommen!&quot; Und er band flink sein Kalb an einen Baum und lief zur&uuml;ck, um die andern Sachen zu holen. - W&auml;hrend er nun fort war, sprang der kluge Martin geschwind hervor, band das Kalb los und trieb es in den Wald hinein, indem er best&auml;ndig bl&ouml;kte. Als der Metzger zur&uuml;ckkam und mit seinem Kalbe weiter wollte, war es fort, und er dachte, es muss sich losgerissen und verlaufen haben und ging dem Bl&ouml;cken nach, das er immer noch im Walde h&ouml;rte.

Der kluge Martin aber war an einen Teich gekommen und hatte dort schnell das Kalb geschlachtet und den abgeschnittenen Kopf mitten in den Teich geworfen und bl&ouml;kte nun in einem fort ganz erb&auml;rmlich, also, dass der Metzger, wie er an den Teich kam, nicht anders glaubte, als sein Kalb sei in das Wasser gelaufen und k&ouml;nne nur noch den Kopf daraus hervorstrecken. Deshalb zog er flink sich aus und sprang in den Teich, um es herauszuziehen. W&auml;hrend er nun im Wasser war, kam der kluge Martin, nahm alles Zeug und Geld des Metzgers und auch das Besteck, das er ihm hingeworfen hatte, und war wie der Wind damit fort und brachte es dem R&auml;uberhauptmann und erz&auml;hlte ihm, wie er es bekommen. Da war der R&auml;uberhauptmann mit dem Probest&uuml;ck zufrieden und nahm den klugen Martin auf unter seine &uuml;brigen Gesellen. Der kluge Martin aber wurde bald ein so geschickter und k&uuml;hner R&auml;uber, dass man ihn weit und breit f&uuml;rchtete und die Obrigkeit ihm eifrig nachstellte; allein er war viel zu vorsichtig, als dass er sich h&auml;tte fangen lassen.

Als nun gerade die f&uuml;nf Jahre herum waren, gedachte er seine Br&uuml;der einmal zu besuchen, wie sie&#039;s mit einander verabredet hatten und bekam von seinem Hauptmann Wagen und Pferde dazu und fuhr in das Wirtshaus. Da sa&szlig;en seine zwei Br&uuml;der schon da, erkannten ihn aber nicht wieder bis er selbst sich ihnen entdeckte. Da waren sie vergn&uuml;gt, und Martin gab ihnen so viel zu essen und zu trinken als sie nur mochten.

Da trug sich&#039;s zu, dass der R&auml;uberhauptmann mit der ganzen R&auml;uberbande gefangen wurde; blo&szlig; den klugen Martin hatten sie nicht bekommen; die Obrigkeit lie&szlig; aber bekannt machen, dass der, welcher den klugen Martin lebendig oder tot bringen k&ouml;nnte, eine Belohnung von tausend Gulden haben sollte. Das las der kluge Martin selbst eines Morgens in der Zeitung, als er noch bei seinen Br&uuml;dern in dem Wirtshause war. Da verkaufte er sogleich seinen Wagen mit den sch&ouml;nen Pferden und kaufte sich einen ganz schlechten Kr&auml;merwagen, lud ein Fass voll Branntwein darauf, zog schlechte Kleider an und fuhr so zu dem Orte hinaus, ohne dass ihn Jemand erkannte. - Es dauerte aber nicht lange, so kam er an eine Br&uuml;cke, da standen f&uuml;nf und zwanzig Husaren und sollten auf den klugen Martin passen. Sobald er aber die Soldaten erblickte, fing er an, sich betrunken zu stellen und taumelte von einer Seite zur andern und sang und schrie und schlug sein Pferd, und das setzte er fort, bis er in die N&auml;he der Husaren kam, da trieb er das Pferd so heftig auf die eine Seite des Wegs, dass das Rad mit einem Male in den Graben lief und der Wagen umfiel. Da jammerte er nun laut und versuchte es, den Wagen wieder aufzurichten; aber er konnte es nicht allein und bat deshalb die Husaren, dass sie ihm helfen m&ouml;chten. Die halfen ihm denn auch und brachten alles wieder in Ordnung. Zum Dank daf&uuml;r schenkte er einem jeden ein gro&szlig; Glas Branntwein ein und dann noch eins, und endlich so viel sie nur wollten, bis alle ganz betrunken waren und sich nicht mehr regen konnten. Darauf holte Martin aus seiner H&ouml;hle, die in der N&auml;he war, f&uuml;nf und zwanzig Kapuzinerkutten und zog die den Husaren an und fuhr sie dann in der Nacht bis dicht vor die Schlosswache des Kaisers. Als der am andern Morgen die Kapuziner auf der Wache sah und die ganze Geschichte erfuhr, fragte er den R&auml;uberhauptmann, wer ihm wohl den Streich gespielt habe? Sprach der: &quot;Das hat gewiss niemand anders als mein Martin getan, das ist ein Blitzkerl.&quot;

Dann fragte der Kaiser den Hauptmann weiter: wie man den klugen Martin wohl fangen k&ouml;nne? Da sagte er: der Kaiser m&ouml;ge einmal einen &ouml;ffentlichen Ball ausschreiben und den Fu&szlig;boden des Tanzsaals mit Goldst&uuml;cken belegen lassen; da werde der Martin gewiss nicht fehlen, und wenn er das Gold sehe, so k&ouml;nne er&#039;s nicht liegen lassen und werde sich b&uuml;cken und es aufheben; daran werde man ihn dann leicht erkennen und ihn festnehmen k&ouml;nnen. Der Rat gefiel dem Kaiser und er lie&szlig; sogleich den Ball ausschreiben und machte Alles so, wie der R&auml;uberhauptmann es ihm geraten hatte. Der kluge Martin aber h&ouml;rte auch von dem Balle und gedachte hinzugehen, und begab sich auch wirklich mit einem Bedienten in den Tanzsaal des Kaisers. Wie er da nun die Goldst&uuml;cke am Boden liegen sah, meinte er, die l&auml;gen in meiner Tasche viel besser. Und wie der n&auml;chste Tanz aus war, ging er hinaus zu seinem Bedienten, und der musste ihm Pech holen, das machte er warm und klebte es unter seine Schuhsohlen und ging wieder in den Saal und tanzte, dass es eine Art hatte. So oft aber ein Tanz zu Ende war, ging er aus dem Saal und lie&szlig; von seinem Diener die Goldst&uuml;cke abnehmen, die an dem Pech h&auml;ngen geblieben waren, und so trug er manches St&uuml;ck hinaus, ohne sich zu verraten und ohne gefangen zu werden.

Als dem Kaiser dies misslungen war und er den Hauptmann um einen andern Vorschlag anging, wie er den klugen Martin fangen k&ouml;nnte, so sagte der Hauptmann: der Kaiser m&ouml;ge ein Turnier ausschreiben und einen recht hohen Preis f&uuml;r den Sieger bestimmen; da werde der kluge Martin ganz gewiss den Preis gewinnen und der Kaiser k&ouml;nne ihn dann nur gefangen nehmen lassen.

Nun lie&szlig; der Kaiser ein Turnier ausschreiben und lie&szlig; bekannt machen, dass er dem Sieger seine einzige Tochter zur Gemahlin geben wolle. Da kamen nun viele F&uuml;rsten und Grafen und Ritter zusammen und turnierten und gar mancher h&auml;tte die sch&ouml;ne Kaiserstochter gern gewonnen; aber was meinst Du, wer wohl der Sieger wurde? Der alte R&auml;uberhauptmann hatte Recht; der kluge Martin besiegte alle F&uuml;rsten und Grafen und Ritter und wurde darauf mit der Kaiserstochter verlobt. Der Kaiser aber und seine R&auml;te merkten bald, dass es der kluge Martin wirklich war, der den Preis gewonnen hatte. Da wurde er auf Befehl des Kaisers festgesetzt und sollte hingerichtet werden. Allein der Tochter des Kaisers hatte er so gut gefallen, dass sie ihrem Vater erkl&auml;rte: &quot;Den will ich heiraten und keinen andern!&quot; Da musste der Kaiser wohl nachgeben und der kluge Martin bekam seine Tochter und ist zuletzt auch noch Kaiser geworden.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet - Henning Vieser
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        <item>
            <title>56. Die gescheite Ziege.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10932&amp;goto=11126</link>
            <pubDate>Wed, 16 May 2012 15:28:05 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[56. Die gescheite Ziege.

Da ist einmal ein Mann gewesen, der hat so viele Ratten im Hause gehabt, dass es nicht mehr auszuhalten war. Sagt er endlich zu seiner Frau: &quot;Frau, bring auch Gift mit von der Apotheke, dass wir die vielen Ratten los werden, sonst fressen sie uns noch auf bei lebendigem Leibe.&quot; Ja, die Frau wollte das tun und brachte Gift mit von der Apotheke und backte K&uuml;chlein und vergiftete sie und legte die vergifteten K&uuml;chlein in den Keller, in die K&uuml;che, in den Ziegenstall und im ganzen Hause herum, auf dass die Ratten davon essen sollten. -

Als der Mann am andern Morgen zu seiner Ziege kam und sie melken wollte, was er immer selbst tat, stand sie nicht auf wie sonst und sagte auch nicht: Guten Morgen! sondern blieb ruhig liegen. Sprach er: &quot;Na, Kitzle, wo fehlt&#039;s?&quot; Aber die Ziege blieb still und stumm. Sprach er weiter: &quot;O Kitzle, hast doch nicht von dem Gift gefressen?&quot; - Da sah ihn aber das Tier so gescheit an, nein, so gescheit! Man sollte gar nicht glauben, dass eine dumme Ziege so gescheit aussehen k&ouml;nnte, und er sah ihr ganz deutlich an den Augen an, was sie sagen wollte und sprach daher weiter: &quot;Ach Kitzle, so willst Du wirklich uns verlassen?&quot; Da sagte die Ziege: &quot;m - m - m -!&quot; und dann ist sie gestorben.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet - Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>57. Drei Rosen auf einem Stiel.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10931&amp;goto=11125</link>
            <pubDate>Wed, 16 May 2012 15:27:38 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[57. Drei Rosen auf einem Stiel.

Es war einmal ein Mann, der hatte zwei T&ouml;chter, die konnten sich nicht gut mit einander vertragen; daran war aber besonders die Eine Schuld. - Eines Tages wollte der Vater auf den Markt gehen und fragte die T&ouml;chter: &quot;was soll ich Euch mitbringen?&quot; Da w&uuml;nschte sich die eine ein sch&ouml;nes Kleid, die andre, welche die bravste war, drei Rosen auf einem Stiel. &quot;Wenn ich die nur bekommen kann,&quot; sagte der Vater und ging fort und kaufte auf dem Markte ein neues Kleid; aber so viel er sich auch unterwegs und nachher auf dem Markte nach Rosen umsah, so konnte er doch keine gewahr werden.

Endlich, als er schon wieder auf dem Heimwege war, sah er in einem Garten einen bl&uuml;henden Rosenstrauch, und da waren auch gerade drei Rosen auf einem Stiel beisammen, wie es die Tochter sich gew&uuml;nscht hatte. Da stieg er in den Garten und brach sich die Rosen ab. Aber mit einem Male stand da ein schwarzes, haariges Ungeheuer und sagte: &quot;was machst Du da in meinem Garten?&quot; Der Mann erz&auml;hlte nun, dass er eine Tochter habe, die sich drei Rosen auf einem Stiel gew&uuml;nscht habe, und bat, dass er diese Rosen, die er schon so lange gesucht, mitnehmen d&uuml;rfe. Da sagte das Tier: &quot;Ja, Du darfst sie mitnehmen, musst aber daf&uuml;r Morgen um die und die Stunde mit deiner Tochter hierher kommen, sonst wirst Du sterben.&quot; Da versprach der Mann, dass er wiederkommen wollte, und ging mit seiner Rose heim und f&uuml;hrte am andern Tage die Tochter her, versp&auml;tete sich aber ein wenig. Indessen war es eben noch Zeit. Da fand er in dem Garten einen Tisch sch&ouml;n gedeckt und mit Speisen reichlich besetzt; und er setzte sich mit seiner Tochter hin und a&szlig;. Als sie fertig waren, erschien auch das Tier und fragte, ob das die Tochter sei, welche sich die drei Rosen gew&uuml;nscht? Und als der Vater ja sagte, sagte das Ungeheuer: &quot;Nun, so kannst Du nur wieder nach Haus gehen; deine Tochter aber muss hier bleiben.&quot;

Da ging der Vater allein heim und lie&szlig; seine Tochter voll Sorge zur&uuml;ck. Das Ungeheuer aber f&uuml;hrte sie alsbald in ein sch&ouml;nes Gartenhaus und zeigte ihr die herrlichsten Schmucksachen von Gold und Silber und Edelsteinen, von denen sie sich ausw&auml;hlen durfte, was ihr gefiel. Als sie das getan hatte, sagte das Ungeheuer: &quot;Jetzt kannst Du auch wieder heimgehen, musst aber morgen um die und die Zeit wieder hier sein!&quot; Ja, das wollte das M&auml;dchen auch gern, und kehrte vergn&uuml;gt zu ihren Eltern zur&uuml;ck.

Da &auml;rgerte sich aber die andre Schwester &uuml;ber den kostbaren Schmuck, und hielt ihr Schwesterlein am folgenden Tage, als es wieder in den Garten wollte, aus Neid so lange auf, dass es zu sp&auml;t kam. Wie es nun in den Garten trat, war niemand da zu sehen und zu h&ouml;ren. Da rief es ganz &auml;ngstlich: &quot;Liebes Tierle, wo bist?&quot; Da h&ouml;rte es zur Seite in dem Graben etwas wimmern und winseln (&quot;gilfen&quot;) und ging darauf zu, und sah das Tier drin liegen. &quot;Ach, seufzte das Untier, w&auml;rst Du nicht bald gekommen, so h&auml;tte ich sterben m&uuml;ssen.&quot; - Dann kroch es aber heraus, streifte sich mit einem Male den haarigen Pelz herunter und stand da als ein sch&ouml;ner junger Mann. Da waren beide seelenvergn&uuml;gt und hielten Hochzeit und lebten gl&uuml;cklich mit einander bis an ihr Ende.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet - Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>58. Der Drachentöter.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10930&amp;goto=11124</link>
            <pubDate>Wed, 16 May 2012 15:27:08 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[58. Der Drachent&ouml;ter.

Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte drei S&ouml;hne, die lie&szlig; er alle auf gleiche Weise kleiden, und gab jedem ein Schwert und viel Geld und sagte: nun sollten sie auf Reisen ihr Gl&uuml;ck versuchen und in der Welt sich umsehen. Ja, dazu waren auch die drei Br&uuml;der sogleich bereit und zogen mit einander fort in die weite Welt hinaus. - Wie sie nun schon ein gutes St&uuml;ck gewandert waren, beschlossen sie, sich zu trennen, und steckten ihre Schwerter zusammen in eine Tanne; wenn dann einer von uns zur&uuml;ckkommt, so kann er gleich sehen, ob wir noch alle am Leben sind, sagten sie; hat das Schwert einen Rostflecken, so ist einer von uns tot; hat es zwei, so sind zwei von uns tot; hat es aber drei, so sind wir alle mit einander tot. Dann ging der eine zur Rechten, der andre zur Linken; der j&uuml;ngste aber ging grad aus und kam bald in einen gro&szlig;en gro&szlig;en Wald.

Wie er nun so allein seinen Weg dahinging und eben an nichts dachte, kam ihm mit einem Male ein B&auml;r entgegen. Da griff er flink nach seiner Flinte und legte an und wollte ihn totschie&szlig;en; der B&auml;r aber rief: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot; Da lie&szlig; er ihn leben, und dann kam der B&auml;r ganz freundlich heran und war zahm und begleitete ihn durch den Wald. - Als er eine Strecke weiter gegangen war, kam pl&ouml;tzlich ein gro&szlig;er Wolf dahergesprungen, so dass er erschrak und gleich seine Flinte anlegte und ihm eine Kugel auf den Pelz schicken wollte. Der Wolf aber rief schnell: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot; Da lie&szlig; er ihn auch leben und nun zog der Wolf mit dem B&auml;ren hinter ihm her. - Als er abermals eine Strecke weiter gegangen war, spazierte ein L&ouml;we daher; den wollte er auch erst tot schie&szlig;en, weil aber der L&ouml;we sagte: &quot;T&ouml;te mich nicht, es wird dein Gl&uuml;ck sein!&quot; so schenkte er ihm gern das Leben, und nun zog auch der L&ouml;we mit dem Wolfe und dem B&auml;ren hinter ihm her und alle drei Tiere wichen nicht mehr von ihm.

Nachdem der Prinz nun eine lange Zeit mit seinen Begleitern immer grad aus durch den Wald fortgewandert war, ohne einen Menschen zu begegnen, kam er endlich an eine Stadt, in die ging er vergn&uuml;gt mit seinen Tieren hinein. Die Stadt aber hatte ein gar sonderbares Aussehen; alle H&auml;user waren mit schwarzem Flor behangen und die Menschen waren alle so still und so traurig, dass der Prinz nur alsbald fragen musste, was denn der Stadt fehle, dass sie eine solche Trauer anstelle? Da erz&auml;hlten ihm die Leute: &quot;Auf dem Berge dort, wo die Kapelle steht, da hauset ein Drache, der hat sieben K&ouml;pfe, und dem muss man alle Tage einen Menschen und ein Schaf zum Essen bringen, sonst ist niemand vor ihm sicher. Nun hat er aus unserer Stadt schon so viele Menschen verzehrt, dass morgen die Reihe an die einzige Tochter des K&ouml;nigs kommt; deshalb ist die ganze Stadt in so tiefer Trauer.&quot;

Da dachte der Prinz: &quot;Ei, wenn du den Drachen erlegen k&ouml;nntest!&quot; Er nahm sich vor, dass er es mit seinen Tieren versuchen wollte, und begab sich am folgenden Tage zu der bestimmten Stunde auf den Berg nach der Kapelle, wo der Drache sich immer zeigen sollte! Er hatte ein gutes Schwert mitgenommen und seine Tiere begleiteten ihn. Wie er nun zu der Kapelle kam, ging die Prinzessin eben hinein, um zu beten, und winkte ihm mit der Hand zu, dass er fortgehen m&ouml;ge. Er aber sprach: &quot;Sei gutes Mutes, ich bin gekommen, dich zu erretten und den Drachen zu t&ouml;ten!&quot; Darauf kniete die Jungfrau in der Kapelle nieder und betete; und alsbald kam der siebenk&ouml;pfige Drache ganz wild angeschossen und drang auf den Prinzen ein; w&auml;hrend der nun sein Schwert zog, k&auml;mpften der Wolf und der L&ouml;we mit dem Drachen und jeder riss und biss ihm drei K&ouml;pfe ab, den siebenten und letzten Kopf hieb ihm dann der Prinz mit seinem Schwerte ab, also, dass das Ungeheuer &uuml;berwunden und tot war. - Da kam die Prinzessin aus der Kapelle und dankte ihrem Retter und nahm eine goldene Kette, die sie getragen und verteilte sie unter die Tiere und hing einem jeden ein St&uuml;ck davon um den Hals. Dem Prinzen aber sagte sie: &quot;Du hast mich erl&ouml;st, nun musst Du auch K&ouml;nig werden und mich heiraten.&quot; Ja, das wollte der Prinz wohl gern; denn sie war so sch&ouml;n, wie er noch nie eine Jungfrau gesehen hatte. &quot;Aber erst muss ich noch reisen und in der Welt mich umsehen; &uuml;ber Jahr und Tag komme ich wieder und dann wollen wir Hochzeit halten!&quot; sagte er. Darauf schnitt er noch aus den Drachenk&ouml;pfen die sieben Zungen heraus, wickelte sie in ein Tuch und steckte das ein, dann nahm er Abschied von seiner Braut und zog mit seinen getreuen Tieren auf gut Gl&uuml;ck in die weite Welt hinaus.

Sobald er fort war, nahm der Kutscher, welcher die Prinzessin zur Kapelle gefahren hatte und der sie jetzt auch wieder heimfahren sollte, die sieben Drachenk&ouml;pfe in den Wagen und zwang unterwegs die Prinzessin durch Drohungen dazu, dass sie daheim sagen musste, er habe den Drachen get&ouml;tet. Dem Drachent&ouml;ter aber hatte der K&ouml;nig schon lange seine einzige Tochter zur Gemahlin versprochen; deshalb wollte der Kutscher auch alsbald Hochzeit mit der Prinzessin halten. Allein sie wusste bald unter diesem, bald unter jenem Vorwande es dahin zu bringen, dass die Hochzeit aufgeschoben wurde. So trieb sie es ein ganzes Jahr lang; dann musste sie nachgeben und tat es auch williger, weil sie hoffte, dass der rechte Br&auml;utigam sich jetzt wohl wieder einstellen werde.

Und richtig, nachdem der Prinz sein Geld verzehrt hatte und das Jahr bald um war, hatte er sich auf den Weg zu seiner Braut gemacht. Da kam er in die Stadt, als eben noch ein einziger Tag an dem Jahre fehlte. In der Stadt aber ging&#039;s &uuml;berall lustig und lebendig zu. Da fragte er den Wirth: &quot;Was gibt&#039;s denn hier? vor etwa einem Jahre war die ganze Stadt mit Trauerflor behangen; heute dagegen sehe ich &uuml;berall fr&ouml;hliche Gesichter und die ganze Stadt ist wie zu einem Feste geschm&uuml;ckt.&quot; Da erz&auml;hlte ihm der Wirt, dass morgen die Tochter des K&ouml;nigs Hochzeit habe mit dem Kutscher, der sie vor einem Jahr von dem Drachen erl&ouml;st habe. -

Am andern Tage nun gab der K&ouml;nig ein gro&szlig;es Gastmahl. Wie der Prinz, der als J&auml;ger gekleidet war, nun allein im Wirtshause sa&szlig;, sagte er zu dem Wirte, er solle ihm doch eine Flasche Wein holen, wie die Braut im Schlosse ihn trinke. Nein, das k&ouml;nne er nicht, meinte der Wirt. &quot;Dann muss ich wohl meinen Wolf hinschicken,&quot; sagte der Prinz und schickte ihn hin zu der Prinzessin. „Sein Herr lasse um eine Flasche von dem Wein bitten, den sie selbst trinke.“ Da dauerte es nicht lange, da kam der Wolf auch richtig damit zur&uuml;ck, dass der Wirt sich nicht genug verwundern konnte. &quot;Jetzt will ich auch von dem Braten haben, wie die Braut ihn isst,&quot; sprach der Prinz und schickte den B&auml;ren auf&#039;s Schloss; der brachte alsbald auch ein St&uuml;ck von dem allerbesten und feinsten Braten. &quot;Nun muss ich auch Brot haben, wie die Prinzessin es isst!&quot; sprach der Prinz und schickte den L&ouml;wen hin, der es auch nach kurzer Zeit ihm brachte. - Die Tiere n&auml;mlich hatten durch nichts sich abhalten lassen und waren bis in den Saal zu der Braut vorgedrungen. Die hatte sie sogleich erkannt und ihnen alles gegeben, was sie f&uuml;r ihren Herrn forderten.

Da nahm endlich der K&ouml;nig seine Tochter bei Seite und sprach: &quot;Was hast Du denn mit den wilden Tieren vor?&quot; Da erz&auml;hlte und entdeckte sie ihm, dass der wahre Drachent&ouml;ter jetzt da sei und dass sie den und keinen andern heiraten werde. Darauf schickte der K&ouml;nig sogleich eine Ordonanz in&#039;s Wirtshaus und lie&szlig; den Herrn der wilden Tiere zur Tafel laden. Da kam er. Endlich, als alle recht vergn&uuml;gt waren, sagte der K&ouml;nig:“ Jetzt solle auch ein jeder seine Lebensgeschichte erz&auml;hlen, und da kam denn zuerst die Reihe an den Br&auml;utigam, der den Drachen besiegt haben wollte. Der hatte die sieben K&ouml;pfe auf einen Tisch hinstellen lassen und erz&auml;hlte nun, wie er sie dem Drachen abgeschlagen habe. Als er fertig war, forderte der K&ouml;nig den fremden Mann mit den wilden Tieren auf, dass er jetzt doch auch seinen Lebenslauf erz&auml;hlen m&ouml;ge. Das tat er denn auch gern und erz&auml;hlte, wie er die treuen Tiere bekommen und wie sie ihm geholfen hatten, einen siebenk&ouml;pfigen Drachen zu &uuml;berwinden und eine K&ouml;nigstochter zu erl&ouml;sen und wie er darauf noch ein Jahr lang in der Welt herumgezogen sei. Indem er alsdann die sieben Drachenk&ouml;pfe betrachtete, sprach er weiter: &quot;Jedes Tier hat sonst doch eine Zunge; aber die da werden keine haben.&quot; Und als man nachsah, - nein, da hatten alle sieben Drachenk&ouml;pfe keine Zungen. Darauf zog er die Wahrzeichen aus der Tasche, und die Zungen passten ganz zu den abgeschnittenen Enden im Rachen der Drachenk&ouml;pfe, also, dass die Arglist des Kutschers an den Tag kam. Sodann fragte der Prinz noch die Prinzessin: ob sie die goldene Kette am Halse der Tiere wohl kenne? &quot;O gewiss, sagte sie, die kenne ich sehr gut! Ich selbst habe sie ja deinen Tieren umgeh&auml;ngt, weil sie Dir so treu und tapfer bei der Erlegung des Drachen geholfen hatten.&quot; Und nun war die Braut froh, dass der rechte Br&auml;utigam da war; den hat sie dann geheiratet und er ist K&ouml;nig geworden. Dem falschen aber wurde der Kopf abgeschlagen.

Was nun aus den beiden Br&uuml;dern des Prinzen geworden ist, ob sie heimgekehrt sind, oder noch in der Welt herumwandern, das hat mir Niemand sagen k&ouml;nnen. Wenn ich aber an den Tannenbaum komme, will ich doch nachsehen, ob sie noch am Leben sind, oder ob die Schwerter Rostflecken bekommen haben.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet - Henning Vieser
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            <title>59. Der langnasige Riese und der Schlossergesell.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10929&amp;goto=11123</link>
            <pubDate>Wed, 16 May 2012 15:26:34 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[
59. Der langnasige Riese und der Schlossergesell.

Der Herr auf dem &quot;Rauber,&quot; der zwischen Teck und Wielandstein liegt, lie&szlig; einst einen Schlosser aus Owen zu sich kommen und bestellte bei demselben ein so kostbares und kunstvolles Schloss, dass der Meister gestand, er selbst k&ouml;nne ein solches nicht machen; allein er habe einen sehr geschickten Gesellen, der werde es vielleicht k&ouml;nnen. Darauf musste der Gesell zum &quot;Rauber&quot; kommen und versprach, das Schloss sogleich zu verfertigen, jedoch unter der Bedingung, dass der Rauber ihm daf&uuml;r seine Tochter zur Frau gebe. Ja, das wollte er gern tun und versprach dem Gesellen noch obendrein ein kleines Schl&ouml;sslein, das leer stand, darin er mit seiner Frau wohnen k&ouml;nne. -

Nun machte der Gesell das kunstvolle Schloss f&uuml;r den Rauber und vergoldete es und bekam daf&uuml;r die Tochter und eine kleine Burg als Belohnung. Kaum aber hatte er mit seiner Frau die neue Wohnung, die zwischen dem Rauber und der Teck lag, bezogen und wollte hier sein Handwerk fortsetzen, als sich ein Spukgeist in dem Schlosse vernehmen lie&szlig;. Jeden Abend erschien n&auml;mlich ein gro&szlig;er Mann, der hatte eine Nase, ja die war wenigstens anderthalb Schuh lang, und guckte dem Schlosser best&auml;ndig auf die Arbeit. Nachts aber tappte er in der Schlafkammer auf und ab. Endlich gelang es dem Schlosser eines Abends, als der Riesenkerl ihm wieder auf die Arbeit stierte, die lange Nase desselben zu fassen und in den Schraubstock zu bringen, und lie&szlig; sie so lange fest eingeklemmt darin, bis er versprach, dass er nicht wieder kommen wolle. Dann lie&szlig; er ihn los, und er kam auch wirklich nicht wieder.

Nach einiger Zeit aber ging der Schlosser einmal mit seiner Frau in dem sch&ouml;nen Walde spazieren, und wie sie eben an nichts weiter dachten, wen sahen sie daher kommen? - Den Mann mit der langen Nase! &quot;Jetzt sind wir verloren! rief die Frau; ach w&auml;r’ ich doch bei meinem Vater geblieben!&quot; &quot;Sei nur still, sprach der Mann und lass mich nur machen!&quot; Und sogleich ergriff er seine Frau und stellte sie auf den Kopf, dass die F&uuml;&szlig;e in die H&ouml;he standen wie die beiden Klammern eines Schraubstocks. Wie das der lange Mann sah, blieb er erschrocken stehen und rief in n&auml;selndem Tone: &quot;So? Du bist schon wieder da mit deinem verfluchten Schraubstock!&quot; und wandte sich um und lief was er konnte, und hat sich nie wieder blicken lassen.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet - Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>60. Die Schlange und das Kind.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10928&amp;goto=11122</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:18:58 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[60. Die Schlange und das Kind.

Zu einem Kinde kam best&auml;ndig, wenn es seine Milch nebst eingebrocktem Brote im Garten a&szlig;, eine Schlange (Otter) und trank mit ihm von seiner Milch. Da sagte eines Tages das Kind, das noch nicht recht sprechen konnte: &raquo;i&szlig; et no Ilch, (Milch) i&szlig; au Ocke!&laquo; (Brocken.) Die Mutter wusste aber gar nicht, weshalb das Kind immer so gern im Garten seine Milch essen wollte; und da sie es nun mit Jemand reden h&ouml;rte, sah sie genau hin und entdeckte die Schlange. Da eilte sie in den Garten und schlug die Schlange auf den Kopf, dass sie fortkroch. – Seit der Zeit zehrte das Kind ab und starb nicht lange nachher. Auf sein Grab aber soll die Schlange einen Kranz gebracht haben.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet. Dialiektausdr&uuml;cke blieben unver&auml;ndert – Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>61. Das Nebelmännle.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10927&amp;goto=11121</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:18:15 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[61. Das Nebelm&auml;nnle.

Auf der alten Burg Bodmann, die in der N&auml;he des &Uuml;berlinger See&#039;s liegt, wohnte einst ein Herr v. Bodmann, der wollte eine gro&szlig;e Reise machen bis an&#039;s Ende der Welt, und nahm einen Wagen, einen Kutscher und einen Diener mit, und verabschiedete sich von seiner Frau, indem er sprach: &raquo;wenn ich von heut an in sieben Jahren nicht wieder hier bin, so darfst Du auf mich nimmer warten und kannst einen andern heiraten.&laquo; Darauf reiste er fort und kam durch viele St&auml;dte und L&auml;nder und zuletzt in eine gro&szlig;e W&uuml;ste, in der ging er weit weit fort, ohne dass er irgend einen Menschen zu sehen bekam. Endlich gelangte er an einen Platz, der war mit einer hohen Mauer umgeben, und weil er gern gewusst h&auml;tte, was dahinter war, so half er seinem Bedienten hinauf. Wie der aber droben war und hinter die Mauer sehen konnte, so winkte er blo&szlig; dem Kutscher und sprang hinab. Nach einer Weile, als er immer nicht wieder kam, sagte der Herr zu seinem Kutscher, er solle doch einmal nachsehen, wo der Bediente geblieben sei, und half ihm ebenfalls auf die Mauer. Der Kutscher aber machte es ebenso wie der Bediente und sprang in den Garten, der hinter der Mauer war. denn das war der Paradiesgarten, und darin gefiel es den beiden so gut, dass sie nicht wieder herausmochten und deshalb ihren Herrn im Stich lie&szlig;en.

Der Herr v. Bodmann konnte allein die Mauer nicht ersteigen, und nachdem er noch l&auml;ngere Zeit vergebens auf seine Diener gewartet hatte, irrte er allein in der W&uuml;ste weiter und kam endlich an ein kleines Haus. In das ging er hinein und traf daselbst ein altes Weib; dem sagte er, wie es ihm ergangen war und w&uuml;nschte dort zu bleiben. Das Weib aber sagte, ihr Mann sei ein Menschenfresser und werde ihn gewiss riechen, wenn er hier bliebe. Allein der Herr v. Bodmann mochte nicht weiter mehr in der Welt herumirren und versteckte sich in dem Hause. Doch so wie der Mann des alten Weibes heimkam, sprach er gleich: &raquo;ich schmeck (rieche) einen Menschen!&laquo; und entdeckte alsbald auch den Herrn v. Bodmann, war aber nicht unfreundlich gegen ihn und sah auch nicht furchtbar aus, sondern war nur ein kleines M&auml;nnlein und wurde gew&ouml;hnlich das &raquo;Nebelm&auml;nnle&laquo; genannt.

Nachdem nun das Nebelm&auml;nnle von dem Herrn v. Bodmann erfahren hatte, wie er daher gekommen, so sprach es zu ihm: &raquo;ich will Dir nichts zu Leide tun und will Dich sogar noch in dieser Nacht zu deinem Schlosse f&uuml;hren (denn sonst h&auml;lt deine Frau morgen mit einem Andern Hochzeit), wenn Du mir versprichst, dass Du k&uuml;nftig das L&auml;uten mit der Nebelglocke unterlassen willst.&laquo; Das versprach ihm der Herr v. Bodmann herzlich gern, und darauf nahm ihn das Nebelm&auml;nnle auf seine Schultern und flog mit ihm, schneller als der Wind, durch die Luft und setzte ihn am Morgen richtig vor seinem Schlosse nieder.

Wie der Herr v. Bodmann seine Burg betrat, erkannte ihn niemand, selbst seine Frau nicht. Diese reichte ihm Waschwasser, und nachdem er sich gewaschen, zog er seinen Trauring vom Finger und lie&szlig; ihn hineinfallen. Als aber seine Frau das Wasser ausgoss und den Ring erblickte, hatte sie eine herzliche Freude und behielt doch lieber ihren alten Mann, als dass sie den neuen genommen h&auml;tte, dessen Andringen sie nicht l&auml;nger hatte ausweichen k&ouml;nnen, weil die sieben Jahre eben um waren.

Das L&auml;uten mit der Nebelglocke, welches die Nebel verscheuchen sollte, ist seitdem eingestellt worden; die Nebelglocke aber h&auml;ngt noch immer auf dem alten Schlosse Bodmann.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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        <item>
            <title>62. Bruder Lustig.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10926&amp;goto=11120</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:13:47 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Da war er nun den ganzen Tag lang fortgegangen und hatte nirgend einen Menschen oder ein Haus angetroffen. Endlich, als es schon dunkel wurde und er ganz erm&uuml;det war, kam er in ein Wirtshaus und wollte daselbst &uuml;bernachten. Da waren aber alle Zimmer schon besetzt und der Wirt entschuldigte sich, dass er nicht mehr Raum habe; er habe da wohl noch ein zweites, gro&szlig;es Haus, das stehe leer; aber er k&ouml;nne keinen Menschen einquartieren; denn es sei noch Niemand, der es gewagt habe, darin zu schlafen, lebendig wieder daraus hervorgekommen. Bruder Lustig aber sagte: er m&uuml;sse irgendwo ein Unterkommen haben, der Wirt solle ihn nur in das Haus f&uuml;hren. Das tat er denn auch, weil&#039;s der Bruder Lustig so wollte; der legte sich dann getrost in&#039;s Bett und schlief ein; sein Licht aber hatte er brennen lassen.

Wie es nun Mitternacht war und eben zw&ouml;lf schlug, da wachte Bruder Lustig auf; denn er h&ouml;rte ein Ger&auml;usch, und alsbald ging die T&uuml;r auf und es traten neun Teufel in sein Schlafzimmer und stellten sich um sein Bett und stierten ihn best&auml;ndig an. Das war ihm doch nicht angenehm, und weil er m&uuml;de war und gern weiter fortschlafen wollte, so w&uuml;nschte er die neun Teufel in seinen Ranzen, und wutsch! waren sie alle verschwunden. Dann schlief er ruhig bis zum andern Morgen; da nahm er seinen Ranzen und ging damit in eine Schmiede und lie&szlig; den Schmied und seine Gesellen so lange darauf losschlagen mit den schwersten H&auml;mmern, dass er meinte, von den Teufeln werde wohl keiner sich mehr r&uuml;hren und regen. Als er aber den Ranzen aufmachte, war doch noch Einer am Leben und der lief was er konnte, gerades Wegs in die H&ouml;lle hinein. Niemand aber war jetzt vergn&uuml;gter als der Wirt; denn es lie&szlig; sich von dem Tage an kein Teufel mehr in dem neuen Hause sehen, und zum Dank daf&uuml;r behielt er den Bruder Lustig umsonst bei sich, so lange er nur bleiben wollte. Es gefiel dem Bruder Lustig auch weit besser in dem Wirtshause als bei dem Einsiedler und deshalb blieb er da bis zu seinem Ende.

Als er nun gestorben war und vor das Himmelstor kam und anklopfte und Petrus ihn erblickte, sprach er: &raquo;So, Du kommst auch und willst in den Himmel? sieh, dorthin geh&ouml;rst Du!&laquo; und damit wies er ihn zum H&ouml;llentor. Wie Bruder Lustig dort ankam, wurde er eingelassen und wollte sogleich mit den Teufeln ein Kartenspiel machen; sie spielten aber um menschliche Seelen, und es war ausgemacht, dass er die Seelen, die er gew&ouml;nne, mit herausnehmen d&uuml;rfe. Da kam aber der eine Teufel dazu, der in dem Ranzen so gottsj&auml;mmerlich geklopft war und erkannte sogleich den Bruder Lustig und sagte zu den andern Teufeln: &raquo;Fangt nur mit dem Kerl nichts an, sonst sind wir verloren und er nimmt uns alle Seelen mit fort!&laquo; Da jagten sie ihn Hals &uuml;ber Kopf zur H&ouml;lle wieder hinaus, und Bruder Lustig wanderte ganz &auml;rgerlich zur&uuml;ck zum Himmelstore und klopfte an. So wie Petrus aber auftat, warf er flink seinen Ranzen in den Himmel und w&uuml;nschte sich dann selbst in seinen Ranzen hinein, und so ist er doch noch in den Himmel gekommen, obwohl Petrus ihm die T&uuml;r vor der Nase zuschlug.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>62. Bruder Lustig.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10926&amp;goto=11119</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:13:17 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[62. Bruder Lustig.

Der Bruder Lustig befand sich einmal auf Reisen und hatte nur noch drei Kreuzer im Sack und ein einziges Brot, das er sich gekauft. Da begegnete ihm der heilge Petrus und sprach: &raquo;gr&uuml;&szlig; Dich Gott, armer Bruder!&laquo; &raquo;Gr&uuml;&szlig; Dich Gott!&laquo; sagte Bruder Lustig. &raquo;Wohin geht die Reise?&laquo; sprach Petrus. &raquo;Wei&szlig; nicht, sprach der Bruder Lustig, wohin mich der Wind noch f&uuml;hren wird.&laquo; Sprach der heilige Petrus zu ihm weiter: &raquo;ach, ich habe Hunger und kein Geld; sei so gut und gib mir ein Almosen!&laquo; &raquo;Ich bin zwar selbst ein armer Schlucker, sagte Bruder Lustig, und hab nur noch drei Kreuzer und ein Brot im Sack, doch wir wollen&#039;s teilen;&laquo; und darauf gab er dem heiligen Petrus, der als Bettler verkleidet war, einen Kreuzer und einen Viertel Brot. &raquo;Vergelts Gott!&laquo; sprach Petrus und ging weiter.

&Uuml;ber eine Weile begegnete ihm abermals der heilige Petrus als Bettler, aber in einer andern Gestalt als das erste Mal und sprach: &raquo;gr&uuml;&szlig; Dich Gott, Bruder! ein Armer spricht Dich um eine Gabe an!&laquo; &raquo;Gr&uuml;&szlig; Dich Gott, armer Bruder!&laquo; sprach der Bruder Lustig und gab dem Bettler einen Kreuzer und einen Viertel von seinem Brote. &raquo;Vergelts Gott!&laquo; sprach Petrus und ging weiter.

Wieder &uuml;ber eine Weile kam der heilige Petrus zum dritten Male als Bettler in einer andern Gestalt und bat ihn um eine Gabe, weil er so hungrig sei. Da sagte Bruder Lustig: &raquo;mit zwei Armen hab ich schon geteilt, was ich hatte; jetzt hab ich grad noch einen Kreuzer und ein halbes Brot, das wollen wir noch einmal teilen.&laquo; Sprach der heilige Petrus: &raquo;Nun, ich habe auch noch einen Kreuzer, so wollen wir in&#039;s Wirtshaus gehen und zu dem Brot ein Halbes Bier mit einander trinken.&laquo; Ja, das war dem Bruder Lustig ganz recht und sie machten es so; und als sie nun alle beide nichts mehr hatten, so beschlossen sie, dass sie mit einander weiter reisen wollten.

Wie sie nun so eine gute Strecke zusammen marschiert waren, kamen sie in eine Stadt, darin war gro&szlig;e Trauer, weil die Tochter des K&ouml;nigs gestorben war. Darauf lie&szlig; Petrus bei dem K&ouml;nige sich melden als Doktor und versprach, die Prinzessin wieder lebendig zu machen; aber es sollte Niemand dabei sein und zusehen als blo&szlig; der Bruder Lustig. – Nun lie&szlig; Petrus sich einen Kessel mit kochendem Wasser geben, zerschnitt den Leichnam und kochte das Fleisch in dem Kessel, legte dann die Knochen wieder zusammen, rief die Tote bei Namen und sprach die drei h&ouml;chsten g&ouml;ttlichen Namen aus und hie&szlig; die Jungfrau aufstehen. Da stand sie auf und lebte und war frisch und gesund wie vorher. – Der K&ouml;nig war au&szlig;er sich vor Freude und bot dem heiligen Petrus alles an, was er sich nur w&uuml;nschen m&ouml;ge, und wenn&#039;s das halbe K&ouml;nigreich w&auml;re! Aber Petrus schlug alles aus und wollte keinen Lohn. &raquo;Narr, sprach der Bruder Lustig zu ihm, Du hast selber nichts, so dass Du betteln musst, und willst einem K&ouml;nig was schenken!&laquo; Petrus aber h&ouml;rte nicht darauf und ging fort, und Bruder Lustig lie&szlig; ihn allein ziehen und blieb in dem Schlosse zur&uuml;ck, und lie&szlig; sich erst seinen Ranzen mit Geld f&uuml;llen, so viel er nur tragen konnte. Dann lebte er eine lange Zeit herrlich und in Freuden, bis endlich der Ranzen leicht und leer war.

Da trug sich&#039;s zu, dass der Bruder Lustig in ein Dorf kam und h&ouml;rte, die Tochter eines reichen Bauers sei totkrank. Da ging er hin; wie er aber hinkam, war sie schon gestorben. Nun erbot er sich, er wolle sie wieder lebendig machen, und machte es grad so, wie er es den heiligen Petrus hatte tun sehen: Er zerschnitt die Leiche, kochte das Fleisch und legte dann die Knochen an einander. Aber damit wollte es ihm nicht gelingen, denn er wusste nicht, welche Knochen zusammen geh&ouml;rten, so dass er in die allergr&ouml;&szlig;te Angst und Unruhe geriet und sich gar nicht mehr zu helfen wusste. Da klopfte pl&ouml;tzlich der heilige Petrus an&#039;s Fenster und er lie&szlig; ihn sogleich herein. Der aber machte ein b&ouml;s Gesicht und sprach: &raquo;Ei Du schlechter Kerl, glaubst Du auch zu k&ouml;nnen, was ich kann! das geht ja nimmermehr so! – Diesmal will ich Dir noch helfen; aber dass Du Dir&#039;s nur nicht einfallen l&auml;sst, so etwas noch einmal zu probieren, sonst wird Dir&#039;s schlecht gehen!&laquo; Darauf ordnete Petrus die Gebeine wie sie zusammen geh&ouml;rten, und rief das M&auml;gdelein bei Namen und hie&szlig; es aufstehen. Da stand es auf und ging zu seinen Eltern. Dann entfernte sich Petrus wieder durch das Fenster, durch das er gekommen war, nachdem er noch dem Bruder Lustig streng anbefohlen hatte, dass er ja keine Belohnung nehmen sollte. Nein, das wollte er auch gewiss nicht, sagte er. Als nun die Bauersleute aus Dankbarkeit ihm Geld und Gut anboten, so schlug er&#039;s aus, lie&szlig; es aber endlich doch geschehen, weil sie ihn so sehr n&ouml;tigten, dass sie ihm ein Lamm mit auf den Weg gaben. Das nahm er und trieb es zum Dorfe hinaus.

Vor dem Dorfe traf er wieder mit dem heiligen Petrus zusammen, der stellte ihn sogleich zur Rede wegen des Lammes. &raquo;Ach, sprach der Bruder Lustig, ich wei&szlig; nicht, was ich von Dir denken soll; wir sind alle beide arme Hungerleider und sollen nichts von andern Menschen annehmen! Komm her, wir wollen uns mit einander das Lamm schmecken lassen!&laquo; – &raquo;Nun, meinetwegen, sprach Petrus, so mach es zurecht; ich will unterdessen einen Gang machen; aber Du musst nicht eher anfangen zu essen, bis ich wieder da bin!&laquo; – &raquo;Ei bei Leibe!&laquo; sprach der Bruder Lustig und schlachtete sogleich das Lamm und machte ein Feuer an und briet es. Da dauerte es nicht lange, da war es fertig und roch so gut, dass der Bruder Lustig nicht wiederstehen konnte und das Herz herausfischte und es aufa&szlig;; denn Petrus blieb auch gar zu lange und er hatte au&szlig;erdem Hunger. – Endlich kam Petrus zur&uuml;ck und sagte: &raquo;Du kannst alles essen, blo&szlig; das Herz bitt&#039; ich mir aus!&laquo; – &raquo;Ei Br&uuml;derchen, wo denkst Du hin?&laquo; sprach Bruder Lustig, &raquo;besinn&#039; Dich doch, ein Lamm hat ja kein Herz!&laquo; – &raquo;Ei freilich, sprach Petrus, ein Lamm muss doch ein Herz haben wie jedes andre Tier.&laquo; – &raquo;Ganz gewiss nicht! glaub&#039;s nur auf mein Wort! Ein Lamm hat kein Herz!&laquo; sprach der Bruder Lustig in Einem fort, so dass Petrus ihn zuletzt gew&auml;hren lie&szlig; und sagte: &raquo;So kannst Du auch das &uuml;brige allein essen!&laquo; Darauf ging er fort. Bruder Lustig aber lie&szlig; sich den Braten schmecken, und wer auf der Stra&szlig;e daherkam, den lud er ein zum mitessen, bis das Lamm aufgezehrt war.

Nachdem er sich also gelabt und ges&auml;ttigt hatte, reiste er weiter und kam an ein Wasser, &uuml;ber das er hin&uuml;ber musste. Das Wasser aber war angeschwollen, und wie er eben drin war, stieg es immer h&ouml;her, dass er nahe dran war zu ertrinken und sich nicht mehr zu helfen wusste. Da rief mit einem Male von dem andern Ufer her Petrus: &raquo;Gesteh mir, dass ein Lamm ein Herz hat und dass Du es aufgegessen, so will ich Dir helfen!&laquo; Bruder Lustig aber antwortete: &raquo;Wie kann ich das gestehen und wie kann ich das Herz gegessen haben, da ja ein Lamm, wie Jedermann wei&szlig;, gar kein Herz im Leibe hat!&laquo; Und obwohl Petrus das Wasser immer h&ouml;her steigen lie&szlig;, so dass Bruder Lustig um&#039;s Haar h&auml;tte ertrinken m&uuml;ssen, so wollte er doch nicht bekennen. Deshalb lie&szlig; Petrus, weil er Mitleid hatte mit dem gutm&uuml;tigen Narren, das Wasser wieder sinken, so dass er hindurchgehen konnte. Dann aber sagte Petrus zu ihm: &raquo;Du bist nun doch einmal ein rechter Taugenichts; damit Du aber nicht wieder so gottlose Streiche machst und Tote erwecken willst um&#039;s Geld, so will ich Dir da einen Ranzen schenken, in den kannst Du Dir alles hineinw&uuml;nschen, was Du nur begehrst. Und nun leb&#039; wohl!&laquo; Mit diesen Worten verlie&szlig; ihn der heilige Petrus und Bruder Lustig wanderte mit seinem Wunsch-Ranzen allein weiter fort.

So kam er nach einiger Zeit einmal in ein Wirtshaus und trank ein Glas Bier. Da sah er zwei gebratene G&auml;nse im Ofen stehen, ach, die rochen gar zu gut, und er h&auml;tte wohl ein St&uuml;ck davon verzehren m&ouml;gen. Wie er nun wieder drau&szlig;en war, dachte er: ei, du solltest doch einmal den Ranzen probieren! und w&uuml;nschte sich die G&auml;nse hinein. Mit einem Mal f&uuml;hlte er, dass der Ranzen schwer wurde und er roch auch sogleich den Duft der gebratenen G&auml;nse, und setzte sich nieder und lie&szlig; sie sich wohl schmecken. Derweil kamen zwei Handwerksburschen daher, die baten um ein St&uuml;ckchen Fleisch; da gab er ihnen die eine Gans, denn er hatte genug an der andern. Nun traf es sich, dass die beiden Handwerksburschen in dasselbe Wirtshaus kamen, aus welchem Bruder Lustig die G&auml;nse weggew&uuml;nscht hatte, und sich daselbst Bier und Brot geben lie&szlig;en und dann vergn&uuml;gt ihren G&auml;nsebraten verzehrten. Nach einer Weile wollte die Wirtin ihre G&auml;nse holen; denn sie hatte G&auml;ste am Tisch, die sie verzehren sollten. Aber da h&auml;ttest Du einmal das Gesicht sehen sollen, das sie machte, als sie merkte, dass die G&auml;nse fort waren und dass die Handwerksburschen sie aufgegessen hatten; die mochten nun sagen, was sie wollten und so viel sie wollten: es habe Jemand drau&szlig;en vor der Stadt ihnen den Braten geschenkt, – das half ihnen alles nichts; sie wurden f&uuml;r die Diebe gehalten und wurden in&#039;s Gef&auml;ngnis gesperrt, also, dass sie den Braten teuer bezahlen mussten.

Bruder Lustig aber lie&szlig; sich&#039;s in der Welt wohl sein und wanderte von einer Stadt zur andern, bis dass er ein alter Mann geworden und er des ewigen Herumziehens m&uuml;de war; auch dachte er, sein letztes St&uuml;ndlein werde nicht mehr gar ferne sein, fragte deshalb einen frommen Einsiedler, was er tun m&uuml;sse, um in den Himmel zu kommen? Der fromme Mann sagte: Er solle Bu&szlig;e tun und flei&szlig;ig beten, und behielt den Bruder Lustig bei sich und wollte ihn vorbereiten auf den Himmel. – Allein es dauerte nicht lange, da konnte es der Bruder Lustig bei dem Einsiedler nicht mehr aushalten, denn er war ihm gar zu ernsthaft; deshalb nahm er alsbald seinen Ranzen auf den R&uuml;cken und begab sich wiederum auf die Wanderschaft.

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        </item>
        <item>
            <title>63. Der Räuberhauptmann und die Müllerstöchter.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10925&amp;goto=11118</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:10:23 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[63. Der R&auml;uberhauptmann und die M&uuml;llerst&ouml;chter.

Es war ein reicher M&uuml;ller, der wohnte ganz allein in einem Thale und hatte drei sch&ouml;ne T&ouml;chter; von denen h&ouml;rte ein R&auml;uberhauptmann und fuhr in einem pr&auml;chtigen Wagen hin und bat, dass der M&uuml;ller ihn doch beherbergen m&ouml;ge. Ja, das wollte er wohl tun. Wie sie nun Abends bei Tische sa&szlig;en und allerlei mit einander redeten, so sagte der Fremde auch, dass er noch unverheiratet sei und fragte den M&uuml;ller, ob er ihm nicht eine von seinen T&ouml;chtern zur Frau geben wolle. Der M&uuml;ller, der den R&auml;uber f&uuml;r einen vornehmen Herrn hielt und meinte, dass seine Tochter nicht besser versorgt werden k&ouml;nne, sagte ja, er solle sich nur eine ausw&auml;hlen. Da w&auml;hlte er sich die &auml;lteste.

Nun h&auml;tte der R&auml;uber gern sogleich Hochzeit gehalten; allein der M&uuml;ller sagte: die Aussteuer m&uuml;sse erst noch gemacht werden. Daf&uuml;r dankte zwar der Fremde; denn sein Schloss sei mit Allem wohl versehen. Aber die Tochter selbst w&uuml;nschte vor ihrer Verheiratung die Wohnung ihres Br&auml;utigams einmal zu sehen; deshalb wurde die Hochzeit noch aufgeschoben, und sie fuhr einstweilen zum Besuche mit. Da wurde ihr aber der Weg sehr lang. Es ging durch Berg und Tal, immer dichter und tiefer in den Wald hinein. &raquo;Kommt dein Schloss noch nicht bald?&laquo; fragte sie immer &auml;ngstlicher ihren Br&auml;utigam. &raquo;Es wird bald kommen! sagte er jedes Mal, nur noch ein wenig Geduld!&laquo; Endlich und [225] endlich kamen sie wirklich an. Da war Alles in dem Schloss auf&#039;s Sch&ouml;nste eingerichtet und der Br&auml;utigam selbst f&uuml;hrte seine Braut &uuml;berall hin und zeigte ihr Alles; nur ein einziges Zimmer Schloss er nicht auf. Dann brachte er sie zur&uuml;ck zu den Eltern und hielt nicht lange nachher wirklich Hochzeit mit ihr.

Der jungen Frau aber wollte es auf dem Schlosse gar nicht gefallen. Ihr Mann war oft wochenlang fort, ohne dass sie wusste, wo er war, und wenn er dann heimkam, brachte er einen ganzen Haufen roher Menschen mit, die a&szlig;en und tranken und spielten, w&auml;hrend die arme Frau sich oftmals zu der M&uuml;hle zur&uuml;ckw&uuml;nschte, wo ihre Eltern wohnten. Ganz besonders unheimlich aber war es ihr, dass der Mann ihr so streng verboten hatte, ein einziges Zimmer nie aufzuschlie&szlig;en und nie hineinzusehen. Au&szlig;erdem gab er ihr jedes Mal, wenn er verreiste, ein Ei, welches sie sorgf&auml;ltig aufheben und nie aus der Hand legen sollte. Das tat die Frau denn auch gewissenhaft. Sobald der Mann aber zur&uuml;ckkam, lie&szlig; er sich immer gleich das Ei zeigen.

Eines Tages jedoch, als er fort war, konnte die Frau es nicht lassen, die verbotene T&uuml;re zu &ouml;ffnen, und da sah sie ein ganzes Zimmer voll Leichen und Totengerippen und entsetzte sich so dar&uuml;ber, dass sie am ganzen Leibe zitterte und bebte und das Ei fallen lie&szlig;. Da war es zerbrochen. Als nun der Mann heimkam und das Ei verlangte, konnte sie es nicht vorweisen. Da merkte er auch aus dem ganzen Aussehen seiner Frau, was sie getan hatte, und sagte: &raquo;nun komm nur mit, jetzt darfst Du in die Kammer, weil Du hineingesehen hast!&laquo; und schleppte sie hin, schnitt ihr den Hals ab und warf sie zu den &uuml;brigen Leichen.

Nicht lange darauf nahm der Mann einen andern Wagen und andre Pferde und kleidete sich ganz anders und fuhr abermals zu dem M&uuml;ller und sagte: er habe geh&ouml;rt, dass er zwei so sch&ouml;ne T&ouml;chter habe, er m&ouml;ge ihm doch eine davon zur Frau geben. Der M&uuml;ller entschloss sich schwer dazu, willigte aber doch ein, weil die Tochter Lust hatte, und lie&szlig; sie sogleich mitfahren und gab ihr eine reiche Aussteuer.

Dieser zweiten Frau erging es bald ebenso wie ihrer Schwester. Sie bekam immer ein Ei, wenn ihr Mann ausging, das sollte sie sorgf&auml;ltig in der Hand tragen, und au&szlig;erdem hatte er ihr verboten, ja niemals die eine T&uuml;r aufzumachen. Als sie aber dennoch eines Tags die Totenkammer aufschloss und hineinging, lie&szlig; sie vor Schrecken das Ei in einen Eimer mit Blut fallen, und eh sie es abwaschen konnte, war ihr Mann zur&uuml;ckgekommen und sah das Blut an dem Ei und sagte: &raquo;jetzt ist es aus mit Dir!&laquo; und f&uuml;hrte sie ebenfalls in die Kammer und schnitt ihr den Hals ab.

Der R&auml;uberhauptmann aber wusste sich so geschickt zu verkleiden und zu verstellen, dass, als er jetzt zum dritten Male zu dem M&uuml;ller kam und um die j&uuml;ngste Tochter anhielt, der M&uuml;ller ihn nicht wieder erkannte, sondern ihn f&uuml;r einen ganz anderen Menschen hielt. Mit vieler M&uuml;he bekam er endlich auch die dritte Tochter und machte es mit dieser nun ebenso wie mit ihren beiden Schwestern. Er untersagte ihr streng, das eine Zimmer aufzuschlie&szlig;en und gab ihr, wenn er ausging, jedes Mal ein Ei, das sie best&auml;ndig tragen sollte. Diese Frau aber war vorsichtig und legte das Ei in ein K&ouml;rbchen und lie&szlig; es darin liegen, wenn sie im Schlosse umherging. So kam sie denn auch einmal an die verbotene T&uuml;r, die sie schon oft angesehen hatte, und dachte: Ei, du sollst doch einmal zusehen, was wohl darin ist, und schloss die T&uuml;r auf. Aber wie erschrak sie da, als sie hier lauter Leichen fand und darunter auch die K&ouml;pfe ihrer beiden Schwestern, die sie noch erkennen konnte.

Schnell setzte sie sich nun hin und schrieb einen verstellten Brief, als ob ihr Vater schwer erkrankt sei und sie noch einmal vor seinem Tode zu sehen w&uuml;nsche. Als darauf der R&auml;uber nach Haus kam und die Frau ganz traurig fand, so fragte er sogleich nach dem Ei; das war zwar nicht zerbrochen, aber die Frau bat ihn um alles in der Welt, dass er sie doch zu ihrem Vater bringe, der wolle sterben und w&uuml;nsche, sie noch einmal zu sehen. Und als der R&auml;uber den Brief gelesen, gab er endlich ihren Bitten nach und fuhr schon am andern Morgen mit ihr fort.

Die Frau aber hatte ganz heimlich die K&ouml;pfe ihrer Schwestern mit in die Kleiderkiste gepackt, die sie mitnahm, und kam deshalb in gro&szlig;e Angst, als ihr Mann unterwegs noch einmal umkehren wollte; er habe vergessen, nach seinen V&ouml;geln zu sehen, sagte er. Die Frau konnte wohl denken, dass er damit die Totenkammer meinte und sie f&uuml;rchtete, dass er entdecken k&ouml;nnte, was darin vorgefallen war. Deshalb bat sie ihn so dringend und so z&auml;rtlich, ihre Reise nicht aufzuhalten, dass er endlich nachgab und sie zu ihrem Vater f&uuml;hrte. Den trafen sie ganz gesund an; die Tochter aber hatte sogleich die Knechte ihres Vaters bestellt; die umgaben das Haus und nahmen den R&auml;uber gefangen. Der wurde dann vor ein Gericht gestellt und verurteilt und hingerichtet.

Zugleich aber verlangte der Richter von der jungen Frau, dass sie seinen Leuten den Weg zu dem R&auml;uberschlosse zeigen sollte, damit auch die Gehilfen des gottlosen Mannes ihre Strafe bek&auml;men. Das tat die Frau auch sogleich und wies den Leuten den Weg in den Wald. Weil sie aber voranging, und die andern nicht recht Acht gaben und zur&uuml;ckblieben, so geschah es, dass sie pl&ouml;tzlich ihre F&uuml;hrerin verloren hatten und deshalb wieder umkehrten. Da irrte die Frau nun allein herum und stie&szlig; mit einem Male auf die R&auml;uberbande und wurde gefangen genommen. &raquo;Da haben wir also das b&ouml;se Weib, das unsern Hauptmann verraten hat!&laquo; sagten die R&auml;uber und beschlossen, sie lebendig in Harz zu sieden, und banden sie an einen Baum und begaben sich in den Wald, um Holz und Harz herbeizuschaffen.

Als die arme Frau nun bitterlich weinte, kam pl&ouml;tzlich die alte Mutter des gek&ouml;pften R&auml;ubers zu ihr und band sie los, weil sie Mitleid mit ihr hatte. Dann eilte sie so schnell sie nur konnte, zum Walde hinaus, und traf auf der Stra&szlig;e einen Fuhrmann, der hatte Reife (Fassringe) geladen, und den bat sie, er m&ouml;ge sie doch aufsitzen lassen und unter den Ringen verstecken, weil die R&auml;uber sie verfolgen k&ouml;nnten. Der Mann aber sagte: &raquo;Das k&ouml;nnte mir Wagen und Pferde kosten! Ich mag mit den R&auml;ubern nichts zu tun haben!&laquo; Da ging die Frau fort und kam bald zu einem zweiten Fuhrmann, der hatte F&auml;sser auf dem Wagen und auch keinen Muth, die Frau aufzunehmen. So lief sie wieder eine Strecke weiter, bis sie ganz ermattet zu einem dritten kam, der hatte Brunnentr&ouml;ge geladen, den einen immer gr&ouml;&szlig;er als den andern, so dass mehrere in einander gelegt werden konnten. Dieser Fuhrmann nahm sie auf und versteckte sie unter dem untersten Brunnenstein und legte die &uuml;brigen &uuml;ber sie her.

Als die R&auml;uber nun aber mit vielem Holz und Harz zur&uuml;ckkamen und die Frau nicht mehr vorfanden, sprangen sie ihr nach. Da trafen sie den ersten Fuhrmann mit den Reifen und luden ihm den ganzen Wagen ab und eilten weiter, als sie die Frau bei ihm nicht fanden. Ebenso machten sie es dem zweiten und dann auch dem dritten Fuhrmann. Diesem letztern warfen sie die Brunnensteine einen nach dem andern herunter bis auf den untersten, unter welchem die Frau verborgen war. Da geriet der Fuhrmann in Todesangst. Als nun aber grade Einer den Stein anfasste, um ihn aufzuheben, da rief der neue Anf&uuml;hrer: &raquo;wir wollen weiter gehn! da sitzt sie doch nicht drunter.&laquo; Und so lie&szlig;en sie den letzten Brunnenstein liegen und zogen ab. Der Fuhrmann aber lud eilig einige Steine wieder auf und brachte dann die Frau gl&uuml;cklich zu ihrem Vater.

Darauf hatten die R&auml;uber einen so gro&szlig;en Zorn auf die Frau, dass sie mehrmals versuchten, des Nachts in die M&uuml;hle einzubrechen und Feuer darin anzulegen. Als sie aber zum dritten Male kamen, hatte man ihnen aufgepasst und nahm alle gefangen.

Der M&uuml;ller aber mochte in der M&uuml;hle nicht l&auml;nger wohnen und zog mit seiner Tochter in die benachbarte Stadt. Dort wohnte auch der brave Fuhrmann, der die Frau gerettet hatte, und zum Danke daf&uuml;r und weil er ihr auch sonst gefiel, hat sie ihn geheiratet und beide haben noch lange gl&uuml;cklich mit einander gelebt.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>64. Die drei Handwerksburschen.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10924&amp;goto=11117</link>
            <pubDate>Tue, 01 May 2012 16:09:23 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[64. Die drei Handwerksburschen.

Es sa&szlig;en einmal drei Handwerksburschen ganz still und traurig in einem Wirtshause beisammen; denn sie konnten keine Arbeit bekommen und hatten nur noch f&uuml;nf Kreuzer mit einander zu verzehren. Und wie sie nun so dasa&szlig;en, trat ein fremder Herr zu ihnen hin und fragte, warum sie denn so betr&uuml;bt w&auml;ren? Da klagten sie dem Manne ihre Not, dass ihr Geld zu Ende sei und sie gar nichts verdienen k&ouml;nnten. Sprach der fremde Herr zu ihnen: &raquo;Ei, deshalb d&uuml;rft ihr nicht so traurig sein, da ist wohl noch Rat zu schaffen! Wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, so soll euch das Geld nie ausgehen.&laquo; Da fragten sie: was denn das w&auml;re? Darauf sagte der Fremde: &raquo;Ihr d&uuml;rft nichts weiter reden, man mag euch fragen, was man will, als diese Worte: der erste von Euch muss immer antworten: ›Wir alle drei!‹ der zweite: ›Um&#039;s Geld!‹ der dritte: ›Und so ist&#039;s recht!‹ Wenn ihr das tut, so werdet ihr keine Not mehr leiden.&laquo;

Da sahen die Handwerksburschen sich verwundert an und wollten&#039;s nicht wagen, weil sie sich f&uuml;rchteten; allein da der fremde Herr versicherte, dass ihnen kein Leid dadurch geschehen werde, so versprachen sie es ihm und erlaubten ihm sogar, dass er ihnen eine Ader aufschlug, worauf dann ein jeder mit seinem eigenen Blute dies Versprechen unterschrieb. Darauf verschwand der Mann.

Die drei Handwerksburschen hatten aber, seitdem sie mit ihrem Blute unterschrieben, die Sprache verloren und konnten gar nichts mehr hervorbringen, als die Worte: &raquo;Wir alle drei,&laquo; was der eine sprach, worauf dann jedesmal der andere versetzte: &raquo;Um&#039;s Geld!&laquo; und der dritte hinzuf&uuml;gte: &raquo;Und so ist&#039;s recht!&laquo; Alsbald f&uuml;hlten sie aber, dass ihre Taschen voll Geld waren; deshalb besuchten sie nur gute Gasth&auml;user und lie&szlig;en sich das Essen und Trinken schmecken und bezahlten Alles wie vornehme Herrn, indem sie von dem hingegebenen Gelde, wenn&#039;s zuviel war, nichts wieder zur&uuml;cknehmen wollten. – So kamen sie auch einmal in ein vornehmes Wirtshaus und setzten sich an den Tisch. Da fragte der Wirt, ob sie etwas zu trinken haben wollten? &raquo;Wir alle drei!&laquo; sagte der eine. &raquo;Das kann ich mir denken!&laquo; antwortete der Wirt. &raquo;Um&#039;s Geld!&laquo; versetzte der Zweite. &raquo;Ja freilich, sagte der Wirth; umsonst ist der Tod.&laquo; – &raquo;Und so ist&#039;s recht!&laquo; f&uuml;gte endlich der dritte Handwerksbursch hinzu. &raquo;Das versteht sich!&laquo; sprach der Wirt und lachte und ging hin und holte f&uuml;r jeden einen Schoppen Wein. Und als sie den Wein getrunken hatten, fragte der Wirt wieder: Ob sie auch etwas essen m&ouml;chten? &raquo;Wir alle [232] drei!&laquo; sprach der erste, und dann der zweite: &raquo;Um&#039;s Geld!&laquo; Der dritte: &raquo;Und so ist&#039;s recht!&laquo; – Da sah der Wirt gro&szlig; auf, und auch die G&auml;ste, die da waren und das mit anh&ouml;rten, verwunderten sich &uuml;ber die sonderbaren Leute; denn sie brachten weiter nichts vor, als eben diese drei Redensarten.

In demselben Wirtshause &uuml;bernachtete aber auch ein reicher Kaufmann, der f&uuml;hrte viel Geld bei sich und schlief dicht neben ihnen an. Da h&ouml;rten sie um Mitternacht ein Ger&auml;usch in dem Nebenzimmer und ein Geschrei, was aber alsbald still ward. Dann vernahmen sie ganz deutlich die Stimme des Wirtes, der befahl, dass man die Gelds&auml;cke forttragen sollte, und sie konnten nun wohl denken, was da geschehen sein mochte, blieben aber m&auml;uschenstill liegen, weil sie angst hatten. – Wie es nun Tag wurde und Alles aufstand, ging der Wirt in das Zimmer, wo der Kaufmann geschlafen, und erhub ein Geschrei: &raquo;M&ouml;rder! M&ouml;rder!&laquo; und lief zum Gericht und zeigte es an, dass ein Kaufmann &uuml;ber Nacht in seinem Hause ermordet worden sei, und dass er schweren Verdacht gegen drei Handwerksburschen hege, die dicht neben dem Kaufmann geschlafen h&auml;tten.

Da kam das Gericht herzu und fand den Kaufmann in seinem Blute liegen, nahm dann auch sogleich die drei Handwerksburschen gefangen und fragte sie, ob sie den Mann ermordet h&auml;tten? Da sagte der erste: &raquo;Wir alle drei!&laquo; Der zweite: &raquo;Um&#039;s Geld!&laquo; Der dritte: &raquo;Und so ist&#039;s recht!&laquo; – &raquo;Ei, ihr gottlosen Menschen!&laquo; rief der Richter, und befahl, dass man sie fortf&uuml;hrte. Und weil man in ihren Taschen so viel Geld fand, wie man es sonst bei Handwerksburschen nicht antrifft, und sie ganz unverhohlen die Mordtat bekannten, so wurden sie zum Tode verurteilt und zum Richtplatze hinausgef&uuml;hrt. Als sie nun aber gek&ouml;pft werden sollten, da rief eine unsichtbare Stimme: &raquo;Halt!&laquo; Und mit einem Male f&uuml;hlten die Handwerksburschen, dass sie wieder reden konnten und erz&auml;hlten nun Alles, wie es ihnen ergangen war und wie sie nichts weiter, als die drei Antworten auf alle Fragen h&auml;tten geben k&ouml;nnen; zugleich aber zeigten sie den Richtern an, dass der Wirt selbst den Kaufmann umgebracht und seine Gelds&auml;cke ihm weggenommen habe. Da wurde der Wirt festgesetzt, und als man das Geld mit dem Namen des ermordeten Kaufmanns bei ihm fand und seine Schuld offenbar war, erhielt er seine Strafe. Die drei Handwerksburschen aber zogen nach der Angst, die sie ausgestanden, fr&ouml;hlich von dannen und hatten nun Geld genug ihr Lebenlang.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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            <title>65. Die drei Wünsche.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10923&amp;goto=11116</link>
            <pubDate>Sat, 28 Apr 2012 19:04:20 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[65. Die drei W&uuml;nsche.

Unser Heiland und der heilige Petrus kamen auf ihren Wanderungen eines Abends in ein Dorf und baten einen Mann, der ein gro&szlig;es sch&ouml;nes Haus hatte, um eine Nachtherberge. Der Mann aber wies sie ab und gab ihnen noch b&ouml;se Worte mit auf den Weg. Da gingen sie zu seinem n&auml;chsten Nachbar, der war sehr arm und hatte nur eine kleine H&uuml;tte, nahm aber die beiden Wanderer sogleich freundlich auf, obwohl er sie nicht erkannte, und teilte mit ihnen Alles, was er nur hatte.

Als die Fremden nun ausgeruht hatten und am andern Morgen fort wollten, sagte der Heiland zu dem armen Mann und zu seiner Frau: sie d&uuml;rften drei W&uuml;nsche tun, die sollten ihnen gew&auml;hrt werden. Da w&uuml;nschten sie sich ein besseres Haus, eine Kuh nebst Futter f&uuml;r dieselbe, und drittens w&uuml;nschten sie, dass sie immer einen &raquo;&uuml;brigen Groschen&laquo; in der Tasche haben m&ouml;chten, damit sie auch den Armen etwas abgeben k&ouml;nnten. Und wie die Leute sich dies gew&uuml;nscht hatten, so bekamen sie es auf der Stelle. Die Fremdlinge aber reisten weiter.

Als der Nachbar nun anstatt der kleinen H&uuml;tte pl&ouml;tzlich das sch&ouml;ne neue Haus erblickte, verwunderte er sich &uuml;ber die Ma&szlig;en und schickte sogleich seine Frau hin&uuml;ber, dass sie sich erkundigen sollte. Die erfuhr nun alles, wie es gekommen war. Da &auml;rgerte sich der Mann, dass er die Reisenden abgewiesen hatte und machte sich sogleich mit seiner Frau auf den Weg hinter ihnen her, holte sie auch alsbald ein und bat, dass der Heiland doch ihm und seiner Frau ebenfalls drei W&uuml;nsche gew&auml;hren m&ouml;chte. Der Heiland sagte: ja, das wollte er wohl tun, was sie sich denn w&uuml;nschten? Da sagte die Frau sogleich: &raquo;Ach, eine neue Hechel!&laquo; Und kaum hatte sie es ausgesprochen, so war auch die Hechel schon da. Ihr Mann aber ward unwillig, dass sich die Frau etwas so Geringes gew&uuml;nscht hatte und verlangte, dass er die beiden andern W&uuml;nsche tun d&uuml;rfe. Der Heiland sagte ihm: ja, er solle nur nach Haus gehen und was er sich w&uuml;nsche, das werde ihm gew&auml;hrt werden.

Als der Mann nun mit seiner Frau heimging und diese &uuml;ber ihre sch&ouml;ne Hechel eine gro&szlig;e Freude bezeigte, so konnte es der Mann gar nicht verschmerzen, dass die Frau sich nicht etwas Besseres gew&uuml;nscht hatte und schalt sie recht t&uuml;chtig aus wegen ihrer Dummheit. Die Frau aber bek&uuml;mmerte sich nicht darum und hielt ihrem Mann best&auml;ndig die Hechel hin und sagte: &raquo;Aber sieh doch nur diese sch&ouml;ne Hechel!&laquo; Da sagte er endlich im Zorn: &raquo;Ach ich wollte, dass Du auf deiner Hechel reiten m&uuml;sstest, da w&uuml;rdest Du wohl still davon sein!&laquo; Und mit einem Male sa&szlig; die Frau auf der Hechel und fing ganz erb&auml;rmlich an zu schreien; denn die eisernen Spitzen stachen ihr den Allerwertesten ganz wund und blutig, und sie war nicht im Stande, sich davon loszumachen.

Nun sah der Mann mit Schrecken, was f&uuml;r Unheil er durch seinen Wunsch angerichtet hatte, und suchte seine Frau zu tr&ouml;sten. &raquo;Sei doch nur still, sprach er, wir haben ja noch einen Wunsch und k&ouml;nnen uns die gr&ouml;&szlig;ten Sch&auml;tze der Welt verschaffen!&laquo; Die Frau aber schrie immer lauter und j&auml;mmerlicher und sagte: &raquo;Was helfen mir alle Sch&auml;tze, wenn ich solche Schmerzen ausstehen soll?&laquo; und sie lie&szlig; ihrem Manne keine Ruhe, als bis er den dritten Wunsch aussprach, um sie von der Hechel frei zu machen. &raquo;Ei, so hol der Henker deine Hechel!&laquo; rief er endlich ganz zornig. Da war die Frau wieder frei, aber ihre sch&ouml;ne Hechel war fort,also, dass sie von ihren drei W&uuml;nschen gar nichts mehr hatten, als &Auml;rger und den Spott der Leute, und die Frau noch au&szlig;erdem viele Wunden und Schmerzen am Allerwertesten.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
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Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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        <item>
            <title>66. Die Geschichte von einer Metzelsuppe.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10922&amp;goto=11115</link>
            <pubDate>Sat, 28 Apr 2012 19:03:13 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[66. Die Geschichte von einer Metzelsuppe.

In einem Dorfe hatten die Bauern ihren Pfarrer so gern, dass sie ihm beinah alle, so oft sie ein Schwein schlachteten, etwas von der Metzelsuppe schickten. Da geschah es, dass der Pfarrer selbst einmal ein Schwein gem&auml;stet hatte; als es aber geschlachtet werden sollte, fiel ihm mit Schrecken ein, dass er allen Bauern, die ihm sonst etwas geschickt, nun ebenfalls ein St&uuml;ck Fleisch und ein paar W&uuml;rste schicken m&uuml;sse. &raquo;Dazu wird das eine Schwein kaum hinreichen, und f&uuml;r mich behalte ich gar nichts,&laquo; dachte er, und begab sich zu seinem Me&szlig;ner und fragte den um Rath, wie er es doch machen solle, dass er den Bauern keine Metzelsuppe zu geben brauche. Da riet ihm der Me&szlig;ner: wenn er das Schwein geschlachtet, so solle er es nur vor dem Hause h&auml;ngen lassen bis es Nacht sei, dann dasselbe still bei Seite schaffen und am andern Tage den Bauern sagen: das Schwein sei ihm gestohlen worden, so werde Niemand eine Metzelsuppe von ihm erwarten. Dieser Rath gefiel dem Pfarrer so gut, dass er ihn sogleich in Ausf&uuml;hrung brachte und das Schwein schlachten und vor dem Hause aufh&auml;ngen lie&szlig;.

Als es nun dunkle Nacht war, kam der Me&szlig;ner ganz heimlich, nahm das Schwein herunter und ging damit fort in seine Wohnung. Darauf begab sich der Pfarrer am andern Morgen zu dem Me&szlig;ner und sprach: &raquo;da ist mir doch gestern Abend ein arger Streich gespielt worden; man hat mir mein Schwein gestohlen!&laquo; &raquo;Ja ja, sprach der Me&szlig;ner, so muss man sagen, dann glauben&#039;s die Leute!&laquo; &raquo;Nein in der Tat, es ist kein Spa&szlig;, man hat mir ganz eigentlich mein Schwein gestohlen!&laquo; sagte der Pfarrer. &raquo;So ist&#039;s recht, so muss man sagen,“ sprach der Me&szlig;ner „und ich will schon helfen, dass es unter die Leute kommt.&laquo; Als aber der Pfarrer gar nicht nachgab, sagte endlich der Me&szlig;ner: &raquo;Ach Herr Pfarrer, ich wei&szlig; ja Alles, ich habe ihnen ja selbst diesen Rat gegeben, bei mir bedarf&#039;s keiner Verstellung!&laquo; Da wurde der Pfarrer nur immer ungeduldiger, und weil das Betragen des Me&szlig;ners ihm verd&auml;chtig vorkam, so bat er ihn zuletzt, ob er nicht eine Kiste, die er im Augenblick nicht gut unterbringen k&ouml;nne, ihm einige Tage lang in seiner Stube aufbewahren wolle. Ja, das wollte er recht gern tun. In die Kiste aber steckte der Pfarrer seine Schwiegermutter, die sollte horchen und aussp&uuml;ren, ob nicht der Me&szlig;ner das Schwein weggenommen habe; denn der Pfarrer meinte gewiss, dass er sich wohl mit seiner Frau davon unterhalten w&uuml;rde. Dem Me&szlig;ner aber sagte er noch, dass er die Kiste ja nicht &ouml;ffnen solle.

Am n&auml;chsten Sonntag nun kochte die Frau des Me&szlig;ners Sauerkraut und dazu ein St&uuml;ck von dem frischen Schweinsfleische; und als sie bei Tisch sa&szlig;en und a&szlig;en, sagte die Tochter des Me&szlig;ners: &raquo;Ach, wie schmeckt des Herrn Pfarrers sein Fleisch so gut!&laquo; Das h&ouml;rte die alte Schwiegermutter in der Kiste und konnte das Lachen nicht verhalten, also, dass es der Me&szlig;ner merkte. Da dachte er: wart, ich will Dir doch f&uuml;r deine Horcherei ein Andenken geben! und nahm eine Schwefelschnitte, z&uuml;ndete sie an und steckte sie durch eine Ritze in die Kiste hinein. Die Frau aber verhielt sich ganz ruhig in der Kiste und rief nicht um H&uuml;lfe, wie er erwartet hatte. Deshalb brach er nach einer Weile selbst die Kiste auf. Allein wie erschrak er da, als die Frau von dem Schwefeldampfe erstickt, tot dalag! Neben ihr lag Fleisch und Brot, davon sie gegessen hatte. Da nahm der Me&szlig;ner schnell ein Messer, schnitt ein St&uuml;ck von dem Fleische ab und steckte ihr das in den Hals und machte dann die Kiste wieder zu.

Als nun der Pfarrer am folgenden Morgen die Kiste zur&uuml;ckholen lie&szlig; und sie aufmachte, da schlug er die H&auml;nde &uuml;ber sich zusammen und rief: &raquo;Ach Du lieber Gott, meine Schwiegermutter ist erstickt, was soll ich armer Mann nun anfangen!&laquo; Dann lie&szlig; er den Me&szlig;ner kommen und sagte ihm: die Schwiegermutter sei so pl&ouml;tzlich gestorben, dass er f&uuml;rchte, man werde ihm Vorw&uuml;rfe machen, weil er keinen Arzt zu Hilfe gerufen habe. Deshalb m&ouml;ge er sie doch heimlich begraben, er wolle ihm auch gern daf&uuml;r einen Scheffel Dinkel geben, den er selbst sich einmessen d&uuml;rfe. Der Me&szlig;ner war es zufrieden, nahm die Tote und trug sie mit auf den Kornboden, wo er sich den Scheffel Frucht einma&szlig;, und als er damit fertig war, stellte er die Frau mitten in den Kornhaufen und ging heim. Auf der Treppe aber verzettelte er eine ganze Handvoll von dem Korn. Und als nun am andern Morgen die Magd die Treppe abkehren wollte und das Korn sah, strich sie es zusammen und trug es wieder in die Fruchtkammer. Kaum aber hatte sie die T&uuml;r aufgemacht, so sah sie die alte tote Frau in dem Kornhaufen stehen und entsetzte sich dar&uuml;ber so sehr, dass sie kaum die Treppe hinabsteigen und zu dem Pfarrer gehen und ihm sagen konnte, was sie auf dem Fruchtboden erblickt hatte. Der Pfarrer aber eilte zum Me&szlig;ner und fragte ihn: ob er denn seine Schwiegermutter nicht begraben habe? &raquo;Ei, freilich hab ich sie begraben!&laquo; &raquo;Nicht m&ouml;glich, sprach der Pfarrer, sie steht ja auf meinem Fruchtboden!&laquo; &raquo;Die wird eine Hexe sein, sagte der Me&szlig;ner, sonst w&auml;re sie wohl nicht wiedergekommen!&laquo;

Da bat der Pfarrer den Me&szlig;ner so dringend und bot ihm hundert Gulden als Belohnung an, wenn er sie noch einmal begraben wolle, so dass er endlich sich dazu verstand und die Leiche mitnahm und sie in den Wald trug. In dem Walde aber traf er unter einem Baume einen Kr&auml;mer, der war eingeschlafen und hatte eine gro&szlig;e Kiste neben sich stehen. Da rief ihn der Me&szlig;ner an und sch&uuml;ttelte ihn; allein der Mann schlief so fest, dass er davon nicht aufwachte.

Darauf &ouml;ffnete der Me&szlig;ner die Kiste und nahm alle Waren, die sich darin befanden, heraus, versteckte sie in einem hohlen Baume und legte daf&uuml;r die tote Frau hinein und Schloss die Kiste wieder zu. Dann hielt er sich in der N&auml;he bis gegen Abend auf, wo der Kr&auml;mer endlich wach wurde, und ging zu ihm und fragte, was er da zu verkaufen habe? Da sprach der Kr&auml;mer: &raquo;Ich habe allerlei Waren, besonders sehr sch&ouml;nes schwarzes Zeug; wisst ihr mir Niemand, der etwas kauft?&laquo; &raquo;O ja, sagte der Me&szlig;ner, geht nur da in&#039;s n&auml;chste Dorf zum Pfarrer, der hat Trauerkleider n&ouml;tig, weil ihm seine Schwiegermutter gestorben ist.&laquo;

Da begab sich der Kr&auml;mer in&#039;s Pfarrhaus, bot seine Ware an, und als er sie sehen lassen wollte und die Kiste aufmachte, da rollte eine tote Frau heraus. &raquo;Um Gottes willen, rief der Pfarrer, da ist ja meine Schwiegermutter wieder!&laquo; Der Kr&auml;mer aber fiel vor Schrecken in Ohnmacht.

Nun lie&szlig; der Pfarrer sogleich wieder den Me&szlig;ner holen und sagte: ob er denn seine Schwiegermutter nicht begraben habe? &raquo;Ei freilich, sagte er, schon zweimal; ich habe sie diesmal noch dazu in den Wald hinausgetragen; aber daran, dass sie immer wieder kommt, kann man recht deutlich sehen, dass sie eine Hexe gewesen sein muss.&laquo;

Der Pfarrer bat ihn, doch noch einmal die Schwiegermutter zu vergraben, was der Me&szlig;ner denn auch f&uuml;r zweihundert Gulden endlich versprach und diesmal wirklich ausf&uuml;hrte.

&raquo;Was bekomme ich denn f&uuml;r meine Ware?&laquo; sprach der Kr&auml;mer, der sich allm&auml;hlich wieder erholte.

&raquo;Ich kann euch nichts geben, sagte der Pfarrer; ich habe von euch ja nichts bekommen!&laquo; &raquo;Dann verklage ich euch, sagte der Kr&auml;mer, und eure Schwiegermutter dazu; denn die hat mir meine Sachen gestohlen, die wenigstens zweihundert Gulden wert waren.&laquo; &raquo;Nun so haltet nur reinen Mund und bringt meine Schwiegermutter nicht in das Gerede der Leute, sprach der Pfarrer; ich will euch die zweihundert Gulden geben!&laquo;

Das ist die wahrhafte Geschichte von einer Metzelsuppe, die der Pfarrer f&uuml;r sich allein zu verzehren gedachte.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>67. Ei so beiss!</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10921&amp;goto=11114</link>
            <pubDate>Sat, 28 Apr 2012 19:02:18 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[67. Ei so beiss!

Ein armer Holzhauer war das ganze Jahr hindurch mit seiner Frau im Walde und machte Holz; bei jedem Hiebe aber, den er mit der Axt tat, sagte er seufzend: &raquo;ei, so beiss!&laquo; Da kam ein vornehmer Graf des Wegs daher und h&ouml;rte dem Manne eine Weile zu, und fragte ihn endlich: weshalb er denn immer &raquo;ei so beiss!&laquo; sage? Ach, antwortete er, h&auml;tte Eva nicht in den Apfel gebissen, so w&auml;ren wir noch im Paradiese und ich brauchte hier kein Holz zu hauen! So oft ich daran denke, muss ich seufzen und werde b&ouml;s auf die Eva.

Darauf nahm der Graf die armen Leute mit auf sein Schloss und gab ihnen Essen und Trinken so gut, als sie es nur haben wollten. Einmal gab er ihnen auch ein Fest und hatte alles m&ouml;gliche f&uuml;r sie kochen und auftragen lassen; darunter war auch eine verdeckte Sch&uuml;ssel, von der sagte der Graf, dass sie dieselbe ja nicht aufmachen sollten; sie d&uuml;rften sie blo&szlig; ansehen! Dann lie&szlig; er sie allein in ihrem Zimmer. – Nun h&auml;tte die Frau aber gar zu gern gewusst was in der verdeckten Sch&uuml;ssel war; bald dachte sie an dies, bald an das. Endlich aber trieb sie die Neugier so sehr, dass sie nicht widerstehen konnte und den Deckel nur ein wenig aufhob. Aber in demselben Augenblick sprang auch eine Maus aus der Sch&uuml;ssel und als die Frau sie wieder fangen wollte, da war sie l&auml;ngst in ihrem Loche.

Als nachher der Graf kam und sah, dass die Maus fort war, so sprach er zu dem Manne: &raquo;Jetzt beklage Dich nicht mehr &uuml;ber die Eva! Deine Frau w&uuml;rde es ebenso gemacht haben!&laquo; Und dann behielt er die Leute nicht l&auml;nger in seinem Schlosse, und sie mussten wieder im Walde durch Holzhauen sich ihr Brot verdienen. Bei jedem Hiebe, den der Mann jetzt tat, musste er an das gute Leben auf dem Schlosse und an die F&uuml;rwitzigkeit seines Weibes denken und sagte deshalb nicht mehr: &raquo;ei so bei&szlig;!&laquo; sondern: &raquo;ei so guck!&laquo; Und wenn er nicht aufgeh&ouml;rt hat oder gestorben ist, so kannst Du ihn wohl noch im Walde hauen und klagen h&ouml;ren.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz:Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser:
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        </item>
        <item>
            <title>68. Die fünf Handwerksburschen auf Reisen.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10920&amp;goto=11113</link>
            <pubDate>Sat, 28 Apr 2012 19:00:45 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[68. Die f&uuml;nf Handwerksburschen auf Reisen.

[242] Da zogen einstmals f&uuml;nf Handwerksburschen aus einem Orte zusammen auf die Wanderschaft und hatten sich gegenseitig versprochen, dass sie sich nicht trennen wollten von einander. Wie sie nun schon ein gut St&uuml;ck Wegs gegangen waren, [243] fiel&#039;s dem einen pl&ouml;tzlich ein, ob sie auch wohl noch alle f&uuml;nf beisammen w&auml;ren und er machte seine Kameraden aufmerksam darauf. Da standen sie alsbald still und der eine fing an zu z&auml;hlen: &raquo;das bin ich, eins, zwei, drei, vier!&laquo; Ach Gott, wie erschraken sie da, als Einer fehlte! Sie z&auml;hlten nun einer nach dem andern und brachten immer nur vier heraus, weil der Z&auml;hler sich selbst &uuml;berging. Da kam ein Fremder daher und fragte, was sie h&auml;tten. Sie sagten&#039;s ihm und baten, er solle doch suchen helfen. Der Mann aber riet, sie sollten alle ihre Nasen einmal in dem Kot abdr&uuml;cken und dann die L&ouml;cher z&auml;hlen. Das taten sie und da kamen richtig f&uuml;nf Nasen heraus, und nun wussten sie gewiss, dass sie noch keinen Kameraden verloren hatten und setzten vergn&uuml;gt ihre Reise wieder fort.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
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Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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            <title>69. Die drei toten Schwestern</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10919&amp;goto=11112</link>
            <pubDate>Sat, 28 Apr 2012 18:59:59 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[69. Die drei todten Schwestern.

Es waren einmal drei Schwestern; die eine starb am Abend, die andre um Mitternacht und die dritte am Morgen. Da kamen sie vor Petrus T&uuml;r. Petrus sprach: Wer steht drau&szlig;en? &raquo;Drei arme Seelen!&laquo; Zwei sollen herein kommen und eine soll drau&szlig;en stehen! &raquo;Warum soll ich drau&szlig;en stehen? hab ich denn eine S&uuml;nde getan?&laquo; Hast Du nicht Vater und Mutter geschlagen. So gehe Du den roten Weg! – Da kam sie vor Satans T&uuml;r. Satan machte geschwind auf und blies drei feurige Kohlen auf und setzte sie darauf. Da schrie sie: o weh, o weh, w&auml;r ich bei meinen andern zwei Schwestern!

Die sind in Kirchen und Schulen gegangen,

Und ich bin vor dem Spiegel gestanden.

Was hilft mir mein Haar zieren, mein Haar schmieren,

In der H&ouml;lle muss ich ewige Pein leiden.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
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Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und die heutige Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet – Henning Vieser
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            <title>70. Der Rathsherr und das Büble.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10918&amp;goto=11111</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:41:34 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[70. Der Rathsherr und das B&uuml;ble.

R. B&uuml;ble, was greinst?
B. Ha, lache wurd i nit.
R. Hat Dir der Wolf Dein Sch&auml;fle g&#039;nomme?
B. Gebe han i&#039;s em nit.
R. Ist er mit &uuml;ber de Bach?
B. Ha, unne durch nit!
R. B&uuml;ble, sei nit so grob, i bin a Rathsherr!
B. Na, so rat mal, was i in meiner Tasch han!
R. Ha, was wirst Du drin han! a St&uuml;ckle Brod?
B. Ja Dreckle! meine H&auml;nschich!
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
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Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet. Mundart ist nicht ge&auml;ndert - Henning Vieser
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        <item>
            <title>71. Der Tod des Hühnchens.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10917&amp;goto=11110</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:40:48 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[71. Der Tod des H&uuml;hnchens.

&#039;s ist emal e H&uuml;hnle und e Gockeler gw&auml;; (der Gockeler ists Mannle gw&auml;, und &#039;s H&uuml;hnle sein Weible;) die beid sind emal spaziere gangen und sind an e Wa&szlig;er komme, und da ist e Br&uuml;ckle n&uuml;ber gange. Da hats Mannle zum Weible gsait: &raquo;gang Du z&#039;erste n&uuml;ber, i komm dann nacher!&laquo; Da saits Weible: &raquo;gang Du nur z&#039;erste, Du bist st&auml;rker, als i!&laquo; Da saits Mannle: &raquo;noi, Du mu&szlig;t z&#039;erste n&uuml;ber!&laquo; &raquo;Ach, i f&uuml;rcht mir!&laquo; saits Weible. &raquo;O, &#039;s gschieht Dir nix! Gang Du nur n&uuml;ber!&laquo; saits Mannle; und da hat’s des Weible gwagt und hat w&ouml;lle n&uuml;ber gaun; is aber ins Wasser gfalle.

Da is des Mannle hingloffen und hat en Schubkarre gholt, und wie&#039;s de Karre &uuml;ber d&#039; Stra&szlig; schiebt, da sind Ratten und M&auml;us und Hasen und Reh und &auml;lls Vieh zu em kommen und hent gsait: &raquo;derf i au mit?&laquo; Da hats Mannle gsait: &raquo;alls daher! alls daher!&laquo; und hat &auml;lles einsitze laun und hats mitgnomme; und da habet se mit enander des Weible au&szlig;em Wasser zoge; da ists aber todt gw&auml;. Na habet se&#039;s uf de Karre glade und sind mit fortgfahren und habets uf de n&auml;chst Miste vergrabe. Da hat der Gockeler die Leichered ghalte: &raquo;Kikeriki! Kikeriki!&laquo; und die andere Tierle habet dazu gsunge.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet. Mundart ist nicht ge&auml;ndert. - Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>72. Der König Auffahret des Meers.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10916&amp;goto=11109</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:39:56 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Fortsetzung


Von diesem Schlo&szlig;e aber wurde in der ganzen Welt viel gesprochen, besonders aber von der Amsel, die darin war; denn die konnte sprechen wie ein Mensch und wusste Alles, was seit hundert Jahren geschehen war, und was in den n&auml;chsten hundert Jahren geschehen werde, weshalb oftmals vornehme Herren und Damen dahin zogen, um sie zu befragen.

Auch der K&ouml;nig Auffahrer des Meers, der noch immer im Kriege war, hatte von dieser Amsel geh&ouml;rt, und als er nun nach einigen Jahren endlich Frieden machen konnte und auf seiner Heimreise in die N&auml;he des Schlosses kam, so kehrte er daselbst ein und wurde freundlich empfangen. – Nach einiger Zeit erkundigte er sich auch nach der wunderbaren Amsel, von der er geh&ouml;rt hatte, und w&uuml;nschte sie zu sehen und eine Probe mit ihr anzustellen. Alsbald f&uuml;hrte man ihn in das Zimmer, wo der K&auml;fig mit der Amsel hing. Wie die Amsel den K&ouml;nig erblickte, gr&uuml;&szlig;te sie ihn sogleich als &raquo;K&ouml;nig Auffahrer des Meers,&laquo; wor&uuml;ber der K&ouml;nig sich nicht genug verwundern konnte und sprach: &raquo;nun, wenn Du meinen Namen und Stand kennst, so sag mir auch einmal, was mir vor achtzehn Jahren wiederfahren ist!&laquo;

Da begann die Amsel: &raquo;Herr K&ouml;nig, vor achtzehn Jahren tr&auml;umtet Ihr dreimal nach einander: Ihr solltet ein ganz armes M&auml;dchen heiraten, das keinen Kreuzer Geld habe. Dann zoget Ihr aus und verspracht der Tochter eines armen Schusters unter freiem Himmel die Ehe und habt sie auch geheiratet und lieb gehabt. Bald aber musstet Ihr in den Krieg. Indessen gebar Eure Frau drei Kinder zumal, zwei Knaben und ein M&auml;dchen; Eure Mutter aber, die die junge K&ouml;nigin wegen ihrer Armut hasste, schrieb Euch, sie habe drei Hunde geboren, und darauf befahlt Ihr, die Hunde in&#039;s Wasser, die K&ouml;nigin aber in einen tiefen Turm zu werfen. Und das Alles hat Eure Mutter auch ausf&uuml;hren lassen.&laquo; Da weinte der K&ouml;nig bitterlich und klagte: &raquo;ach, wie man berichtet wird, so richtet man!&laquo; – Die Amsel aber fragte ihn: ob er auch noch weiter wissen wolle, was aus seinen Kindern geworden sei? &raquo;Ach, die Armen werden elendiglich ertrunken sein!&laquo; sagte der K&ouml;nig. Darauf erz&auml;hlte die Amsel ihm die ganze Geschichte, wie der M&uuml;ller die Kinder gefunden und aufgezogen, wie sie dann in ihrem f&uuml;nfzehnten Jahre von den Kindern des M&uuml;llers angefeindet und heimlich weggegangen seien, und wie sie endlich in einem Walde ein verw&uuml;nschtes Schloss mit der sprechenden Amsel erl&ouml;st h&auml;tten, und jetzt alle drei vor ihrem Vater st&uuml;nden.

Da h&auml;tte man die Freude sehen sollen, die der K&ouml;nig hatte, als er seine Kinder herzte und k&uuml;sste, und wie die Kinder sich freuten, als sie zum ersten Male ihren Vater sahen! Dann aber fragte der K&ouml;nig die Amsel: &raquo;was ist denn aus meiner Frau geworden?&laquo; &raquo;Die schmachtet, sagte die Amsel, seit siebzehn Jahren in dem Turme bei Wasser und Brod, wie Du es befohlen.&laquo;

Da reiste der K&ouml;nig schnell ab und das erste, was er tat, als er in seinem Schlo&szlig;e ankam, war dies, dass er seine b&ouml;se Mutter in zwei St&uuml;cke zers&auml;gen lie&szlig;. Dann holte er selbst seine arme Gemahlin aus dem Gef&auml;ngnisse und bat sie tausendmal um Verzeihung. Sie sagte: &raquo;ich vergebe Dir gern, was Du mir angetan; aber Deine Frau kann ich nicht l&auml;nger sein; nimm Dir eine andere K&ouml;nigin.&laquo; Und soviel der K&ouml;nig sie auch bitten mochte, so blieb sie doch bei ihrem Vorsatze und zog zu ihrer Tochter und ihren beiden S&ouml;hnen. Bei denen lebte sie nun in Frieden und Freude bis an ihr Ende.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet.- Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>72. Der König Auffahret des Meers.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10916&amp;goto=11108</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:38:59 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[72. Der K&ouml;nig Auffahret des Meers.

Es war einmal ein junger K&ouml;nig, den nannte man gew&ouml;hnlich: K&ouml;nig Auffahret des Meers, wahrscheinlich, weil er schon viel auf dem Meer herumgefahren. Diesem K&ouml;nige tr&auml;umte es einst drei N&auml;chte hinter einander: er solle ein armes M&auml;dchen heiraten, das keinen Kreuzer Geld besitze. Das erste Mal lachte er dar&uuml;ber. Als aber der Traum sich dreimal wiederholte, schien ihm die Sache doch ernstlich zu sein, und er dachte dar&uuml;ber hin und her und meinte endlich: er k&ouml;nne auch wohl mit einer solchen Frau gl&uuml;cklich werden, wenn sie sonst nur brav und lieb sei. Deshalb unternahm er alsbald eine gro&szlig;e Reise, um sich in der Welt umzusehen und sich eine Frau auszusuchen.

Da geschah es, dass er eines Abends in ein Dorf kam und bei einem armen Schuster &uuml;bernachten musste Der Schuster aber hatte eine junge h&uuml;bsche Tochter, die machte f&uuml;r den K&ouml;nig das Abendessen und das Nachtlager zurecht, und gab dann dem K&ouml;nige auf alle Fragen, die er an sie richtete, so gute und kluge Antworten, dass sie ihm &uuml;beraus wohl gefiel und er noch an demselben Abend den Schuster bat: er m&ouml;ge ihm doch seine Tochter zur Frau geben. Der arme Schuster ward fast b&ouml;se &uuml;ber diesen Heiratsantrag, indem er glaubte, der K&ouml;nig wolle ihn zum Besten haben. Er sagte ihm deshalb: &raquo;Herr K&ouml;nig, Ihr solltet meiner Armut nicht spotten! Mein Kind ist zwar brav und gut; aber ich wei&szlig; recht wohl, dass ihm Alles fehlt, was die Gemahlin eines K&ouml;nigs besitzen muss&laquo; Als aber der K&ouml;nig mit allem Ernst versicherte, dass seine Tochter und keine andre seine Gemahlin werden m&uuml;sse: da sagte der Schuster: &raquo;nun, so will ich nichts mehr dagegen sagen, und ihr m&uuml;sst es mit meiner Tochter ausmachen.&laquo; – Als nun der K&ouml;nig am andern Morgen mit der Tochter allein im Garten war, und ihr versicherte, dass er sie sein Leben lang lieb haben und besch&uuml;tzen wolle, da gab sie ihm endlich ihr Wort, und bald darauf wurde die Hochzeit gefeiert und die beiden lebten sehr vergn&uuml;gt mit einander.

Aber schon nach einem halben Jahre brach ein schwerer Krieg aus und der K&ouml;nig musste sich an die Spitze seines Heeres stellen, und weit bis an die Grenzen seines Landes fortziehen. Wie er nun schon mehre Monate abwesend war, da kriegte seine Frau auf einmal drei wundersch&ouml;ne Kinder, zwei Buben und ein M&auml;dchen, die hatten jedes ein goldenes Kreuz auf dem R&uuml;cken. Die Mutter des K&ouml;nigs aber war eine b&ouml;se Frau und konnte die junge K&ouml;nigin nicht leiden, weil sie so arm und von ganz niederer Herkunft war. Deshalb nahm sie ihr alsbald die drei Kinder weg und schrieb ihrem Sohne: seine Frau m&uuml;sse eine rechte Hexe sein, denn sie habe ihm drei Hunde geboren. Dar&uuml;ber wurde der K&ouml;nig gar zornig und schrieb sogleich zur&uuml;ck: man solle die Hunde nur in&#039;s Wasser werfen, seine Frau aber in einen tiefen Turm einsperren, bis er selbst zur&uuml;ckkomme. So geschah es denn auch. Die K&ouml;nigin wurde festgesetzt und bekam Wasser und Brot; die drei Kinder aber lie&szlig; die gottlose Schwiegermutter in ein Fass verschlie&szlig;en und so ins Wasser werfen. Das Fass aber schwamm auf dem Fluse fort und kam endlich an eine M&uuml;hle. Da bemerkte es der M&uuml;ller und zog es heraus und &ouml;ffnete es, und wie verwunderte er sich da, als er drei wundersch&ouml;ne Kinder darin fand. Die brachte er sogleich seiner Frau, und zog sie auf wie seine eigenen Kinder, deren er f&uuml;nf hatte.

So waren beinah f&uuml;nfzehn Jahre vergangen. Der K&ouml;nig musste best&auml;ndig Krieg f&uuml;hren, seine Gemahlin blieb in dem Turme sitzen und seine drei Kinder wurden in der M&uuml;hle gro&szlig; gezogen. Nun geschah es aber, dass die Kinder des M&uuml;llers sich mit den K&ouml;nigskindern nicht gut vertragen konnten, indem jene sie oft von ihren Spielen ausschlossen und sie neckten, dass sie ja keinen Namen und keine Heimat h&auml;tten und blo&szlig; gefundene Kinder w&auml;ren. Das verdross die K&ouml;nigskinder endlich so sehr, dass sie sich verabredeten, die M&uuml;hle zu verlassen, und eines Tages heimlich fortzogen weit weit in den Wald hinein. Da begegneten ihnen mancherlei Leute; sie gingen aber kecklich an allen vor&uuml;ber und die Knaben zogen vor Niemanden ihr K&auml;pplein vom Kopfe. Endlich kamen sie auch zu einer alten Frau, die war eine Zauberin, und als sie bei ihr sich nach dem Wege erkundigten, so sagte sie ihnen, sie sollten nur bei ihr bleiben, sie habe ihnen etwas Wichtiges zu entdecken, wodurch sie gl&uuml;cklich werden w&uuml;rden. Dann erz&auml;hlte sie ihnen, dass hier im Walde ein verw&uuml;nschtes Schloss stehe, und das k&ouml;nnten sie erl&ouml;sen. &raquo;Ihr braucht blo&szlig;, sagte sie, den K&auml;fig mit der Amsel aus dem Scho&szlig;e zu holen; m&uuml;sst Euch aber durch nichts aufhalten lassen und m&uuml;sst eilen; denn nur Mittags zwischen 11 und 12 Uhr ist das Schloss zug&auml;nglich und die Erl&ouml;sung m&ouml;glich. Wem die Erl&ouml;sung gelingt, der bekommt das Schloss mit allen Sch&auml;tzen darin.&laquo;

Darauf zogen die beiden Prinzen das Los, und der eine, den es traf, der machte sich sogleich auf den Weg, um das sch&ouml;ne Schloss zu gewinnen. Er kam auch richtig alsbald hin, und da es eben Mittag war, konnte er ungehindert hineingehen. Da konnte er nicht genug staunen &uuml;ber das pr&auml;chtige Schloss und wollte sich die Zimmer einmal ansehen. In dem ersten, das er aufmachte, waren lauter Affen, in dem zweiten ein L&ouml;we, in einem dritten ein B&auml;r. Wie er diesen eben betrachtete, h&ouml;rte er auf einmal eine so wundersch&ouml;ne Musik, wie er in seinem Leben noch keine geh&ouml;rt hatte, und blieb ganz entz&uuml;ckt still stehen und horchte und horchte. Aber pl&ouml;tzlich tat es einen m&auml;chtigen Knall, dass er vor Schrecken zusammenfuhr und meinte, das Schloss wolle einfallen. Es hatte n&auml;mlich eben zw&ouml;lf geschlagen und so hatte er die Stunde der Erl&ouml;sung vers&auml;umt. Zugleich aber waren alle T&uuml;ren fest verschlossen und er konnte nicht mehr hinauskommen.

Als er am folgenden Tage nicht zur&uuml;ckkam, sagte die Zauberin zu dem zweiten Prinzen: &raquo;nun kannst Du Dich auf den Weg machen und Dein Gl&uuml;ck probieren; Dein Bruder hat die rechte Stunde vers&auml;umt und das Schloss nicht erl&ouml;st. Du darfst Dich ja nicht zu lang darin aufhalten!&laquo; Nein, das wollte er auch nicht, sagte der Prinz, und reiste ab und kam zu dem Schlosse und sah die Tiere und h&ouml;rte die wundersch&ouml;ne Musik, und konnte sich gar nicht satt daran h&ouml;ren; und da ging&#039;s ihm gerade so wie seinem Bruder. Er versp&auml;tete sich, es tat einen heftigen Knall und er war eingesperrt und konnte nicht mehr aus dem Schlosse kommen.

Am andern Tage sagte die alte Zauberin zu der Prinzessin: &raquo;jetzt kannst Du noch wieder gut machen, was Deine Br&uuml;der vers&auml;umt haben, und kannst sie selbst zugleich aus dem verzauberten Schlosse befreien.&laquo; Dann wiederholte sie ihr noch einmal Alles genau, was sie zu tun hatte, und darauf ging sie hin zu dem Schlo&szlig;e. Wie sie hineintrat, kamen ihr sogleich ihre Br&uuml;der entgegen und klagten ihr Ungl&uuml;ck; sie aber gab ihnen keine Antwort und eilte, ohne auf die sch&ouml;ne Musik zu h&ouml;ren, von einem Zimmer in&#039;s andere, bis sie endlich im allerletzten den K&auml;fig mit der Amsel fand; den ergriff sie schnell und eilte damit eben so flink zum Schlo&szlig;e hinaus, wie sie hereingekommen war. Kaum aber war sie drau&szlig;en, so tat’s einen furchtbaren Knall und dann riefen eine Menge Stimmen mit einander: &raquo;Vivat hoch, jetzt sind wir erl&ouml;st!&laquo; Darauf hatten die Affen, der L&ouml;we und der B&auml;r wieder ihre menschliche Gestalt bekommen und bedankten sich vielmals bei der Prinzessin, dass sie sie erl&ouml;st hatte. Ihre Br&uuml;der aber blieben bei ihr in dem Schlo&szlig;e und waren nun alle ganz gl&uuml;cklich.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>73. Die drei Federn des Drachen.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10915&amp;goto=11107</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:34:53 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[73. Die drei Federn des Drachen.
Da sollte einmal ein Mann hingerichtet werden und bat den K&ouml;nig um Gnade. &raquo;Ja, sagte der K&ouml;nig, wenn Du auf den Glasberg gehen und den Drachen fragen willst, weshalb meine Tochter best&auml;ndig krank sei, und wo der Schl&uuml;ssel zu meiner Schatzkammer sich befinde, so soll Dir das Leben geschenkt sein.&laquo; Dazu war der Mann denn gern bereit und machte sich sogleich auf den Weg.
Nach einiger Zeit kam er an ein tiefes Wasser und sah auch zugleich einen Mann in einem Schiffe daselbst, den bat er, dass er ihn doch hin &uuml;berfahren m&ouml;chte. &raquo;Wohin geht die Reise?&laquo; fragte der Schiffer. &raquo;Nach dem Glasberge!&laquo; sagte der Mann. &raquo;So fragt doch einmal, versetzte der Schiffer, den Drachen auf dem Glasberge, weshalb ich immerw&auml;hrend hier fahren muss?&laquo; Ja, das wollte er wohl tun, sagte der Mann, und lie&szlig; sich &uuml;berfahren und setzte seine Reise dann fort, bis er endlich auf den Glasberg kam. Ganz oben stand ein Haus; er ging hinein und fand daselbst eine alte Frau, die fragte ihn, was er wolle, und warnte ihn vor dem Drachen, der ihn t&ouml;ten werde, wenn er ihn hier antreffe. Da erz&auml;hlte der Mann ihr Alles, was er den Drachen fragen sollte und sagte dann: &raquo;es ist einerlei, ob ich hier oben oder dort unten mein Leben verliere; lasst mich nur hier bleiben und wenigstens einen Versuch wagen!&laquo;
Da f&uuml;hlte die alte Frau Mitleid mit ihm und sagte: &raquo;ich will sehen, dass ich Euch durchhelfe; gebt nur Achtung auf Alles, was der Drache in dieser Nacht sprechen wird!&laquo; Darauf versteckte sie den fremden Mann hinter ihrem Bette. –

Als nun Abends der Drache nach Haus kam, rief er sogleich: &raquo;ich rieche Menschenblut!&laquo; &raquo;Ach, wer wei&szlig;, was Du riechst, sagte die Frau; es sind wohl gestern einige Tropfen auf den Boden gefallen.&laquo; Da war er zufrieden und legte sich bald in sein Bett und schlief ein. Die alte Frau aber musste immer an seiner Seite schlafen, und wie er nun eben fest schnarchte, da zog sie ihm eine Feder aus, dass der Drache aufwachte und ganz unwillig rief: &raquo;Was zupfest Du mich denn so?&laquo; &raquo;Ach, nimm&#039;s nicht &uuml;bel, sprach die Frau, ich hab es blo&szlig; im Traume getan&laquo; &raquo;Na, was tr&auml;umte Dir denn?&laquo; fragte der Drache. &raquo;Ach, es ist ein dummer Traum, sagte die Frau; ich tr&auml;umte, weshalb die Tochter des K&ouml;nigs wohl immer krank sei.&laquo; &raquo;Es ist wahr, sprach der Drache, sie ist schon lange krank; allein wenn sie ihren ersten Geliebten heiraten wollte, so w&uuml;rde sie bald gesund werden.&laquo;
Als der Drache nach einer Weile wieder eingeschlafen war, zog die Frau ihm die zweite Feder aus, dass er ganz b&ouml;s wurde und aufsprang und sagte: &raquo;was willst Du denn, dass Du mich so zupfest?&laquo; – &raquo;Ach verzeihe, rief die Frau, ich wollte nichts, ich hab&#039; es blo&szlig; im Traume getan&laquo; – &raquo;Na, was tr&auml;umte Dir denn schon wieder?&laquo; fragte der Drache. &raquo;Ach, sagte die Frau, es tr&auml;umte mir, wo wohl der Schl&uuml;ssel zur Schatzkammer des K&ouml;nigs geblieben sei.&laquo; – &raquo;Es ist wahr, sprach der Drache, der K&ouml;nig kann den Schl&uuml;ssel nicht finden; denn er ist in seinem Sofa eingen&auml;ht und eingepolstert.. Nun lass mich aber in Ruhe.&laquo; – Nach einer Weile aber, wie der Drache abermals eingeschlafen war, riss sie ihm die dritte Feder aus. Da wurde er aber so wild, dass er die Frau packte und sie zum Bett hinaus werfen wollte. Als sie ihm aber sagte, dass sie es nur im Traum getan habe, da gab er sich zufrieden und fragte: &raquo;was hat Dir denn jetzt schon wieder getr&auml;umt?&laquo; – &raquo;Ach, sagte die alte Frau, ich wei&szlig; gar nicht, was ich diese Nacht f&uuml;r dumme und seltsame Tr&auml;ume habe! denke Dir nur, ich tr&auml;umte eben, auf dem und dem Wasser m&uuml;sse ein Schiffer best&auml;ndig hin und her fahren und wisse gar nicht, wie er von seiner Arbeit erl&ouml;st werden k&ouml;nne.&laquo; – &raquo;Es ist wahr, sprach der Drache, auf dem Wasser f&auml;hrt der alte Schiffer schon viele hundert Jahre lang; aber der Narr sollte nur einmal einen andern, den er &uuml;bergefahren, in seinem Schiffe lassen und selbst aussteigen und sagen: ›jetzt fahr du!‹ so w&auml;re er abgel&ouml;st. Wenn Du mich jetzt aber noch ein mal im Schlafe st&ouml;rst, so werft ich Dich zum Bett hinaus.&laquo; Nein, das wollte sie auch ganz gewiss nicht, sagte die Alte, und lie&szlig; ihn nun auch schlafen bis zum hellen Morgen; da flog er fort, wie gew&ouml;hnlich.
Jetzt zog sie den fremden Mann, den sie hinter ihrem Bett versteckt hatte, hervor und fragte ihn, ob er Alles geh&ouml;rt habe? Ja, er hatte Alles genau geh&ouml;rt und bedankte sich vielmals bei der alten Frau, und als er Abschied nahm, schenkte sie ihm noch die drei Federn, die sie dem Drachen ausgezogen; die w&uuml;rden ihm Gl&uuml;ck bringen, sagte sie.
Als der Mann nun auf seiner R&uuml;ckreise an das Wasser kam, fragte der Schiffer, was der Drache gesagt habe. &raquo;Fahr mich nur erst hin&uuml;ber! dann will ich Dir Alles erz&auml;hlen,&laquo; sprach der andre. Und als er nun ausgestiegen war, sagte er zu dem Schiffer: &raquo;wenn ihr das n&auml;chste mal wieder einen &uuml;berfahrt, so m&uuml;sst ihr selbst vor ihm aussteigen und sagen: jetzt fahr du! so werdet ihr erl&ouml;st sein.&laquo; Da bedankte sich der Schiffer und w&uuml;nschte ihm Gl&uuml;ck auf den Weg. – Es dauerte auch nicht lange, so kam er bei dem K&ouml;nige an und berichtete, was der Drache gesagt hatte. Darauf wurde die Prinzessin sogleich mit ihrem ersten Geliebten verheiratet und war von Stund an ganz gesund. Sodann lie&szlig; der K&ouml;nig sein Sofa auftrennen, und fand richtig darin den Schl&uuml;ssel zu seiner Schatzkammer und war dar&uuml;ber so vergn&uuml;gt, dass er den Mann, der ihm wieder dazu verholfen hatte, reichlich beschenkte. Dieser wurde aber auch au&szlig;erdem durch die drei Drachenfedern ein so reicher Mann, dass er sein Geld gar nicht aufzehren konnte.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet.- Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>74. Der Knabe, der zehn Jahr in der Hölle diente.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10914&amp;goto=11106</link>
            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:34:10 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[74. Der Knabe, der zehn Jahr in der H&ouml;lle diente.

In dem Dorfe Bodelshausen, das an der Stra&szlig;e zwischen Rotenburg und Hechingen liegt, war einmal ein Mann, dem starb seine Frau und hinterlie&szlig; ihm sechs unerzogene Kinder. Da suchte der Mann eine Mutter f&uuml;r seine Kinder und heiratete eine zweite Frau, die war aber ein b&ouml;ses Weib und eine rechte Rabenmutter und qu&auml;lte ihren Mann und ihre armen Kinder, und oft h&ouml;rte man sie den Wunsch aussprechen: &raquo;wenn ihr nur alle beim Teufel w&auml;ret!&laquo;
Als nun der &auml;lteste Sohn konfirmiert war, wollte die Stiefmutter ihn sogleich aus dem Hause schicken und ihn bei fremden Leuten in Dienst geben. Ihr Mann sagte zwar: &raquo;der Knabe ist noch zu schwach, er kann noch nicht dienen, auch nimmt ihn jetzt noch Niemand.&laquo; Aber das galt nichts, was der Mann sagte. Die Stiefmutter sprach: &raquo;ei was! er soll fort; ich will schon einen Herrn f&uuml;r ihn finden und sollt&#039;s auch nur der Teufel sein.&laquo; Und dann packte sie ein kleines B&uuml;ndelchen zusammen, das enthielt die Kleider und die W&auml;sche des Knaben, und so ging sie mit ihm fort dem Oberlande zu.
Wie sie nun im Sigmaringer Walde waren, begegnete ihr ein J&auml;ger, gr&uuml;&szlig;te sie und fragte, wo sie mit dem Knaben hin wollte? &raquo;In&#039;s Oberland,&laquo; sagte sie. &raquo;Und was soll er dort machen?&laquo; fragte der J&auml;ger. &raquo;Dienen muss er,&laquo; sprach die Frau. Da meinte der J&auml;ger, der Knabe sei noch viel zu klein und zu schwach und werde keinen Herrn bekommen. Die Frau aber sprach: &raquo;ich will schon einen f&uuml;r ihn finden, und sollt&#039;s auch nur der Teufel sein.&laquo; Sprach der J&auml;ger: &raquo;der Knabe dauert mich, lasst ihn mir, er soll&#039;s gut bei mir haben.&laquo; Ja, die Stiefmutter war gleich damit zufrieden, und nachdem sie den Lohn f&uuml;r das Kind ausbedungen und ihm sein B&uuml;ndelchen mit den Kleidern &uuml;bergeben hatte, kehrte sie vergn&uuml;gt um und fragte nicht einmal, wo der J&auml;ger denn zu Haus sei. Der zog nun mit dem Knaben im Walde fort bis sie an eine H&ouml;hle kamen; in die gingen sie hinein, mussten mehre Stiegen hinabsteigen und kamen endlich an ein gro&szlig;es Thor, an das klopfte der J&auml;ger, da ging&#039;s auf, sie traten ein, das Thor ward wieder geschlossen und da merkte der Knabe bald, dass er beim Teufel in der H&ouml;lle war.
Sogleich wies der Teufel dem Knaben seine Arbeit an: er musste Holz tragen und das Feuer, das unter den gro&szlig;en Kesseln in der H&ouml;lle brannte, best&auml;ndig nachsch&uuml;ren: wenn er das vers&auml;umte, so kriegte er Schl&auml;ge, sagte der Teufel. Auch verbot er ihm ganz streng, dass er niemals einen Deckel aufheben und in die Kessel sehen d&uuml;rfte. – Als aber einstmals der Teufel nicht in der N&auml;he war und der Knabe gar zu gern gewusst h&auml;tte, wer wohl in den Kesseln sein m&ouml;chte und er es endlich wagte, den einen Deckel aufzuheben: wie erschrak er da, als er seinen eigenen Gro&szlig;vater und seine Gro&szlig;mutter darin sitzen sah! Die heulten und jammerten und baten ihn: &raquo;er m&ouml;chte doch unter diesen Kessel nicht so viel Holz legen, denn sie m&uuml;ssten gar zu f&uuml;rchterliche Schmerzen leiden!&laquo; – Da verschonte der Knabe so viel er nur konnte, diesen Kessel und lie&szlig; das Feuer manchmal erl&ouml;schen; daf&uuml;r hat er aber auch manchen buckelvoll Schl&auml;ge bekommen.
Nach einiger Zeit sah der Knabe auch, wie zwei Teufel seine b&ouml;se Stiefmutter brachten und erst auf einen gl&uuml;henden Rost legten und dann in einen Kessel mit siedendem &Ouml;le steckten und sie braten lie&szlig;en.
Da ward es ihm gar zu unheimlich in der H&ouml;lle, und als eben zehn Jahre herum waren, mochte er nicht l&auml;nger dem Teufel dienen und passte auf, wo er den Schl&uuml;ssel zum H&ouml;llentor hinlegte, erwischte ihn dann einmal, schloss auf und schlich sich fort und war froh wie er wieder droben auf der Erde war. Von dem Rauch und Ru&szlig; aber, der ihm so lange um den Kopf geflogen war, sah sein Gesicht ganz schwarz aus, also, dass man ihn h&auml;tte f&uuml;r einen Mohren halten k&ouml;nnen.
Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet.- Henning Vieser
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        </item>
        <item>
            <title>75. Der Hahn mit den Goldfedern.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10913&amp;goto=11105</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:23:51 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[75. Der Hahn mit den Goldfedern. Zweiter Teil

Nach einiger Zeit sagte die Prinzessin eines Tags ihrem Vater: &quot;ich bin nun wieder gesund wie der Fisch im Wasser und m&ouml;chte nicht als alte Jungfer sterben, sondern heiraten.&quot; [264] Ei, da war der K&ouml;nig so froh, dass er seiner Tochter gelobte und versprach: &quot;sie sollte nur sagen, welchen Mann sie gern haben m&ouml;chte, den sollte sie bekommen.&quot; Da sagte sie: &quot;keinen andern, als den Doktor, der mich geheilt hat.&quot; -

Nun erschrak der K&ouml;nig zwar nicht wenig und h&auml;tte gern sein Wort zur&uuml;ckgenommen, wagte es aber doch nicht, weil er seine Tochter sehr lieb hatte. Deshalb sandte er Boten aus, die suchten den Doktor und brachten ihn zum K&ouml;nig, und der verlobte ihn dann mit seiner Tochter, und nicht lange nachher war die Hochzeit; die beiden Leute aber waren so vergn&uuml;gt und gl&uuml;cklich mit einander, dass es eine rechte Freude war, sie nur zu sehen.

Von den unermesslichen Sch&auml;tzen, die Bernhard sich gew&uuml;nscht hatte, um als Prinz leben zu k&ouml;nnen, baute er sich zuerst ein pr&auml;chtiges Schloss und daneben eine gro&szlig;e Kirche, die man nach seinem Namen die Bernhardskirche nannte, und stiftete in dieselbe ein gro&szlig;es Kreuzbild von lauterem Golde; in eine verborgene R&ouml;hre dieses Bildes legte er die goldne Hahnenfeder, der er all sein Gl&uuml;ck verdankte; denn er glaubte reich genug zu sein f&uuml;r sein Leben lang und wollte zugleich die Wunschfeder beseitigen, weil er versprochen hatte, niemanden etwas davon zu sagen. - Als sp&auml;ter aber seine Gemahlin ihm keine Ruhe lie&szlig; und gar zu gern gewusst h&auml;tte, durch welche Mittel ihr Mann sie geheilt habe, da widerstand er endlich ihren Bitten nicht l&auml;nger und sagte ihr Alles wie es gekommen, und nannte ihr auch den Ort, wo er die Feder verborgen hatte.

In ihrer Herzensfreude erz&auml;hlte die Tochter nun alsbald auch ihrem Vater diese Geschichte und ahnte nichts Schlimmes. Der K&ouml;nig aber, der seinen Schwiegersohn nicht leiden konnte, fasste sogleich einen b&ouml;sen Anschlag gegen ihn und ging in die Kirche und lie&szlig; die Feder aus dem Goldbilde herausholen und schrieb dann damit: &quot;er w&uuml;nsche, dass ein Sturmwind k&auml;me und seinen Tochtermann bis an den &auml;u&szlig;ersten Rand des Meers verschlage.&quot; Da erhob sich sogleich ein heftiger Sturm und f&uuml;hrte den Schwiegersohn des K&ouml;nigs durch die Luft, weit weg &uuml;ber&#039;s Meer und warf ihn endlich auf ein Schiff; darin waren Seer&auml;uber und die erschraken recht ordentlich, als da mit einem Male ein ganz fremder Mensch in ihr Schiff geflogen kam. Doch nahmen sie ihn mit und verkauften ihn an einen Edelmann; da wurde er Bedienter. Nicht lange so machte ihn der Edelmann zu seinem Kammerdiener und er hatte es gut bei ihm, besonders weil die Tochter des Edelmanns so verliebt in ihn war und t&auml;glich ihren Vater mit Bitten anging, dass er ihr doch den sch&ouml;nen Kammerdiener zum Manne geben m&ouml;chte. Endlich erlaubte es der Edelmann und verheiratete seine Tochter mit dem Kammerdiener, und der musste sich&#039;s gefallen lassen.

Als er nun eines Tags sich in einen leichten Kahn setzte und am Ufer des Meers spazieren fuhr, kam pl&ouml;tzlich ein starker Wind und trieb den Kahn mitten auf&#039;s hohe Meer, ohne dass er es hindern konnte, und trieb ihn immer weiter und weiter, bis er endlich nach mehren Tagen an der entgegengesetzten Seite des Meeres landen konnte und sich ganz nahe bei der Stadt befand, wo seine Gemahlin lebte. Da wollte er eilig zu ihr gehen; aber am Stadtor wurde er von den Soldaten festgenommen, denn so hatte es der K&ouml;nig befohlen; und als man dem K&ouml;nig jetzt meldete, dass sein Tochtermann wieder da sei, lie&szlig; er ihn in einen tiefen Kerker werfen, wo weder Sonne noch Mond hinein scheinen konnten; seiner Tochter aber sagte er nichts davon, obwohl sie keine frohe Stunde mehr hatte, seit ihr Gemahl verschwunden war und sie gar nicht wusste, wo er sein mochte.

Nachdem nun Bernhard lange Zeit in dem unterirdischen Loche geschmachtet und schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dass er noch daraus erl&ouml;set werden w&uuml;rde, da schien eines Tags in sein Gef&auml;ngnis etwas Helles herab, das sah aus wie ein Lichtstrahl und rief ihm zu: &quot;Bernhard, was machst Du? Ich bin der Hahn, der Dir die Feder gegeben. Warum hast Du nicht reinen Mund gehalten wie ich Dir geboten hatte?&quot; Da klagte ihm Bernhard seine Not und bat ihn dringend, dass er ihm doch noch einmal helfen m&ouml;chte; und da gab der Hahn ihm endlich eine zweite Goldfeder, mit der er sich alles w&uuml;nschen konnte.

Nun schrieb er zuerst: er w&uuml;nsche, dass die erste Goldfeder nie wieder an das Tageslicht kommen m&ouml;chte; f&uuml;r&#039;s zweite w&uuml;nschte er sich in&#039;s Schloss, in das Zimmer des K&ouml;nigs und sagte hier seinem Schwiegervater: &quot;weil er so b&ouml;s und grausam an ihm gehandelt, so solle er barfu&szlig;, mit dem Felleisen auf dem R&uuml;cken als Handwerksbursch bei Tag und Nacht durch die Welt reisen.&quot; Dann w&uuml;nschte er sich zu seiner Gemahlin und war im Augenblick bei ihr. Das war aber eine Freude! Nachdem er dann die Strafe f&uuml;r den alten K&ouml;nig aufgeschrieben hatte, sah man ihn alsbald barfu&szlig; mit dem Ranzen auf dem R&uuml;cken zum Schlosse herauskommen und fortwandern und hat ihn nie zur&uuml;ckkommen sehen. Da wurde Bernhard K&ouml;nig und regierte viele Jahre lang zum Segen des Volkes und war gl&uuml;cklich mit seiner rechten Gemahlin bis an sein Ende.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet.- Henning Vieser]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>75. Der Hahn mit den Goldfedern.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10913&amp;goto=11104</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:23:07 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[75. Der Hahn mit den Goldfedern.

Es waren einmal zwei englische Offiziere, die hatten sich unter das preu&szlig;ische Milit&auml;r aufnehmen lassen und dienten hier schon lange Zeit. Da gefiel&#039;s ihnen endlich nicht mehr und sie beschlossen, heimlich das Heer zu verlassen, und besprachen eben ihre Flucht, als ihr Bedienter, der Bernhard hie&szlig;, zu ihnen wollte und an der T&uuml;r horchte und also ihren ganzen Plan erfuhr. Da besann er sich nicht lange, sondern trat zu den Offizieren in&#039;s Zimmer und sagte, er habe alles geh&ouml;rt, was sie vorh&auml;tten, und wenn sie ihn nicht auch mitn&auml;hmen, so w&uuml;rde er&#039;s dem General anzeigen, dass sie desertieren wollten. Da sagten sie: ja, sie wollten ihn wohl mitnehmen und machten sich gleich am andern Morgen ganz in der Stille auf und davon, und marschierten Tag und Nacht durch, obwohl das Wetter kalt und nass war. Weil sie aber nicht wagten, in ein Wirtshaus einzukehren, so mu&szlig;ten sie unter freiem Himmel &uuml;bernachten.

So blieben sie auch einmal in einem Walde und lie&szlig;en ein Feuer anmachen, um ihre Kleider zu trocknen, und legten sich nieder unter einen Baum und schliefen ein; der Diener aber musste wachen und das Feuer unterhalten. Da war das Holz abgebrannt und der Bediente ging hin, um frisches zu suchen und zu brechen; allein eh&#039; er zur&uuml;ckkam, war das Feuer schon ganz erloschen, also, dass er den Platz, wo seine Herren ruhten, nicht wieder finden konnte und nun im Walde hin und her irrte, bis er endlich ein Licht sah und darauf zuging und an ein gro&szlig;es Haus kam. Da freute er sich und hoffte, hier etwas zu essen zu bekommen, denn schon seit mehren Tagen war Schmalhans bei ihm Koch gewesen, und au&szlig;erdem war er durch das Wachen und das Marschieren bei dem schlechten Wetter ganz m&uuml;de und matt geworden.

In dem Hause aber war keine menschliche Seele zu finden; alle Zimmer waren leer. Da legte sich endlich Bernhard in dem letzten Zimmer, in das er kam, nieder, um sich zu erholen, weil&#039;s hier so gut warm war, und wollte eben einschlafen, als er einen Hahn kr&auml;hen h&ouml;rte. Da suchte er im ganzen Zimmer umher, aber nirgends war ein Hahn zu sehen. Nach einer Weile kr&auml;hte der Hahn zum zweiten Mal; aber er mochte suchen so viel er wollte, es war kein Hahn zu finden. Wie er nun recht genau aufpasste, wo der Ton wohl herkomme, da kr&auml;hte der Hahn zum dritten Mal und da merkte er deutlich, dass der Ton aus dem Tische kam und zog sogleich die Schublade auf und richtig: da sa&szlig; ein &quot;Gokeler&quot; mit goldnen Federn darin. Nun zog er geschwind sein Messer aus der Tasche und wollte den Hahn nehmen und schlachten und verzehren; denn er hatte gro&szlig;en Hunger; aber der Hahn redete ihn an wie ein Mensch und sagte: er solle ihn nicht umbringen, sondern sich nur eine Feder aus seinem Schwanze ziehen: mit der k&ouml;nne er sich alles herw&uuml;nschen, was er wolle; er brauche es blo&szlig; mit der Feder zu schreiben und sogleich werde es da sein. Darauf riss er dem Hahn eine Goldfeder aus und schrieb damit, dass er sich ein gutes Essen w&uuml;nsche. Und auf der Stelle war der Tisch mit den besten Speisen und Getr&auml;nken besetzt, und nachdem er sich ges&auml;ttigt und gest&auml;rkt hatte, schrieb er: er w&uuml;nsche, dass das Feuer im Walde brenne und er bei seinen Herren w&auml;re und dass diese gut schlafen und ihre Kleider trocken sein m&ouml;chten. Und kaum war er mit dem letzten Worte fertig, so war er auch schon wieder bei den Offizieren, die schliefen noch fest und ihre Kleider waren getrocknet und das Feuer brannte hell und lustig. Dann weckte er die beiden und reiste mit ihnen weiter; sagte aber nichts von seiner goldenen Feder, weil&#039;s der Hahn ihm verboten hatte.

Nach einigen Tagen, als der gro&szlig;e Wald noch immer kein Ende nehmen wollte, blieb der Bediente einmal zur&uuml;ck und schrieb flink mit seiner Feder: &quot;er w&uuml;nsche, dass er und seine Offiziere bald in die Gegend von England kommen m&ouml;chten, wo sie zu Haus seien.&quot; Da dauerte es kaum eine Viertelstunde, da ging der Wald zu Ende und sie befanden sich in einer freundlichen Gegend und der eine Offizier blieb stehen und sagte zu seinem Kameraden: &quot;aber sieh nur die Berge und dieses Tal und die Stadt dort! W&uuml;sste ich nicht, dass wir hier noch auf preu&szlig;ischem Boden sind, so w&uuml;rde ich sagen, dies w&auml;re unsere Heimat.&quot; Der Andere sagte das N&auml;mliche. Als sie aber im n&auml;chsten Dorfe einkehrten und nach den Namen der Ortschaften und des Landes fragten, da erfuhren sie, dass sie in England waren, ganz nahe bei ihrer Heimat, und konnten gar nicht begreifen, wie das nur m&ouml;glich sei. - Bald darauf traten die Offiziere wieder in englische Dienste und wollten auch den Diener bereden, dass er bei ihrem Regiment dienen m&ouml;chte; allein er sagte, er habe das Soldatenleben satt und wolle sein Gl&uuml;ck anderswo versuchen und nahm Abschied von seinen Herrn und wanderte fort in die weite Welt hinaus.

Da kam er nach langer langer Zeit auch einmal in eine gro&szlig;e sch&ouml;ne Stadt und h&ouml;rte, dass die einzige Tochter des K&ouml;nigs schon viele Jahre lang krank sei und Niemand ihr helfen k&ouml;nne. Da lie&szlig; er beim K&ouml;nig sich melden und gab sich f&uuml;r einen Doktor aus und verlangte die Prinzessin zu sehen und versprach, sie zu kurieren. Allein der K&ouml;nig traute keinem Doktor mehr und mochte seine Tochter, die am ganzen Leibe mit b&ouml;sen Geschw&uuml;ren bedeckt war, nicht einmal mehr sehen lassen und wies deshalb den fremden Doktor ab. Der aber ruhte nicht, bis der K&ouml;nig endlich es zugab, dass er die Prinzessin besuchen und ihr etwas verordnen durfte. Da schrieb er ihr mit seiner Goldfeder ein Getr&auml;nk auf und w&uuml;nschte, dass es ihr darnach ein klein wenig besser gehen m&ouml;chte. Und so geschah es auch, und die Freude in dem k&ouml;niglichen Schlosse war gro&szlig;. Dann verordnete er ein zweites Getr&auml;nk und w&uuml;nschte, dass es danach allm&auml;hlich immer besser werden m&ouml;chte, und da ging&#039;s denn auch von Tage zu Tage besser, so dass die Prinzessin es kaum erwarten konnte, bis ihr Doktor wiederkam. Als er ihr nun ein drittes Getr&auml;nk gab, hatte er gew&uuml;nscht, dass sie danach vollkommen gesund werden m&ouml;chte, und da dauerte es nicht lange, da war sie frisch und wohl wie der Fisch im Wasser und wusste gar nicht, wie sie ihrem Retter genug Dank und Liebe erweisen sollte, denn sie hatte ganz fest gemeint, sie m&uuml;sse sterben. Auch der K&ouml;nig war &uuml;ber die Ma&szlig;en froh und bot dem Doktor so viel Geld und Gut, als er nur verlange; aber Bernhard wollte nichts nehmen. Als der K&ouml;nig jedoch ihm keine Ruhe lie&szlig; und zuletzt fast mit Gewalt ein goldenes Szepter ihm aufn&ouml;tigte, so nahm er&#039;s zwar hin, um nur fortzukommen; legte es drau&szlig;en aber in ein Nebeng&auml;sschen nieder, weil&#039;s ihm nur M&uuml;he machte, es zu tragen, und wanderte weiter.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>76. Ein Lügen-Märchen.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10912&amp;goto=11103</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:19:56 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[76. Ein L&uuml;gen-M&auml;rchen.

Da war mal ein Mann, der h&ouml;rte junge V&ouml;gel piepsen in einem hohlen Baume und stieg hinauf und wollte das Nest ausnehmen. Weil aber das Loch zu klein war, als dass er mit seiner Hand h&auml;tte hinein kommen k&ouml;nnen, - was tat er? - er besann sich nicht lang und kroch flink mit seinem ganzen Leibe hinein und nahm sich das Nest. - Nun aber sa&szlig; er in dem Baume und konnte durch das Loch nicht wieder heraus; denn das war nur gerade f&uuml;r einen Vogel gro&szlig; genug, musst Du wissen. - Was sollte er nun anfangen? Er musste sich endlich dazu entschlie&szlig;en, in seine Wohnung zu gehen und sich eine Axt zu holen, und dann kroch er wieder in den Baum und haute von innen heraus das Loch so gro&szlig;, dass er mit seinem ganzen Leibe und mit dem Vogelneste in der Hand nun auch bequem wieder herauskriechen konnte. Das war aber ein St&uuml;ck Arbeit; ja, das will ich meinen!

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet.- Henning Vieser
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>77. Die zwei Mädchen und der Engel.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10911&amp;goto=11102</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:19:20 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[77. Die zwei M&auml;dchen und der Engel.

Ein junges M&auml;dchen wollte gern in den Wald, um Erdbeeren zu suchen. Da erlaubte es ihm die Mutter und gab ihm Kraut und Speck mit auf den Weg. Als das M&auml;dchen an&#039;s Tor kam, sa&szlig; da ein Engel und bat um etwas zu essen. Da gab ihm das M&auml;dchen sogleich alles hin, was es von der Mutter bekommen hatte, und ging vergn&uuml;gt weiter in den Wald und suchte sich ein K&ouml;rbchen voll Erdbeeren. Und wie es nun heimging und aus dem Walde trat, stand der Engel wieder da und bat um einige Erdbeeren. Die gab ihm das M&auml;dchen gern. Dann sprach der Engel: &quot;wenn Du an&#039;s Tor kommst, so wirst Du eine Schachtel finden; die musst Du mitnehmen, musst sie aber ja nicht eher aufmachen, als bis Du daheim bist.&quot; - Nein, das wollte es auch nicht tun, sagte es, und ging hin und fand die Schachtel und trug sie flink in das Haus ihrer Mutter und machte sie dann auf: da war sie ganz voll von kostbaren Edelsteinen und von Goldst&uuml;cken, also, dass das M&auml;dchen auf einmal sehr reich geworden war.

Das h&ouml;rte ein anderes M&auml;dchen und wollte nun auch in den Wald, um Erdbeeren zu suchen, und bekam auch von der Mutter Kraut und Speck mit auf den Weg. Als es nun an das Tor kam, sa&szlig; da der Engel und bat:

&quot;Gib mir auch ein wenig Kraut und Speck!&quot;

das M&auml;dchen aber antwortete:

&quot;I&szlig; Du en Dreck!&quot;

und ging weiter und suchte sich im Walde einen ganzen Korb voll Erdbeeren. Und als es aus dem Walde kam, war auch derselbe Engel wieder da und bat:

&quot;Gib mir auch ein paar Erdbeern!&quot;

&quot;Die Erdbeern e&szlig;&#039; ich selber gern,&quot;

sagte das M&auml;dchen und gab ihm auch diesmal nichts und ging weiter, worauf der Engel ihr nachrief: &quot;Nun so geh nur hin! am Tore wirst Du eine Schachtel finden; die darfst Du mitnehmen, musst sie aber zu Haus erst aufmachen.&quot;

Ei, wie konnte das M&auml;dchen da laufen bis sie an das Tor kam und die Schachtel fand! Da war sie ganz au&szlig;er sich vor Freude. Als sie aber nach Haus kam und die Schachtel aufmachte - was war darin? - lauter kleine schwarze Teufelchen.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet. Mundartausdr&uuml;cke blieben bestehen.- Henning Vieser
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>78. Hui in mein' Sack!</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10910&amp;goto=11101</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:18:40 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[78. Hui in mein&#039; Sack!

Ein armer Handwerksbursch war schon lange auf der Wanderschaft und hatte nur noch drei Kreuzer in der Tasche. Er gedachte, im n&auml;chsten Orte sich Tabak daf&uuml;r zu kaufen, als eben ein andrer Handwerksbursch daherkam und ihn um eine Gabe ansprach. Er gab ihm einen Kreuzer, und war nicht weit gegangen, als ein zweiter kam und ihn um eine Gabe bat. Er gab auch diesem einen Kreuzer. Endlich kam noch ein dritter und sprach ihn um eine Gabe an. Er sagte, indem er in die Tasche langte und den letzten Kreuzer hervorzog: &quot;das ist alles, was ich noch habe; doch es sei drum! da habt ihr ihn!&quot; und gab den letzten Kreuzer dem armen Handwerksburschen. Dieser dritte aber war der liebe Gott selbst. Der sprach nun zu dem freigebigen Handwerksburschen: &quot;ich will Dir zum Dank f&uuml;r deine Gabe drei W&uuml;nsche gew&auml;hren; Du darfst sie nur aussprechen!&quot; Da w&uuml;nschte sich der Handwerksbursch erstens: dass seine Pfeife best&auml;ndig voll Tabak sei und gleich von selbst brenne, wenn er sie anziehe. Zweitens w&uuml;nschte er, dass Alles in seinen Sack fahren m&uuml;sse, sobald er rufe: &quot;hui in meinen Sack!&quot; Und drittens bat er um die ewige Seligkeit. Ja das sei recht, sagte der liebe Gott, es solle ihm das Alles gew&auml;hrt werden und verlie&szlig; ihn.

Alsbald nahm der Handwerksbursch sein Pfeifchen aus der Tasche, steckte es in den Mund und fing an zu ziehen, und da brannte es und dampfte es, dass es eine Lust war, und wie lange er auch rauchte, so ging ihm der Tabak nicht aus. Am Abend suchte er ein gutes Wirtshaus und a&szlig; und trank, was ihm schmeckte. Da sa&szlig;en reiche Kaufleute da, und als sie ihre Zeche bezahlten und Goldst&uuml;cke wechseln lie&szlig;en, dachte der Handwerksbursch: du sollst doch einmal den Sack probieren, und als die Kaufleute eben das Geld in den Beutel stecken wollten, so sprach er leis: &quot;hui in mein&#039;n Sack!&quot; und pl&ouml;tzlich f&uuml;hlte er, dass sein Sack schwerer geworden war und dachte, jetzt ist es gut, nun bist du ein gemachter Mann. Die Kaufleute aber merkten nichts davon. So verschaffte sich der arme Handwerksbursch Geld, so oft es ihm ausging und zog am Tage mit seiner Pfeife im Munde vergn&uuml;gt in der Welt herum.

Da hatte er sich einmal m&uuml;de gelaufen und kam sp&auml;t in einen Ort, darin nur ein einziges Wirtshaus war und wollte daselbst &uuml;bernachten. Aber alles war schon von Fremden besetzt. Er bat den Wirt recht dringend, er m&ouml;chte ihn doch behalten, er k&ouml;nne nicht weiter. Der Wirt aber sagte: &quot;es ist mir unm&ouml;glich; ich habe da zwar noch ein Schloss, das steht ganz leer, weil Niemand darin &uuml;bernachten kann, ohne sein Leben darin zu verlieren!&quot; Der Handwerksbursch aber sagte, er sollte ihn nur hineinlassen, es werde ihm nichts geschehen. Darauf lie&szlig; er sich in das Schloss f&uuml;hren und a&szlig; zu Nacht und schloss die T&uuml;r fest zu und legte sich zu Bett. Als es eben Mitternacht war und er fest schlief, pochte es heftig an der T&uuml;r, dass er aufwachte und fragte: wer da? Er bekam aber keine Antwort, sondern man pochte immer heftiger. Endlich sprang die T&uuml;r auf und der leibhaftige Teufel trat herein und wollte den Handwerksburschen holen, hatte aber keine Macht &uuml;ber ihn, weil er sich die ewige Seligkeit gew&uuml;nscht, und suchte ihn daher blos zu qu&auml;len. Als dies dem Handwerksburschen zu arg wurde, rief er nur: &quot;hui in mein&#039;n Sack!&quot; und auf einmal war der Teufel ganz m&auml;uschenstill und sa&szlig; in dem Sack, w&auml;hrend der Handwerksbursch ruhig fortschlief. Am andern Morgen aber nahm er seinen Knotenstock und schlug auf den armen Teufel im Sacke so lange los, als er sich nur r&uuml;hren konnte, und als er meinte, er werde wohl genug haben, lie&szlig; er ihn los, worauf er eilig zur H&ouml;lle zur&uuml;cklief. - Seitdem hat er sich in dem Schlosse nicht wieder sehen lassen und aus Dankbarkeit behielt der Wirt den Handwerksburschen bei sich so lang er lebte.

Als er sein Ende herankommen sah, sagte er, sie sollten ihm doch den Sack mit in&#039;s Grab geben und unter sein Kopfkissen legen. Das geschah denn auch. Als er nun gestorben und begraben war und vor die Himmelst&uuml;r kam, wollte Petrus ihn nicht einlassen, weil er leichtsinnig in die Welt hinein gelebt habe und wies ihn zur H&ouml;lle. Wie er dort ankam und anklopfte, &ouml;ffneten zwei junge Teufel und packten ihn an. Allein der oberste der Teufel rief pl&ouml;tzlich: &quot;lasst doch den fahren, sonst geht&#039;s uns Allen schlecht!&quot; Denn er sah, dass er den Sack bei sich hatte, darin er so j&auml;mmerlich war gepr&uuml;gelt worden und schob ihn sogleich wieder zur H&ouml;lle hinaus. Er ging wieder an&#039;s Himmelstor und klopfte. Als Petrus auftat, warf er sogleich seinen Sack hinein und rief: &quot;hui in mein&#039;n Sack!&quot; Da war er darin und Petrus musste ihn da lassen.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet. - Henning Vieser
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>79. Die Reise zum Vogel Strauß.</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10909&amp;goto=11100</link>
            <pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:17:52 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[79. Die Reise zum Vogel Strau&szlig;.

Ein reicher Graf hatte einen Bedienten, der musste ihn begleiten so oft er eine Reise machte, und weil der Bursch immer treu, flink, flei&szlig;ig und freundlich war, so hatte er ihn sehr gern. Indes einmal, als er wieder auf Reisen war, beging der Bediente ein kleines Versehen; dar&uuml;ber ward der Graf so zornig, dass er den Burschen nicht mehr vor Augen sehen mochte und ihn mit einem Briefe an seine Frau heimschickte. &quot;In dem Briefe aber stand: ›die Gr&auml;fin solle den Bedienten sogleich einsperren und ihm den Kopf abschlagen lassen.‹&quot;

Nun wusste der Bursch zwar nicht, was der Graf geschrieben, war aber doch sehr traurig, dass er so b&ouml;s auf ihn geworden sei und ihn allein fortgeschickt hatte; und viel Gutes werde in dem Briefe auch wohl nicht stehen, meinte er. Und wie er nun nur noch eine Tagreise bis zum Schloss des Grafen hatte und in einem Wirtshause &uuml;bernachtete, und abends ganz niedergeschlagen dasa&szlig;, fragte ihn der Wirt, woher er komme und wohin er gehe und was ihm fehle. Da erz&auml;hlte er seine ganze Geschichte und zog zugleich den Brief des Grafen hervor. Der Wirt aber war ein pfiffiger Mann und sagte: den Brief g&auml;be ich nicht ab, wenn ich nicht w&uuml;sste, was darin st&auml;nde, und beredete den Burschen, dass er ihn endlich aufbrach und las. Da sah er nun, dass der Graf ihn wollte umbringen lassen. Sprach zu ihm der Wirt: &quot;hat der Graf solche Gedanken gegen Dich, so wollen wir ihm einen noch ganz anderen [274] Streich spielen; jetzt lass Du mich nur machen.&quot; Und sogleich nahm der Wirt Papier und Feder und Tinte, und machte ganz genau die Handschrift des Grafen nach und schrieb an die Gr&auml;fin: &quot;dass sie den Bedienten, sobald er heimkomme, mit ihrer Tochter verheiraten solle.&quot;

Das Ding schien dem Bedienten zwar gef&auml;hrlich; allein da ihm der Graf doch einmal nach dem Leben trachte, so wolle er ihm auch erst einen rechten Anlass geben und sich, wenn es angehen m&ouml;chte, mit seiner Tochter verheiraten, meinte er; und wie er so an die junge Gr&auml;fin dachte, wurde er pl&ouml;tzlich wieder so vergn&uuml;gt, dass er am andern Morgen ganz fr&uuml;h aufbrach, um so bald als m&ouml;glich zu ihr zu kommen.

Nachdem er den Brief abgegeben, tat die Gr&auml;fin sogleich, wie ihr Mann es befohlen; denn sie wusste, er war ein strenger Herr und konnte keine Widerrede leiden, sonst h&auml;tte sie ihm gar zu gern Vorstellungen dar&uuml;ber gemacht, dass sie doch ihre einzige Tochter nicht einem Bedienten zur Frau geben d&uuml;rfe. Die Tochter aber war ganz wohl damit zufrieden, und so wurde sie richtig mit dem Bedienten ihres Vaters verheiratet.

Als der Graf nun nach einiger Zeit zur&uuml;ckkam und erfuhr, was seine Frau angerichtet, da h&auml;tte er vor &Auml;rger und Zorn sich alle Haare ausrei&szlig;en m&ouml;gen und w&uuml;rde gewiss seine Frau umgebracht oder fortgejagt haben, wenn die Schrift nicht so treu nachgeahmt gewesen w&auml;re, dass er gestehen musste: &quot;die Buchstaben sind so verdammt &auml;hnlich, dass ich selbst den Brief h&auml;tte f&uuml;r echt halten k&ouml;nnen.&quot; - Nun [275] aber warf er einen noch viel gr&ouml;&szlig;eren Hass auf den Bedienten, der sein Schwiegersohn geworden, und suchte ihn auf eine andre Art zu Grunde zu richten. Er tat um der Leute willen, als ob er mit der Heirat einverstanden sei, zumal da die Tochter sich ganz gl&uuml;cklich f&uuml;hlte, sagte aber zu seinem Schwiegersohne: &quot;Ich gebe nur unter der Bedingung meine Einwilligung, dass Du mir nachtr&auml;glich noch eine Feder aus dem Schwanz des Vogel Strau&szlig; holst.&quot; O, das wollte er recht gern tun, sagte der Schwiegersohn. &quot;Und f&uuml;r mich,&quot; sagte die Gr&auml;fin, &quot;frag den Vogel Strau&szlig;, wo mein Trauring geblieben sei.&quot; Das wollte er auch wohl tun, sagte er, und nahm Abschied von seiner jungen Frau und machte sich sogleich auf den Weg. Da freute sich der Graf schon im Stillen; denn er meinte nicht anders, als der Vogel Strau&szlig; werde ihn zerrei&szlig;en und auffressen.

Wie er nun schon ein gut St&uuml;ck Wegs zur&uuml;ckgelegt hatte, kam er durch ein Dorf; und als die Leute ihn fragten, wo er hin wolle? und er es ihnen sagte, da baten sie ihn: &quot;O frag doch den Vogel Strau&szlig; auch, warum denn unser Dorfbrunnen gar nicht mehr laufen will.&quot; Ja, das wollte er tun, sagte er und ging weiter. - Nachdem er wieder eine weite weite Strecke gegangen war, kam er an einen breiten Fluss, &uuml;ber den f&uuml;hrte keine Br&uuml;cke; aber ein Mann stand da, der musste jeden, der daher kam, hin&uuml;bertragen und trug auch den Burschen sogleich hin&uuml;ber und fragte ihn dann, wo er hinreise? &quot;Zum Vogel Strau&szlig;,&quot; sagte er. &quot;O so vergiss doch nicht und frag ihn, wie lange ich hier noch die Menschen hin&uuml;ber tragen m&uuml;sse und wann ich endlich [276] erl&ouml;st sein werde?&quot; Nein, er wollte es nicht vergessen und ihn schon fragen, sagte er und ging weiter.

Nun musste unser Wandersmann zwar noch durch vieler Herren L&auml;nder; aber endlich und endlich kam er an ein kleines H&auml;uschen, da traf er ein altes M&uuml;tterchen und das fragte er: ob hier nicht der Vogel Strau&szlig; wohnte? Ja, der wohnte da, sagte sie; er sei aber ausgegangen und das sei nur ein Gl&uuml;ck, denn sonst w&uuml;rde er ihn gewiss zerrei&szlig;en; deshalb solle er nur geschwind machen, dass er wieder fortkomme. Als der junge Mann ihr nun aber sagte, was er Alles von dem Vogel Strau&szlig; wissen sollte und dass er auch eine von seinen sch&ouml;nen Schwungfedern dem Grafen bringen m&uuml;sse und deshalb nicht fortgehen d&uuml;rfe, da versprach das M&uuml;tterchen, es wolle ihm beistehen und ihm durchhelfen, und versteckte ihn dann unter dem Bett.

Als der Vogel Strau&szlig; nun nach Haus kam, rief er sogleich: &quot;Du hast Menschenfleisch hier; ich riech&#039;s; gib&#039;s her!&quot; &quot;Nur gemach!&quot; sagte das M&uuml;tterchen; &quot;es ist freilich ein Mensch hier gewesen, der wollte Allerlei von Dir wissen, was Du ihm doch nicht h&auml;ttest sagen k&ouml;nnen.&quot; &quot;Das w&auml;re doch!&quot; sagte der Strau&szlig;. &quot;Was wollte er denn wissen?&quot; &quot;Ach,&quot; sagte das M&uuml;tterchen, &quot;die Frau des Grafen l&auml;sst Dich fragen, wo ihr Brautring geblieben sei und meint, das w&uuml;sstest Du?&quot; &quot;Nun, ich wei&szlig; es auch; die dumme Frau d&uuml;rfte nur die T&uuml;rschwelle aufbrechen, so w&uuml;rde sie ihn finden; denn da ist der Ring durch einen Spalt hineingefallen. - Hat er sonst noch was wissen wollen?&quot; &quot;Ja, warum der Dorfbrunnen schon so lange nicht mehr laufe; aber das weisst Du gewiss nicht.&quot; &quot;Nun, ich wei&szlig; es freilich,&quot; sagte der Strau&szlig;; &quot;die einf&auml;ltigen Bauern d&uuml;rften nur den Frosch wegnehmen, der die Quelle verstopft, da w&uuml;rde der Brunnen schon wieder laufen.&quot; &quot;Was Du nicht Alles wei&szlig;t!&quot; sagte das M&uuml;tterchen. &quot;Aber das h&auml;ttest Du ihm doch gewiss nicht sagen k&ouml;nnen, warum der Mann best&auml;ndig die Leute &uuml;ber&#039;s Wasser tragen muss und wann ihn einmal Jemand abl&ouml;sen wird.&quot; &quot;O der Narr!&quot; sagte der Strau&szlig;; &quot;er sollte nur den Ersten Besten, den er her&uuml;bertr&auml;gt, in&#039;s Wasser werfen und sagen: jetzt nimm Du meinen Platz ein! so w&auml;re er frei. - Hat er weiter nichts gewollt?&quot; &quot;O ja,&quot; sagte das M&uuml;tterchen; &quot;er wollte f&uuml;r den Grafen etwas von Dir geschenkt haben; aber das war gar zu dumm, ich mag&#039;s nicht einmal sagen.&quot; &quot;O sag&#039;s nur!&quot; rief der Strau&szlig;, &quot;ich m&ouml;chte es doch wissen.&quot; &quot;Gibst Du mir&#039;s, wenn ich es Dir sage?&quot; sprach das M&uuml;tterchen. &quot;Ei warum nicht? sag&#039;s nur schnell!&quot; Da sprach das M&uuml;tterchen: &quot;er wollte eine von deinen Schwungfedern.&quot; Da machte der Strau&szlig; zwar ein grimmig Gesicht; weil er&#039;s aber versprochen hatte, so riss er sich doch eine Feder aus und gab die dem M&uuml;tterchen und dachte nun nicht mehr an den Burschen, der die Nacht ganz wohlgemut unter dem Bette zubrachte.

Am andern Morgen, sobald der Vogel Strau&szlig; ausgegangen war, rief das M&uuml;tterchen den Burschen und fragte ihn, ob er auch alles wohl geh&ouml;rt und verstanden habe, was der Strau&szlig; ihr gesagt? Ja, er hatte es gut geh&ouml;rt und sich gemerkt. Dann gab sie ihm die Feder und er bedankte sich viel viel Mal und trat vergn&uuml;gt seine R&uuml;ckreise an.

[278] Als er nun an das Wasser kam und der Mann ihn hin&uuml;ber trug, fragte der, was der Vogel Strau&szlig; gesagt habe. &quot;Bring mich nur erst hin&uuml;ber!&quot; sprach der Bursch; und als er am andern Ufer stand, sagte er: &quot;den N&auml;chsten, den Du tragen musst, den wirf in&#039;s Wasser und sprich: jetzt nimm Du meinen Platz ein! dann bist Du erl&ouml;st.&quot; &quot;Das h&auml;tte ich eher wissen sollen,&quot; brummte er vor sich hin. Der Bursch aber ging tapfer weiter und kam dann auch bald in das Dorf und sagte den Bauern, sie sollten nur den Frosch aus dem Brunnen nehmen, und als sie das taten, lief der Brunnen wieder ganz pr&auml;chtig. Da schenkten sie dem Reisenden dreihundert Gulden als Belohnung f&uuml;r seine M&uuml;he.

Nach vielen vielen Wochen kam er endlich wieder in das Schloss, dass der Graf sich nicht genug verwundern konnte. Dann sagte er der Schwiegermutter: ihr Trauring liege unter der T&uuml;rschwelle, und als sie die aufbrechen lie&szlig;, lag er richtig da. Dem Grafen aber sagte er: &quot;der Vogel Strau&szlig; l&auml;&szlig;t Dich freundlich gr&uuml;&szlig;en und schickt Dir da eine goldene Feder; wenn Du selbst aber einmal zu ihm kommen m&ouml;chtest, so solltest Du so viele Sch&auml;tze haben, als Du nur mitnehmen k&ouml;nntest.&quot; Da dachte der Graf, die Einladung m&uuml;sse er annehmen, denn die goldne Feder war gar zu sch&ouml;n und er h&auml;tte gern deren noch mehre gehabt, lie&szlig; sich deshalb von seinem Schwiegersohne den Weg genau beschreiben und trat sogleich die Reise zum Vogel Strau&szlig; an.

Nun kam er auch gl&uuml;cklich bis an ein Wasser, &uuml;ber das keine Br&uuml;cke f&uuml;hrte; aber alsbald trat ein Mann hervor und fragte, ob er ihn hin&uuml;ber tragen solle. Ja, er m&ouml;chte es doch tun, sagte der Graf, denn er wolle zum Vogel Strau&szlig;. Da nahm ihn der Andere auf den R&uuml;cken und trug ihn bis in die Mitte und - plumps! warf er ihn in&#039;s Wasser und sagte: &quot;jetzt nimm Du meinen Platz ein!&quot; und machte, dass er fortkam. Der Graf krabbelte sich zwar bald wieder heraus, konnte aber nicht weiter und musste nun da bleiben und die Leute durch&#039;s Wasser tragen, und wenn ihn keiner abgel&ouml;st hat, so muss er&#039;s noch heute tun. Sein Bedienter lebte indes seelenvergn&uuml;gt mit der jungen Gr&auml;fin und bekam alsbald die ganze Grafschaft, und wenn ihn Niemand daraus vertrieben hat und er nicht etwa gestorben ist, so lebt er noch darin.
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>80. Hähnle und Hühnle - Mundart</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10908&amp;goto=11099</link>
            <pubDate>Thu, 19 Apr 2012 23:02:58 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[
80. H&auml;hnle und H&uuml;hnle.

Es ist emal a Gockeler und a Henne gw&auml;, die sind mit anander g&#039;reist. Da sind sie an-en Grabe kommen und sind n&uuml;ber g&#039;hopst; da ist dem Gockeler &#039;s B&auml;uchle ufgsprunge. Da sind sie zu em Schuhmacher gange:

Schuhmacher, gib Du mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht!
Der Schumacher sait: &quot;hol Du mir Borst!&quot; Da sind sie zu-ere Sau gange:

Sau, gib mir Borst!
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Die Sau hat gsait: &quot;gib Du mir Milch!&quot; Da sind sie zu-ere Kuh gange:

Kuh, gib mir Milch!
Milch i Sau gib,
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Da hat die Kuh gsait: &quot;gib Du mir Gras.&quot; Da sind sie zu-ere Gr&auml;sere gange:

Gr&auml;sere, gib mir Gras!
Gras i Kuh gib,
Kuh mir Milch,
Milch i Sau gib,
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Die Gr&auml;sere hat gsait: &quot;gib Du mir Weck!&quot; Da sind sie zum Beck gange:

Beck, gib mir Weck!
Weck i Gr&auml;sere gib,
Gr&auml;sere mir Gras,
Gras i Kuh gib,
Kuh mir Milch,
Milch i Sau gib.
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Der Beck hat gsait: &quot;gib Du mir Mehl!&quot; Da sind sie zum M&uuml;ller gange:

M&uuml;ller, gib mir Mehl!
Mehl i Beck gib,
Beck mir Weck,
Weck i Gr&auml;sere gib,
Gr&auml;sere mir Gras,
Gras i Kuh gib,
Kuh mir Milch,
Milch i Sau gib,
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib.
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Der M&uuml;ller hat gsait: &quot;gib Du mir Frucht!&quot; Da sind sie zum Acker gange:

Acker, gib mir Frucht!
Frucht i M&uuml;ller gib,
M&uuml;ller mir Mehl,
Mehl i Beck gib,
Beck mir Weck,
Weck i Gr&auml;sere gib,
Gr&auml;sere mir Gras,
Gras i Kuh gib,
Kuh mir Milch,
Milch i Sau gib,
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Der Acker hat gsait: &quot;gib Du mir Mist!&quot; Da sind sie zu-ere Miste gange:

Miste, gib mir Mist!
Mist i Acker gib,
Acker mir Frucht,
Frucht i M&uuml;ller gib,
M&uuml;ller mir Mehl,
Mehl i Beck gib,
Beck mir Weck,
Weck i Gr&auml;sere gib,
Gr&auml;sere mir Gras,
Gras i Kuh gib,
Kuh mir Milch,
Milch i Sau gib,
Sau mir Borst,
Borst i Schuhmacher gib,
Schuhmacher mir Draht,
Da&szlig; i mei B&auml;uchle zunaht.
Die Miste hat g&#039;sait: &quot;gib Du mir Stroh!&quot; Da sind sie uf d&#039; Heub&uuml;hne gangen und habet Stroh &#039;runter gworfe und sind au mit runter gfallen, und da sind sie dod gw&auml;.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet, Mundart  wird nicht ins Hochdeutsche &uuml;bertragen. - Henning Vieser
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>81. Kätzle und Mäusle - Mundart</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10907&amp;goto=11098</link>
            <pubDate>Thu, 19 Apr 2012 23:01:46 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[81. K&auml;tzle und M&auml;usle.

&#039;s ist emal a K&auml;tzle und a M&auml;usle spaziere gange; da hat&#039;s K&auml;tzle dem M&auml;usle &#039;s Schw&auml;nzle runter bi&szlig;e. Da sait &#039;s M&auml;usle zum K&auml;tzle: &quot;gib mir mei Schw&auml;nzle wieder!&quot; Da sait &#039;s K&auml;tzle zum M&auml;usle: &quot;wenn Du mir K&auml;s holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zum Keller (Kellner) gangen und hat em gsait:

Keller, mir K&auml;s! K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat der Keller gsait: &quot;wenn Du mir a Me&szlig;er holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zum Schmid gangen und hat gsait:

Schmid mir Me&szlig;er! Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat der Schmid gsait: &quot;wenn Du mir Horn holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zur Gais gangen und hat gsait:

Gais mir Horn! Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat d&#039; Gais gsait: &quot;wenn Du mir Heu holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zum M&auml;der gangen und hat gsait:
M&auml;der, mir Heu! Gais Heu,
Gais mir Horn, Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat der M&auml;der gsait: &quot;wenn Du mir Suppe holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zur K&ouml;che (K&ouml;chin) gangen und hat gsait:

K&ouml;che, mir Suppe! M&auml;der Suppe,
M&auml;der mir Heu, Gais Heu,
Gais mir Horn, Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat d&#039; K&ouml;che gesait: &quot;wenn Du mir Toffele holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zum Schuhmacher gangen und hat gsait:

Schuhmacher, mir Toffele! K&ouml;che Toffele,
K&ouml;che mir Suppe, M&auml;der Suppe,
M&auml;der mir Heu, Gais Heu,
Gais mir Horn, Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat der Schuhmacher gsait: &quot;wenn Du mir Borst holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zur Sau gangen und hat gsait:

Sau mir Borst! Schuhmacher Borst,
Schuhmacher mir Toffele, K&ouml;che Toffele,
K&ouml;che mir Suppe, M&auml;der Suppe,
M&auml;der mir Heu, Gais Heu,
Gais mir Horn, Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.

Na hat d&#039; Sau gesait: &quot;wenn Du mir Kleie holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle zum M&uuml;ller gangen und hat gsait:
M&uuml;ller mir Kleie! Sau Kleie,
Sau mir Borst, Schuhmacher Borst,
Schuhmacher mir Toffele, K&ouml;che Toffele,
K&ouml;che mir Suppe, M&auml;der Suppe,
M&auml;der mir Heu, Gais Heu,
Gais mir Horn, Schmid Horn,
Schmid mir Me&szlig;er, Keller Me&szlig;er,
Keller mir K&auml;s, K&auml;tzle K&auml;s,
K&auml;tzle mir mei Schw&auml;nzle wieder ge&auml;.
Na hat der M&uuml;ller gsait: &quot;wenn Du mir Wa&szlig;er holst.&quot; Na ist &#039;s M&auml;usle an Bach gangen und hat w&ouml;lle Wa&szlig;er hole. Da ist&#039;s nei gfallen und ist versoffe.

Quelle:
Ernst Meier: Deutsche Volksm&auml;rchen aus Schwaben. Stuttgart 1852, 
Lizenz: Gemeinfrei
Im Blick auf die neue deutsche Rechtschreibung und heutiger Sprache ist der Text sehr behutsam bearbeitet, Mundart  wird nicht ins Hochdeutsche &uuml;bertragen. - Henning Vieser
]]></description>
        </item>

    </channel>
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