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        <title>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</title>
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        <description>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</description>
        <lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 01:01:22 +0100</lastBuildDate>
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            <title>Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt</title>
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            <title>Der Prinz als Meisterdieb - 1</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10893&amp;goto=11084</link>
            <pubDate>Mon, 24 Oct 2011 18:26:10 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Prinz als Meisterdieb

Es war einmal ein Herzog in Pommern, der war gut Freund mit dem russischen Kaiser, und sie kamen oft zusammen und tranken sich zu, bis sie schwer betrunken waren. Eines Tages machten sie miteinander ab, dass des Herzogs beide S&ouml;hne des Russen zwei T&ouml;chter heiraten sollten und zwar sollte Prinz Friedrich die Finetee, Prinz Karl aber die Galethee zur Frau bekommen. Der Herzog von Pommern schrieb das alsbald im Testament nieder; weil er aber betrunken war, verschrieb er sich und setzte statt der Worte: &quot;Prinz Karl soll die russische Galethee kriegen&quot;, &quot;Er soll sich den russischen Galgen verdienen&quot;.
Als er nun starb, ward das Testament er&ouml;ffnet und den Prinzen verlesen. &quot;Was unser Vater bestimmt hat, das m&uuml;ssen wir tun&quot;, sagten sie, und Prinz Friedrich zog mit gro&szlig;em Gepr&auml;nge nach Russland, wo er mit der russischen Finetee verheiratet wurde; Prinz Karl dagegen z&auml;umte sein Pferd und vern&auml;hte ein gut Teil Goldst&uuml;cke in den Sattel, dann schwang er sich auf das Tier und ritt ebenfalls &uuml;ber die Grenze, um sich den russischen Galgen zu verdienen.
Er zog von einen Stadt zur anderen und von einem Dorf zum andern, er ritt &uuml;ber Berg und Tal, &uuml;ber Stock und Stein, bis er endlich in einen gro&szlig;en dunklen Wald gelangte, der kein Ende nehmen sollte. Auf den Abend kam er obendrein von der Stra&szlig;e ab, und es dauerte gar nicht lange, so hielt er vor einen gro&szlig;en tiefen Bruch, und Weg und Steeg hatten ein Ende. Wie er so dastand und wusste nicht aus noch ein, trat aus der Dickung ein schwarzer Mann auf ihn zu und sprach: &quot;Was tust du hier?&quot; - Antwortete Prinz Karl: &quot;Ich habe mich verirrt.&quot; - Sagte der Mann: &quot;Wenn du mit die H&auml;lfte von dem Geld gibst, das du in den Sattel gen&auml;ht hast, so will ich dich wieder auf den richtigen Weg leiten.&quot; Die Rede gefiel dem Prinzen Karl so &uuml;bel nicht, denn was n&uuml;tzte ihm das Geld, wenn er in dem Sumpfe ertrank; er trennte darum den Sattel auf und gab dem Mann die H&auml;lfte von den Goldst&uuml;cken. Der ergriff darauf das Pferd beim Z&uuml;gel und f&uuml;hrte es durch Gestr&uuml;pp und Buschwerk, bis sie wieder auf dem Weg waren. Dann verabschiedete er sich von dem Prinzen; doch ehe er ging, schenkte er ihm noch eine Kugel und sagte dabei: &quot;Wenn du die in den Mund nimmst, so bist du unsichtbar.&quot; Prinz Karl steckte die Kugel zu sich und zog seiner Stra&szlig;e.
Den anderen Tag kam er wieder vom Wege ab, und nachdem er eine Zeitlang herumgeirrt war, stand er vor demselben Bruch wie gestern. &quot;Du h&auml;lst ja noch immer hier&quot;, rief eine Stimme, und der schwarze Mann trat aus der Dickung heraus. &quot;Ja, es ist schlimm mit diesem Walde&quot;, sagte Prinz Karl, &quot;wer darin nicht Bescheid wei&szlig;, verirrt sich und ertrinkt am Ende im Sumpfe. Kannst du mich nicht noch einmal auf den rechten Weg bringen?&quot;  - &quot;Mit dem gr&ouml;&szlig;ten Vergn&uuml;gen&quot;, antwortete der schwarze Mann, &quot;wenn du mir wiederum die H&auml;lfte von dem Gelde gibst, das du noch hast.&quot; Dann behielt Prinz Karl zwar nur noch ein Viertel von dem ganzen Schatz; aber wozu brauchte er auch das rote Gold, um den russischen Galgen zu verdienen? Er gab darum dem schwarzen Mann den geforderten Preis, und dieser f&uuml;hrte ihn durch das Dickicht auf die rechte Stra&szlig;e zur&uuml;ck, und schenkte ihm zum Abschied eine kleine Rute. &quot;Was du damit schl&auml;gst, sei es Mauer oder Fels, das &ouml;ffnet sich&quot;, sagte er und verschwand. Prinz Karl aber setzte seine Reise fort, bis er vor einen Ellerei haltmachen musste. Da er mit dem Pferd nicht heil durch den Busch kommen konnte, trennte er mit dem Schwerte den Sattel auf, nahm das letzte Gold heraus und steckte es zu sich in die Rocktasche; dann lie&szlig; er das Ross laufen und ging zu Fu&szlig; weiter und sprang von einem B&uuml;lten zum anderen, bis die Sonne unterging und es finster wurde am Himmel. Da stieg er auf einen hohen Ellernbusch und hielt Ausschau, und siehe, nicht weit von ihm schimmerte ein Licht durch die B&auml;ume. Eilends stieg er wieder herab und setzte seine Wanderung fort, bis er vor dem Hause stand. Er &ouml;ffnete die T&uuml;r und ging hinein; da sa&szlig; ein alter grauer Mann auf der Ofenbank, der fragte ihn, was er wolle. Prinz Karl merkte wohl, dass er in eine R&auml;uberh&ouml;hle geraten war; darum sprach er geschwind: &quot;Guten Abend! Kennst du mich nicht? Ich geh&ouml;re zum schwarzen Karl und habe mich allein gerettet und will jetzt bei euch wohnen und euch helfen.&quot; &Uuml;ber diese Rede verf&auml;rbte sich der Alte, denn der schwarze Karl hatte eine Brust wie Eisen und die Kugeln prallten ab von seinem Leibe und konnten ihn nicht durchbohren; seine Bande aber war als die schlimmste verschrien weit und breit. Deswegen hie&szlig; er den Gast freundlich willkommen, trug ihm Speise und Trank auf und bat ihn zu warten, bis die anderen nach Hause k&auml;men.
Um Mitternacht traten elf starke Kerle herein; aber Prinz Karl f&uuml;rchtete sich nicht, ging auf sie zu und dr&uuml;ckte einem jeden die Hand, dass es krachte. &quot;Wer ist das?&quot; fragten die Elf verwundert den Alten, der aber sagte:“Es ist einer von den Leuten des schwarzen Karl. Er ist bei der gro&szlig;en Schlacht davongekommen und hat das Leben geborgen. Jetzt will er bei euch bleiben und euch helfen.&quot; Sprachen die Elf: &quot;Sei uns willkommen! Aber das sagen wir dir von vornherein: gemordet wird nicht, wir vollbringen alles mit List! Nur wenn es sich nicht anders tun l&auml;sst, gehen wir den Leuten ans Leben.&quot; - &quot;So hab&#039; ich&#039;s beim schwarzen Karl auch gehalten&quot;, gab er kurz zur Antwort. Dann setzten sie sich allesamt zu Tische nieder, und nachdem sie satt gegessen und getrunken hatten, legten sie sich zu Bette und schliefen, bis der Tag anbrach.
Am anderen Morgen sprach der alte graue Mann, welcher der Hauptmann der Bande war, zu Prinz Karl: &quot;wir haben die Sitte: Wer bei uns eintreten will, muss ein Probest&uuml;ck machen.&quot; - &quot;Die Sitte lobe ich mir&quot;, sagte Prinz Karl und ging zum Hause hinaus. &Uuml;ber ein Weilchen erblickte er einen Schl&auml;chter, der zwei Ochsen vor sich her trieb. Die will ich stehlen, ohne Blut zu vergie&szlig;en, dachte er bei sich. Dann lief er durch das Geb&uuml;sch dem Schl&auml;chter voraus und warf seine S&auml;belscheide auf die Stra&szlig;e. Als der Schl&auml;chter vorbeikam, sagte er: &quot;Sieh da, eine sch&ouml;ne Scheide! Was n&uuml;tzt sie dir aber ohne S&auml;bel?&quot; Damit lie&szlig; er die Scheide liegen und zog seiner Stra&szlig;e weiter. Das hatte Prinz Karl nur gewollt, und schnell hob er die Scheide auf und lief, was er konnte, quer durch den Wald und &uuml;ber den Berg her&uuml;ber, um den sich die Stra&szlig;e zog. Dort warf er den S&auml;bel in den Sand und wartete hinter dem Busche, bis der Schl&auml;chter kam. Als dieser den blanken S&auml;bel erblickte, sprach er bei sich: &quot;H&auml;ttest du doch vorhin die sch&ouml;ne Scheide mitgenommen, hier liegt der S&auml;bel dazu!&quot; Geschwind band er die Ochsen an einen Baumstamm und lief die Stra&szlig;e zur&uuml;ck, um die Scheide zu suchen. Aber er fand sie nicht, und als er zur&uuml;ckkam, war auch der S&auml;bel verschwunden und die Ochsen mit ihm, die hatte Prinz Karl &uuml;ber den Rasen in die R&auml;uberh&ouml;hle gef&uuml;hrt, sodass man die Spuren nicht sehen konnte.
&quot;Das hast du gut gemacht&quot;; sprach der Hauptmann, &quot;und wenn du uns morgen noch einen Ballen Tuch aus der Stadt ohne Geld kaufen kannst, so wollen wir dich halten wie einen der unseren, und du sollst unser Spie&szlig;geselle werden.&quot; Das lie&szlig; sich Prinz Karl nicht zweimal sagen. Den andern Tag nahm er Pferd und Wagen, einer von den Elfen musste als Kutscher auf den Bock, w&auml;hrend er wie ein vornehmer Herr, auf jedem Finger einen Ring, in dem R&uuml;cksitz sa&szlig;. Au&szlig;erdem hatte er bei sich eine Truhe, die klipperte und klapperte, sobald man daran stie&szlig;, wie wenn eitel Gold und Silber darinnen w&auml;ren. Als er nun  mit seinem Gef&auml;hrt in der Stadt angelangt war, hie&szlig; er den Kutsche vor dem besten Laden halten. Dort stieg er aus und lie&szlig; sich das feinste Tuch und das teuerste Seidenzeug vorlegen. Der Kaufmann sah nur auf die gro&szlig;en Ringen mit den gl&auml;nzenden Steinen und freute sich, einen so reichen Kunden bekommen zu haben, und konnte nicht genug Ballen herbeischleppen. &quot;Ich nehme es, wie es da ist, ungesehen&quot;, sagte Prinz Karl, &quot;und &uuml;ber die Bezahlung werden wir nachher einig werden. Schafft nur das Zeug auf den Wagen herauf und nehmt derweil die Truhe an Euch.&quot; - Das ist sein Geldkasten, dachte der Kaufmann bei sich und stie&szlig; den Ladendiener heimlich in die Rippen, und dann rechneten sie beide im voraus zusammen, wieviel sie bei dem Handel verdienen w&uuml;rden. Prinz Karl aber ging aus dem Laden, als ob er ich in der Stadt erlustigen wollte. Das tat er jedoch nur so, in Wahrheit lief er vors Tor, und als der R&auml;uber mit dem Wagen an ihm vorbeifuhr, sprang er geschwind zu ihm auf den Bock, und nun brachten sie die Ladung in den Wald hinaus in die R&auml;uberh&ouml;hle. Da war es Zeug genug, dass sich die ganze Bande neu einkleiden konnte, und Prinz Karl wurde in allen Ehren eines R&auml;ubers von dem Hauptmanne eingesetzt. ]]></description>
        </item>
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            <title>Der Prinz als Meisterdieb - 2</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10892&amp;goto=11083</link>
            <pubDate>Mon, 24 Oct 2011 18:25:23 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Kaufmann wartete inzwischen zwei kurz und drei lang, dass der vornehme Herr zur&uuml;ckkommen sollte. Als er immer noch nicht bei ihm vorsprach, wollte er sich an der Geldkiste schadlos halten; doch wie er den Deckel der Lade erbrach, war nichts darin als Kieselsteine und Glasscherben, das hatte geklungen wie Geld, wenn man mit dem Fu&szlig;e daran stie&szlig;.
Der Kaufmann fluchte &uuml;ber den argen Dieb, die R&auml;uber aber lobten ihn. Doch Prinz Karl wollte von alledem nichts wissen und noch eine dritte Probe bestehen, obwohl er sie gar nicht mehr n&ouml;tig hatte. &quot;Kinder&quot;, sagte er, &quot;aller guten Dinge sind drei; heute Nacht will ich mit euch des Kaisers Schatzkammer bestehlen.&quot; - &quot;Au!&quot; riefen die R&auml;uber, &quot;das tun wir nicht, das bringt uns an Rad und Galgen.&quot; - &quot;Ich gehe voran&quot;, sagte Prinz Karl, &quot;und wer ein Herz hat, der folge mit.&quot; Da mochten sich die R&auml;uber nicht lumpen lassen und taten, wie er ihnen befahl.. Er hie&szlig; sie aber den Wagen voll Stroh laden, und als sie mit Einbruch der Nacht vor der Stadt angelangt waren, mussten sie die R&auml;der und die Hufe der Pferde mit Stroh umwickeln, dass niemand das Klappen der Eisen und das Knarren der R&auml;der gewahr w&uuml;rde. Als sie nun vor dem Kaiserlichen Schloss hielten, zog Prinz Karl die kleine Rute aus dem Busen hervor und schlug damit an die Mauern. Sogleich taten sie sich auseinander. Die W&auml;chter auf dem Hof schliefen, wie es W&auml;chter gemeiniglich zu tun pflegen, und so gelangten sie ungest&ouml;rt bis an die Schatzkammer. Ein Schlag mit der Rute, und die schwere Eisent&uuml;r sprang auf, und jeder R&auml;uber steckte so viel Gold und Silber zu sich, als er in seinem Sacke nur  davonschleppen konnte. Endlich waren sie fertig, und nachdem sie alles auf den Wagen geladen hatten, fuhren sie ebenso lautlos wieder zur Stadt hinaus und in den Wald zur&uuml;ck, aus dem sie gekommen waren. 
Am anderen Tage war gro&szlig;es Jammern und Wehklagen auf dem Schloss, denn der Kaiser lie&szlig; alle W&auml;chter durchpr&uuml;geln und jagte sie mit Schimpf und Schande aus dem Schloss, weil sie die Schatzkammer nicht besser geh&uuml;tet hatten. In der R&auml;uberh&ouml;hle jedoch wurde gesungen und gesprungen getanzt und gelacht, denn so viel Gold und Silber hatten sie noch niemals zusammengebracht, als sie auf dem letzten Zuge geraubt hatten. 
Nun sollte Prinz Karl auch der Hauptmann werden und der alte R&auml;ubervater bot es ihm selbst an, aber er wollte nicht. &quot;Ich bin noch zu jung&quot;, sagte er, &quot;und dem &Auml;ltesten geb&uuml;hrt diese Ehre.&quot; Da gaben sich die anderen endlich zufrieden, und sie lebten einigte Zeit lustig in Saus und Braus. Aber die vielen Sch&auml;tze, welche sie gewonnen hatten, machten sie l&uuml;stern auf noch gr&ouml;&szlig;eren Reichtum, und sie baten den neuen Bruder, dass er sie noch einmal zum Schloss f&uuml;hren m&ouml;ge. &quot;Ich will es tun, aber es ist euer Ungl&uuml;ck&quot;, sagte Prinz Karl, denn er ahnte wohl, dass der Kaiser so kurz nach der Tat doppelte Wachen ausstellen w&uuml;rde. Doch die R&auml;uber lie&szlig;en sich nicht davon abbringen. Da befahl er, den Wagen zum zweiten Male mit Stroh zu beladen, und dann fuhren sie zur  Stadt, und der R&auml;ubervater blieb allein in der H&ouml;hle zur&uuml;ck.
Am Tor wurden wiederum die R&auml;der und die Eisen der Pferde mit Strohb&auml;ndern umwickelt und als sie auf diese Weise lautlos bis an die Schlossmauern gelangt waren, schlug Prinz Karl mit der Rute gegen das Gem&auml;uer, und siede da, es klaffte auseinander. Gierig schlich einer nach dem anderen durch die &Ouml;ffnung hinein; aber sobald sie drinnen waren, wurden sie von den Schildwachen warm beim Wickel genommen, in Fesseln gelegt und in den Kerker geworden. Nur Prinz Karl ging frei aus, denn er hatte seine Kugel in den Mund genommen, und er h&ouml;rte, wie die anderen sagten:&quot; Wer fehlt denn? Wir waren doch zw&ouml;lf und hier sind nur elf? Richtig, der J&uuml;ngste ist nicht da, der ist doch kl&uuml;ger wie wir anderen zusammengenommen!&quot;
Am anderen Morgen wurden die R&auml;uber vor den Kaiser gebracht, und nachdem jeder f&uuml;nfzig aufgez&auml;hlt erhalten hatte, fragte er sie, wo sie ihre H&ouml;hle h&auml;tten und wir gro&szlig; ihre Bande w&auml;re. Erst wollte sie nicht mit der Sprache heraus; als sie aber noch f&uuml;nfzig erhalten hatten, sagten sie einm&uuml;tig, sie seien ein Hauptmann und zw&ouml;lf Mann, und ihre H&ouml;hle h&auml;tten sie drau&szlig;en im Walde bei dem gro&szlig;en Ellernbruch. Da schickte der Kaiser seine Soldaten hin, die nahmen den R&auml;ubervater gefangen und luden das Gold und Silber, das sie in der H&ouml;hle fanden, in gro&szlig;e Karren und f&uuml;hrten es in die Stadt zur&uuml;ck, wo es der Kaiser wieder in die Schatzkammer sch&uuml;tten lie&szlig;. Nun war alles da, nur der Dreizehnte fehlte. &quot;Ihr sollt nicht leben und nicht sterben&quot;, rief der Kaiser, &quot;ehe ihr ihn nicht verraten habt.&quot; - Wir wissen ja selbst nicht, wie er hei&szlig;t&quot;; jammerte der Hauptmann, &quot;er sagte, er sei vom Schwarzen Karl, und vierzehn Tage war er nur bei uns, da hat er all das Ungl&uuml;ck, angerichtet.&quot; Der Kaiser glaubte aber den Reden nicht, und jeden Tag bekamen die R&auml;uber Pr&uuml;gel, dass sie gestehen sollten, wo der Dreizehnte sei.
Indessen schlenderte Prinz Karl in den Stra&szlig;en umher. Und wie er einmal stille stand und besah seine Stiefel, merkte er, dass es mit den Sohlen nicht zum besten bestellt war. Nun hatte unweit davon ein Flickschuster seinen Laden. Der soll den Schaden wieder gut machen, dachte es bei sich und trat zu ihm in die Werkstatt herein. &quot;Meister Schuster&quot;, sagte er, &quot;hier ist ein Goldst&uuml;ck; geh hin und kauf gutes Leder ein und besohle mit die Stiefel.&quot; Der Altflicker nahm das Goldst&uuml;ck und lief, was er laufen mochte, denn solch vornehmen Herrn hatte er noch niemals zum Kunden gehabt. W&auml;hrend er fort war, zog Prinz Karl ein zweites Goldst&uuml;ck aus der Tasche und gab es der Frau, dass sie ein gutes Mittagessen besorge f&uuml;r drei Mann mit Braten und Wein. Da ging nun ein sch&ouml;nes Leben bei den Altflickersleuten an, der Meister besohlte mit neuem Leder, und die Frau briet und schmorte, bis sie nicht mehr wussten, wo sie waren, und trunken zu Bette gingen. Die Stiefel wurden auf diese Weise den ersten Tag nicht fertig, das nimmt kein Wunder, und am zweiten auch nicht, denn da trieben sie es nicht anders. Als sie aber endlich doch fertig waren, zog sie Prinz Karl auf seine F&uuml;&szlig;e, lobte den Meister wegen der guten Arbeit und sprach: &quot; Warum geht&#039;s ihm bei der guten Arbeit so schlecht?&quot; Antwortete der Altflicker: &quot;Ach lieber Herr, ich bin ein armer Mann und kann kein gutes Leder kaufen. Wer bei mir einmal besohlen lie&szlig;, der kam das zweite Mal nicht wieder. Und mit Goldst&uuml;cken bezahlt sonst niemand, da seid ihr der erste.&quot; - &quot;Wenn&#039;s ihm an Geld fehlt, so geh er doch in des Kaisers Schatzkammer&quot;, sagte Prinz Karl, &quot;da ist Gold und Silber wie Heu.&quot; - &quot;Ja, wer das d&uuml;rfte!&quot; sagte der Meister. &quot; Das ist nicht so schlimm&quot;, sprach Prinz Karl; und als es dunkel wurde, hie&szlig; er den Altflicker einen Sack auf den Buckel nehmen und ging mit ihm zum Schloss.
Sobald Prinz Karl das Gem&auml;uer mit der Rute ber&uuml;hrte, wich es auseinander, und sie hatten freien Gang, denn die Wachen waren schon wieder sorglos geworden und schnarchten um die Wette. Noch ein Schlag an die Eisent&uuml;r, und sie standen in der Schatzkammer, und der Schuster f&uuml;llte seinen Sack mit Gold, so schwer er nur irgend tragen konnte, und dann kehrten beide durch den Mauerritze in die Werkst&auml;tte zur&uuml;ck. Dem Schuster erging es aber nicht anders wie den R&auml;ubern. Als er viel Geld hatte, war es ihm nicht Geld genug, und er sprach zu seinem Gast: &quot;Wie ihr es macht, kann einer leicht zu Gelde kommen. Aber die Zeiten sind schlecht, und die Preise sind hoch, was meint ihr, wir gehen heute Abend noch einmal in die Schatzkammer.&quot; - &quot;Zum zweiten Mal ist&#039;s gef&auml;hrlich&quot;, warnte Prinz Karl. Aber da sich der Flickschuster nicht raten lie&szlig;, ging er mit ihm, und als sie an das alte Loch gekommen waren, kletterte der Schuster geschwind hinein. Doch er kam nicht weit, denn kaum hatte er die Beine auf der anderen Seite der Mauer, so griffen die Schildwachen, welche diesmal besser aufpassten, zu und zogen und zogen, damit sie ihn ganz hinein bek&auml;men. Prinz Karl hatte das wohl bemerkt, und da er den Meister nicht zu den Soldaten lassen wollte, zog er am Kopfende. Doch drinnen waren vier und drau&szlig;en nur einer. &quot;Verloren ist er doch&quot;, sprach Prinz Karl bei sich, und ratz! schnitt er ihm mit seinem langen Messen den Kopf ab, damit er wenigstens nicht noch sagen k&ouml;nnte, wo der dreizehnte R&auml;uber geblieben sei.]]></description>
        </item>
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            <title>Der Prinz als Meisterdieb 3</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10891&amp;goto=11082</link>
            <pubDate>Mon, 24 Oct 2011 18:24:37 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Den anderen Morgen war die Freude gro&szlig; im Schloss, denn sie glaubten allesamt, jetzt habe man den Dreizehnten erwischt. Als die Leiche aber dem R&auml;ubervater gezeigt wurde, sch&uuml;ttelte derselbe den Kopf und sagte: &quot;Das ist der Dreizehnte nicht, dies ist ein kleiner schm&auml;chtiger Kerl, aber unser Bruder war gro&szlig; und stark; er ist&#039;s gewesen, der diesem Mann den Kopf abschnitt.&quot; Um sein Leben zu retten, gab er dem Kaiser den Rat, er solle die Leiche, die F&uuml;&szlig;e nach vorn, auf einen Karren legen und zum Schindanger fahren lassen, aber im Umwege durch alle Stra&szlig;en der Stadt. Wer dann schreie bei dem Anblick der Leiche, der sei ein Verwandter des Gek&ouml;pften und k&ouml;nne wohl angeben, wo der Dreizehnte sei. Und so tat der Kaiser auch. W&auml;hrend nun Prinz Karl bei der Altflickerin in der Werkstatt sa&szlig; und erz&auml;hlte, wie ihrem Manne die Geldgier das Leben gekostet habe, und dabei flei&szlig;ig zu seinem Zeitvertreib mit Pechdraht und Nadel hantierte, f&uuml;hrte der Scharfrichter den Schinderkarren mit der Leiche des Meisters an dem Fenster vorbei. &quot;Du meines Lebens!&quot; schrie die Frau auf und fiel von einer Ohnmacht in die andere. Prinz Karl aber nicht faul und hieb sich das Schustereisen in das Knie, dass das Blut zur Erde floss. Als nun die Henkersknechte herbeikamen und Nachfrage hielten, weshalb die Frau so geschrien habe, wies er auf das str&ouml;mende Blut. Da waren die M&auml;nner zufrieden gestellt und zogen mit ihrem Karren weiter, aber den Dreizehnten fanden sie nicht. 
Prinz Karl &auml;rgerte sich jedoch, dass der Kaiser so scharf hinter ihm her war, und er beschloss, ihm einen Streich zu spielen. Das stellte er so an: Er nahm seine Kugel in den Mund und ging unsichtbar in das Schloss hinein, die Treppen hinauf, bis er in der Kaisers Zimmer gelangte. Dort lagen auf dem Tisch die Tagesbefehle, welche der Kaiser an der Feldmarschall und an der B&uuml;rgermeister zu schicken pflegte. Eins fix drei hatte Prinz Karl den ersten Brief erbrochen, und statt des Befehls, der darin stand, schrieb er hinein:  &quot;Weil die Soldaten gestern so gut exerziert und geschossen haben, sollen sie heute Mittag ein jeder zwei Pfund Fleisch zu essen bekommen&quot;, denn bei den Russen lagen dazumal alle Soldaten in B&uuml;rgerquartieren. In den anderen Brief aber schrieb er: &quot;Weil die Soldaten so schlechtes Gesindel sind und allesamt nichts taugen, sollen ihnen die B&uuml;rger heute Mittag nur trockene Kartoffeln vorsetzen.&quot; Dann versah er die falschen Briefe mit des Kaisers eigenem Siegel und ging wieder seine Wege zu der Schustersfrau.
Am Vormittag verlas der Feldmarschall den Soldaten und der B&uuml;rgermeister den B&uuml;rgern den Tagesbefehl; und die Soldaten freuten sich, dass sie so viel Fleisch bekommen sollten, und die B&uuml;rger freuten sich, dass sie heute kein Fleisch zu geben brauchten. Als nun aber die Soldaten m&uuml;de vom Dienst heimkamen und es nicht fanden, wie ihnen durch Tagesbefehl verhei&szlig;en war, wurden sie sehr zornig und schalten die B&uuml;rger Diebsgesindel und schlugen auf sie ein, und es war ein Heulen und Wehklagen in der Stadt, wie es noch niemals geh&ouml;rt worden war. Endlich lie&szlig; der Feldmarschall Generalmarsch schlagen und als die Trommeln gingen: 
Kam - er - ad -kum! 
Kam - er - ad -kum! 
Da mussten die Soldaten freilich vom Schlagen abstehen und zur Fahne eilen. Der Kaiser war sehr b&ouml;se, als er von der Sache h&ouml;rte, und konnte nicht begreifen, wie die falschen Befehle aus seinem Zimmer gekommen waren. Der R&auml;ubervater aber sagte zu ihm: &quot;Das ist niemand anders gewesen als der Dreizehnte; und wenn Ihr seiner nicht habhaft werdet, so bringe er noch Euch und das ganze Land ins Ungl&uuml;ck!&quot; Das sagte er aber nur, damit er alle Schuld auf den Prinzen Karl schieben m&ouml;chte und mit dem Leben davonk&auml;me. &quot; Wie soll ich ihn aber fangen?&quot; fragte der Kaiser. Da gab ihm der R&auml;ubervater folgenden Rat: &quot;Der Dreizehnte ist ein gro&szlig;en starker Mann und dabei noch jung an Jahren. Lasst alle jungen Leute zu Euch auf das Schloss kommen, dass sie mit der Prinzessin Galethee und mit den Hofdamen tanzen; und die Nacht &uuml;ber m&uuml;ssen sie in dem Saale bleiben und auf einer Streu schlafen. Wie ich den Dreizehnten kenne, wird er bei dem Feste nicht fehlen und in der Nacht Eure Tochter k&uuml;ssen. Dann muss ihm die Prinzessin mit schwarzer Farbe einen Strich auf die Wange malen, und am anderen Morgen k&ouml;nnt ihr sehen, wer Euch all das Unheil angerichtet hat.&quot;
Das ist ein guter Rat, dachte der Kaiser und tat, wie der R&auml;ubervater gesagt hatte. Alle jungen Leute wurden zu einem gro&szlig;en Feste aufs Schloss geladen und durften mit der Kaiserstochter und mit den Hofdamen tanzen, und Prinz Karl war wirklich mitten unter ihnen und tanzte flei&szlig;ig mit. Um Mitternacht war der Tanz zu Ende, und die T&auml;nzern wurde auf einer Streu gebettet; die Prinzessin aber bekam vom Kaiser ein T&ouml;pfchen mit Farbe in die Hand gedr&uuml;ckt, damit sollte sie demjenigen, der sie bei Nacht st&ouml;ren w&uuml;rde, einen Strich auf die Backe malen. - Und der R&auml;ubervater hatte sich nicht verrechnet. Als alles schlief, konnte Prinz Karl allein keinen Schlaf in die Augen bekommen. Die Kaiserstochter hatte es ihm angetan, und er stand auf und schlich in ihre Kammer und k&uuml;sste sie. Die Prinzessin gedachte des Gebotes, das ihr der Kaiser gegeben, und sie malte dem Manne einen schwarzen Strich auf die Backe. Dann drehte sie sich um und schlief ein. Prinz Karl aber war auf seiner Hut und hatte die List wohl gemerkt. Sobald die Prinzessin schlief, stahl er ihr das T&ouml;pfchen und malte mit der Farbe jedem Schl&auml;fer einen schwarzen Strich auf die Backe, vom Kaiser herab bis zum j&uuml;ngsten K&uuml;chenjungen.
Am anderen Morgen stand der Kaiser fr&uuml;h auf und ging in seiner Tochter Kammer. &quot;Aber Papa&quot;, sagte die Prinzessin, als sie die Augen aufschlug; und als der Kaiser nicht wusste, warum sie das sage, wies sie ihm den schwarzen Strich auf der Backe. Da lief der Kaiser in den Saal, und siehe, alle jungen M&auml;nner waren in derselben Weise gezeichnet. 
Jetzt wurde der Kaiser gar zornig und drohte, den R&auml;ubervater lebendig braten zu lassen, wenn er ihm nicht den Dreizehnten schaffe. &quot;Ich kann es nicht und wenn ich sterben muss&quot;; rief der Hauptmann, &quot;nur ein Mittel gibt&#039;s noch. Geh in den Saal und versprich dem, der Eure Tochter im Schlafe gek&uuml;sst und die falschen Tagesbefehle geschrieben hat, die Prinzessin Galethee zur Frau. Dann wird er sich wohl melden.&quot;
Anfangs wollte dieser Rat dem Kaiser gar nicht in den Kopf, endlich aber bedachte er sich, dass er dem Reich keinen Besseren hinterlassen k&ouml;nne als einen solch klugen Schwiegersohn. So ging er in der Saal zur&uuml;ck und sprach mit lauter Stimme: &quot;Wer gestern Nacht meine Tochter gek&uuml;sst  und den Spa&szlig; mit den Tagesbefehlen geschrieben hat, der melde sich, er soll mein Schwiegersohn werden.&quot; Aber siehe da, niemand meldete sich. Der Kaiser sprach’s zum zweiten Male, es half wiederum nicht. Da setzte er die goldene Kaiserkrone auf und warf den Purpurmantel um und schwur bei Krone und Zepter, er wolle halten, was er gesagt habe. Jetzt trat Prinz Karl vor und sagte: &quot;Ich bin der Dreizehnte, ich bin es gewesen.&quot; - &quot;Wie hei&szlig;t du denn?&quot; fragte der Kaiser verwundert. &quot;Prinz Karl von Pommern&quot;, gab er zur Antwort. &quot;Du bist Prinz Karl?&quot; rief der alte Kaiser voll Freuden, &quot;da solltest du ja schon l&auml;ngst meine Galethee zur Frau bekommen.&quot; - &quot;Davon stand nichts im Testament&quot;; antwortete Prinz Karl, &quot;den russischen Galgen sollte ich mir verdienen.&quot; - &quot;Ach, Schnack&quot;; sagte der Kaiser, &quot;das kam damals so, da hat sich dein Vater verschrieben! Das sollte hei&szlig;en: Prinz Karl soll die russische Galethee kriegen.&quot; Nun war die Freude gro&szlig;, und es wurde gleich Hochzeit gefeiert, und all die jungen M&auml;nner im Saale nahmen daran teil. Und wenn die Prinzessin dem Prinzen bei jedem Kuss, den er ihr an diesem Abend gab, einen schwarzen Strich ins Gesicht gemacht h&auml;tte, so w&auml;re er zuletzt so schwarz im Gesicht gewesen wie ein Schornsteinfeger. Die elf R&auml;uber aber und der alte Hauptmann wurden in Freiheit gesetzt, denn eigentlich war&#039;s ja nur Prinz Karl gewesen, der sie zu den schlimmen Dingen angestiftet hatte. 
Und was das beste an der ganzen Geschichte ist, es ging h&uuml;bsch alles ohne Blutvergie&szlig;en ab. Nur der Altflicker! Du mein Gott, ein Flickschuster, das spricht doch nicht mit, und dabei war er selbst ins Ungl&uuml;ck gerannt. W&auml;re er h&uuml;bsch zufrieden gewesen, so s&auml;&szlig;e er noch in seinem Laden und machte den Leuten die Stiefel. So aber f&uuml;hrte seine Frau ohne ihn das Gesch&auml;ft fort und heiratete sich einen h&uuml;bschen jungen Mann, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.
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        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 01</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10890&amp;goto=11081</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 17:06:49 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- die Meerjungfrau -


Jeden Abend fuhr der junge Fischer auf die See hinaus, um seine Netze ins das Wasser  auszuwerfen.

Immer wenn der Wind vom Land weg blies, fing er nichts, oder nur ganz wenig. Es war ein sehr widriger Wind, der auf schwarzen Wolken daher jagte. Auf dem Wasser stiegen hohe Wellenberge auf, um mit ihm zu toben.

Wenn der  Wind aber von der See her wehte, stiegen die Fische aus der Tiefe auf und schwammen in die Maschen seines Netzes und er konnte sie auf dem Marktplatz verkaufen.

Jeden Abend fuhr er auf die See hinaus und an einem Abend war sein Netz so schwer, dass er es kaum ins Boot ziehen konnte. Er lachte dazu und meinte:&quot; Sicher habe ich alle Fische der Gegend gefangen oder ein Monster, das zu uns Menschen b&ouml;se ist, vielleicht einige schreckliche Dinge ach dem Willen der gro&szlig;en K&ouml;nigin.&quot;

Er nahm alle seine Kr&auml;fte zusammen und zog an den rauen Leinen bis seine Adern auf den Armen hervortraten wie die Linien auf blauem  Email bei einer Bronzevase. Er zog und zog an den Leinen und immer n&auml;her kam der Kreis der Schwimmkorken, bis endlich das Netz an die Oberfl&auml;che des Wassers kam.

Aber darin war kein einiger Fisch, auch kein Ungeheuer oder eine Schreckensgestalt, sondern da war eine kleine Seejungfrau, die fest schlief.

Ihr Haar glich dem nassen goldenen Vlies und jedes einzelne Haar glich den  goldenen Linien in einem Glaspokal. Ihr K&ouml;rper war wie wei&szlig;es Elfenbein und ihr Schwanz waren Silber und Perlen. Ja, aus Silber und Perlen war ihr Schwanz und gr&uuml;ne Seealgen kr&auml;uselten sich darum. Wie Muscheln waren ihre Ohren und ihre Lippen glichen Seekorallen. Kalte Wellen sp&uuml;lten &uuml;ber ihre kalten Br&uuml;ste und auf ihren Augenlidern glitzerten Salzkristalle.

Den Jungen Fischer versetzte ihre Sch&ouml;nheit in Erstaunen als er sie sah, er streckte eine Hand aus und zog das Netz ganz nahe zu sich. Dann lehnte er sich &uuml;ber die Bordwand und schloss sie in seine Arme. Als er sie ber&uuml;hrte, schrie sie auf wie eine Seem&ouml;we. Sie erwachte und schaute mit schreckerf&uuml;llten dunkelvioletten Augen zu ihm auf. Sie wand sich hin und her und wollte ihm entfliehen. Aber er hielt sie ganz fest an sich gedr&uuml;ckt und wollte sie nicht weg lassen. 

Als sie sah, dass sie ihm nicht entkommen konnte begann sie zu weinen und sagte:&quot; Bitte, lass mich gehen, ich bin die einzige Tochter des K&ouml;nigs und mein Vater ist alt und alleine.&quot;

Der junge Fischer aber antwortete:&quot; Ich will dich nicht gehen lassen, ohne dass du mir versprichst, dass du kommst und f&uuml;r mich singst, wann immer ich dich rufe. Alle Fische h&ouml;ren den Gesang des Meervolkes gerne und so wird mein Netz immer voll sein.&quot;

&quot;Wirst Du mich dann auch wirklich gehen lassen, wen ich dir dies verspreche?&quot; rief die Meerjungfrau.


&quot;Ganz sicher werde ich dich gehen lassen,&quot; sagte der junge Fischer. 

So versprach sie ihm was er w&uuml;nschte und beschwor es mit dem Eid des Meervolkes. Er l&ouml;ste seine Arme von ihr und sie sank immer noch zitternd von Furcht ins Wasser hinab.

Jeden Abend fuhr nun der junge Fischer aufs Meer hinaus und rief die Meerjungfrau. Sie stieg aus den Fluten auf und sang f&uuml;r ihn. Um sie schwammen Delphine und wilde M&ouml;wen kreisten &uuml;ber ihrem Haupt.

Sie sang ein wunderbares Lied, sie sang von dem Meervolk, das seine Herden von H&ouml;hle zu H&ouml;hle f&uuml;hrte und die kleinen K&auml;lber auf den Schultern trugen. 

Sie sang von den Tritonen, die lange gr&uuml;ne B&auml;rte hatten und eine haarige Brust. Sie blasen auf ihren gedrehten Muschelh&ouml;rnern, wenn der K&ouml;nig vorbeizieht.
 
Sie sang von dem K&ouml;nigspalast, der ganz aus Bernstein gebaut ist mit einem Dach aus klarem Smaragd und der Boden ist auf schimmernden Perlen. 

Sie sang von den Meeresg&auml;rten, wo sich filigrane Korallenf&auml;cher den ganzen Tag lang wiegen und sich Fische wie Silberv&ouml;gel dazwischen tummeln. Seeanemonen haben sich an die Felsen geheftet, und Nelken wachsen aus dem gewellten gelben Sand. 

Sie sang von den gro&szlig;en Walen, die aus dem Eismeerder herunterkommen und scharfe Eiszapfen an ihren Flossen haben. 

Sie sang von den Sirenen, die solch wunderbare Geschichten erz&auml;hlen, dass vor&uuml;ber segelnde Kauflaute sich Wachs in ihre Ohren dr&uuml;cken, damit sie die Sirenen nicht h&ouml;ren k&ouml;nnen, sonst w&uuml;rden sie zu ihnen ins Wasser springen und ertrinken.

Sie sang von versunkenen Galeeren mit ihren hohen Masten, wo noch erfrorene Matrosen in der Takelage h&auml;ngen. Makrelen schwimmen durch die offenen Luken rein uns raus. Auch von den kleinen Muscheln, die wie gro&szlig;e Seefahrer sind und sich dazu an den Kiel der Schiffe heften und mit ihnen rund um die Welt reisen. 

Sie sang von den Kalamaren, die in den Klippen wohnen und ihre langen schwarzen Arme ausstrecken und wenn sie es wollen, k&ouml;nnen sie die Nacht heraufkommen lassen.

Sie sang von dem Nautilus, der sein eigenes Boot hat, das aus einem Opal geschnitzt ist und von einen seidenen Segel angetrieben wird.

Auch sang sie von den gl&uuml;cklichen Meerm&auml;nnern, die auf ihren Harfen spielen und die gro&szlig;en Kraken in den Schlaf singen k&ouml;nnen. Sie sang von kleinen Kindern, die sich die glatten T&uuml;mmler fangen und lachend auf deren R&uuml;cken reiten. 

Auch sang sie von Meerjungfrauen, die im wei&szlig;en Schaum liegen und ihre Arme zu den Matrosen ausstrecken, auch von Seel&ouml;wen mit ihren gebogenen Hauern und Seepferden mit ihren wehenden M&auml;hnen. 

Wenn sie sang, kamen alle Fische aus der Tiefe herauf um ihr zuzuh&ouml;ren. Der junge Fischer warf seine Netze aus und fing sie. Andere fing er mit seinem Fischspeer. Sobald sein Boot voll beladen war, l&auml;chelte ihm die Meerjungfrau zu und versank wieder in der See.

Sie kam jedoch ihm niemals mehr so nahe, das er sie h&auml;tte ber&uuml;hren k&ouml;nnen. Oft rief er und bat sie, aber sie wollte das nicht und wenn er in die N&auml;he kam, um sie zu greifen, tauchte sie wie ein Seehund ins Wasser hinab und an einem solchen Tag sah er sie niemals wieder. 

Mit jedem Tag schien ihre Stimmer s&uuml;&szlig;er in seinen Ohren zu klingen. Ihr Klang war dabei so lieblich, dass er oft seine Netze verga&szlig; und sich nicht um sein Gewerbe k&uuml;mmerte.

Mit roten Flossen und Augen wie getriebenes Gold kamen die Thunfische in Scharen herbei, aber er k&uuml;mmerte sich nicht um sie. Sein Fischspeer lag unbenutzt neben ihm und seine geflochtenen Weidenk&ouml;rbe blieben leer. 

Mit offenem Mund und vor Verwunderung gl&auml;nzenden Augen sa&szlig; er still in seinem Boot und h&ouml;rte und h&ouml;rte, bis die Wassernebel um ihn herum aufstiegen und der wandernde Mond seine braunen Glieder mit Silber &uuml;berzog.

An einem Abend rief er sie und sagte:&quot; Kleine Meerjungfrau, kleine Meerjungfrau, ich liebe dich! Nimm mich als deinen Br&auml;utigam , denn ich liebe dich so sehr.!&quot;

Aber die Meerjungfrau sch&uuml;ttelte nur ihr Haupt. &quot;Du hast eine menschliche Seele,&quot; antwortete sie, &quot;Nur wenn du deine Seele wegschicken w&uuml;rdest, dann k&ouml;nnte ich dich lieben!&quot;

Der junge Fischer sagte zu sich,&quot; wozu brauche ich denn meine Seele? Ich kann sie nicht sehen, ich kann sie nicht greifen, ich kenne sie &uuml;berhaupt nicht. Ich werde sie wegschicken und dann kommt eine gro&szlig;e Freude &uuml;ber mich.&quot; Und ein Freudenschrei brach aus seinem Mund und er stand in seinem bemalten Boot auf, streckte seine Arme nach der Meerjungfrau aus:&quot; Ich werde meine Seele wegschicken,&quot;rief er, &quot;und du sollst dann meine Braut sein und ich dein Br&auml;utigam, in der Tiefe der See werden wir zusammen wohnen und Du wirst mir alles zeigen, wovon du gesungen hast. Ich will alles tun was du w&uuml;nschst. Nie soll unser Leben getrennt sein.“

Die kleine Meerjungfrau verbarg ihr Gesicht in den H&auml;nden und lachte vor Freude.

&quot;Aber wie kann ich meine Seele loswerden?&quot; rief der junge Fischer, &quot;sag mir, was ich zu tun habe, das werde ich sofort machen.&quot;

&quot;Nun, das wei&szlig; ich nicht,&quot;sagte die kleine Meerjungfrau,&quot;das Meervolk hat eben keine Seelen.&quot; Danach schaute sie noch einmal zu ihm und sank wieder in die Tiefe.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 02</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10889&amp;goto=11080</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 17:04:35 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- Priester und Markt -


Fr&uuml;h am n&auml;chsten Morgen, noch ehe die Sonne eine Handbreit &uuml;ber dem H&uuml;gel stand, ging der junge Fischer zum Haus des Priesters und klopfte dreimal an seine T&uuml;r.

Der Novize schaute durch das T&uuml;rfensterchen und als er sah, wer da drau&szlig;en stand, zog er den Riegel zur&uuml;ck und sagte:&quot; Komm herein!&quot;

Der junge Fischer ging an ihm vorbei und kniete auf dem s&uuml;&szlig; duftenden Binsenteppich auf dem Boden und sprach den Priester an, der in der Bibel las.  Er sagte zu ihm:&quot; Vater, ich liebe eine aus dem Meervolk, aber meine Seele behindert mein Verlangen. Sage mir, wie kann ich meine Seele von mir wegschicken, denn wahrlich, ich brauche sie nicht. Welchen Wert hat sie denn? Ich kann sie nicht sehen, nicht ber&uuml;hren und ich kenne sie gar nicht.&quot;

Der Priester schlug an seine Brust und rief aus:&quot; Wehe, wehe, bist du denn toll? Oder hast du ein vergiftetes Kraut gegessen? Die Seele ist der edelste Teil des Menschen und wurde uns von Gott gegeben, dass wir sie in der edelsten Weise gebrauchen. Es gibt nichts wertvolleres als die menschliche Seele. Sie kann   mit keiner irdischen Sache aufgewogen werden. Sie ist wertvoller als alles Gold der Welt und noch wertvoller als die Rubine der K&ouml;nige. Deshalb mein Sohn, denke nicht mehr an solche Dinge, es ist eine S&uuml;nde, die nicht vergeben werden kann. Was das Meervolk betrifft, sie sind verloren. Auch alle, die mit ihnen Umgang haben, sind ebenso verloren. Die Meerleute sind wie die Tiere auf dem Felde, die nicht gut und b&ouml;se unterscheiden k&ouml;nnen und f&uuml;r die unser Herr nicht gestorben ist.“ 

Die Augen des jungen Fischers f&uuml;llten sich mit Tr&auml;nen, als er die bitteren Worte des Priesters h&ouml;rte. Er erhob sich von den Knien und sagte zu ihm:&quot;Vater, die Faune leben in den W&auml;ldern, und sie sind gl&uuml;cklich. Die Meerm&auml;nner sitzen auf den Steinen am Ufer mit ihren Harfen aus rotem Gold. Ich bitte dich, lass mich wie sie sein, denn ihre Tage sind Tage der Blumen. Was n&uuml;tzt mir meine Seele, wenn sie zwischen mir und dem Gesch&ouml;pf meiner Liebe steht?&quot;

&quot;Die k&ouml;rperliche Liebe ist sch&auml;ndlich,&quot; schrie der Priester und runzelte seine Augenbrauen, „sch&auml;ndlich und vom Teufel ist alles, was heidnisch ist, auch wenn Gott es zul&auml;sst, dass es durch seine Welt wandert. Verflucht sind die Faune in den W&auml;ldern und verflucht sind die S&auml;nger des Meeres. Ich habe sie in der Nacht geh&ouml;rt und sie haben versucht, mich von meinen Gebeten abzulenken. Sie klopften an mein Fenster und lachten. Dann fl&uuml;sterten sie in meine Ohren Geschichten ihrer verwegenen Freuden. Sie f&uuml;hrten mich in tausend Versuchungen und wenn ich beten wollte, schnitten sie Fratzen. Sie sind verloren, sage ich dir, sie sind f&uuml;r immer verloren. F&uuml;r sie gibt es weder Himmel noch H&ouml;lle und an keinem dieser Pl&auml;tze werden sie Gottes Namen preisen!&quot; 

&quot;Vater,&quot; rief da der junge Fischer,&quot; Du wei&szlig;t nicht, wovon du redest. Einmal fing ich in meinem Netz die Tochter des Meerk&ouml;nigs. Sie ist sch&ouml;ner als der Morgenstern und heller als der Mond. F&uuml;r ihren K&ouml;rper w&uuml;rde ich meine Seele geben und f&uuml;r ihre Liebe auf den Himmel verzichten. Sage mir, wonach ich dich gefragt habe und lass mich dann in Frieden gehen.&quot;

&quot;Hinweg mit dir, hinweg,&quot; schrie der Priester,&quot; Deine Buhle ist verloren und du wirst mit ihr verloren sein.&quot; Er gab ihm keinen Segen, sondern trieb ihn von seiner T&uuml;r weg.

Der junge Fischer ging hinunter zum Marktplatz, er wanderte langsam mit h&auml;ngendem Kopf, wie einer, der sehr voller Sorgen ist.

Als die Kaufleute ihn kommen sahen, raunten sie einander etwas zu. Einer von ihnen rief ihn beim Namen und fragte:&quot; Was hast Du zu verkaufen?&quot;

&quot;Ich will dir meine Seele verkaufen,&quot; antwortete er,&quot; bitte nimm sie weg, denn sie ist mit l&auml;stig.  Wozu ist sie mir denn n&uuml;tzlich? Ich kann sie nicht sehen nicht anfassen, ich kenne sie nicht!&quot;

Doch die Kaufleute verspotteten ihn und sagten:&quot; Was n&uuml;tzt uns die Seele eines Menschen? Sie ist nicht einmal eine beschnittene Silberm&uuml;nze wert. Verkaufe uns deinen K&ouml;rper als Sklave, wir werden dich in Seepurpur kleiden und einen Ring an deinen Finger stecken und werden dich zum Liebling der gro&szlig;en K&ouml;nigin machen. Aber rede nicht von deiner Seele, die hat f&uuml;r uns keinen Wert und n&uuml;tzt nichts.&quot;

Der junge Fischer sagte zu sich selbst:&quot; Was ist das f&uuml;r eine seltsame Sache! Der Priester sagte mir, dass die Seele mehr wert ist als alles Gold der Welt und die Kaufleute behaupten, sie sei nicht einmal eine beschnittene Silberm&uuml;nze wert.&quot; Er verlie&szlig; den Marktplatz wieder und ging zum Ufer hinunter und gr&uuml;belte, was jetzt zu tun sei.

Gegen Mittag erinnerte er sich, wie einer seiner Kameraden , der Seefenchel sammelte, von einer jungen Hexe erz&auml;hlt hatte, die in einer H&ouml;hle am Ende der Bucht wohnte und die in ihren Hexenk&uuml;nsten sehr erfahren war. Er machte sich sofort auf und begann sogar zu laufen, so begierig war er, endlich seine Seele los zu werden.  Eine Staubwolke wirbelte auf, als er durch den Sand am Ufer rannte. 
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 03</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10888&amp;goto=11079</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 17:02:59 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- bei der Hexe -


Durch das Jucken ihrer Handfl&auml;chen erfuhr die Hexe schon von seinem Kommen, sie lachte und lie&szlig; ihr rotes Haar fliegen. W&auml;hrend es sich um sie legte, stand sie am Eingang ihrer H&ouml;hle. In der Hand hielt sie einen bl&uuml;henden Zweig von wildem Schierling.

&quot;Was willst du? Was willst du?&quot; rief sie, als er den steilen Hang heraufkam und sich vor ihr verbeugte. &quot;willst du Fische f&uuml;r Dein Netz, wenn der Wind nicht g&uuml;nstig ist?  Ich habe eine kleine Weidenpfeife, wenn ich darauf blase, kommen die Meer&auml;schen in die Bucht geschwommen. Aber sie hat ihren Preis, h&uuml;bscher Junge, sie hat ihren Preis. 
Was willst Du, was willst Du? Einen Sturm, der die Schiffe zerst&ouml;rt und Kisten voll Reicht&uuml;mer ans Ufer sp&uuml;lt? Ich habe mehr St&uuml;rme als der Wind sie hat, denn ich diene jemanden, der st&auml;rker ist als der Sturm. Mit einem Ketscher und einem Sch&ouml;pfk&uuml;bel kannich gro&szlig;e Galeeren auf den Grund des Meeres schicken. Aber das hat seinen Preis, h&uuml;bsche Junge, das hat seinen Preis! 
Was ist also dein Begehr? Was ist dein Begehr? Ich wei&szlig; eine Blume, die im Tal w&auml;chst, niemand kennt sie au&szlig;er mir. Sie hat purpurrote Bl&auml;tter und einen Stern im Herzen, Ihr Saft ist wei&szlig; wie Milch. Wenn du mit dieser Blume die harten Lippen der K&ouml;nigin ber&uuml;hrst, w&uuml;rde sie dir &uuml;berall hin in der Welt folgen. Sie w&uuml;rde sogar aus dem Bett des K&ouml;nigs steigen und mit dir durch die ganze Welt ziehen. Das hat seinen Preis, sch&ouml;ner Knabe, das hat seinen Preis.
Was ist also dein Begehr, sch&ouml;ner Knabe, was ist dein Begehr? Ich kann eine Kr&ouml;te im M&ouml;rser zerstampfen und eine Tinktur daraus pressen und die mit eines Toten Hand r&uuml;hren. Benetze damit deinen Feind, wenn er schl&auml;ft und er wird sich in eine schwarze Viper verwandeln und seine eigene Mutter wird ihn erschlagen. Mit einem Rad kann ich den Mond vom Himmel ziehen und in einer Glaskugel kann ich Dir den Tod zeigen.
Was ist also dein Begehr, sch&ouml;ner Knabe, was ist dein Begehr? Sage  mir deine W&uuml;nsche, ich werde sie dir erf&uuml;llen und du wirst mir einen Preis daf&uuml;r zahlen, sch&ouml;ner Knabe, du wirst mir einen Preis daf&uuml;r zahlen.&quot;

&quot;Mein Wunsch ist nur eine ganz kleine Sache,&quot; sagte der junge Fischer,&quot; der Priester hat mir deswegen gez&uuml;rnt und mich davon gejagt. Es ist nur ein kleine Sache, die Kaufleute haben mich deswegen ausgelacht und weggeschickt. Deshalb komme ich zu dir, obgleich die Menschen sagen, du w&auml;rst des Teufels. Und ich werde zahlen, was immer der Preis sei.&quot;

&quot;Was willst Du?&quot; fragte die Hexe und kam n&auml;her.

&quot;Ich will meine Seele von mir wegschicken,&quot; antwortete der junge Fischer.

Die Hexe wurde blass und ihr schauderte. Sie versteckte ihr Gesicht in ihrem blauen Mantel. &quot;H&uuml;bscher Junge, h&uuml;bscher Junge,&quot;  stammelte sie,&quot; das zu tun ist ein schreckliches Ding.
 
Er sch&uuml;ttelte seine braunen Locken und lachte. &quot;Meine Seele ist unn&uuml;tz f&uuml;r mich. Ich kann sie nicht sehen, ich kann sie nicht anfassen, ich kenne sie gar nicht.&quot;

&quot;Was wirst du mir geben, wenn ich dir das sage?&quot; fragte die Hexe und schaute ihn aus ihren sch&ouml;nen Augen an.

&quot; F&uuml;nf Goldst&uuml;cke,&quot; sagte er,&quot;dazu mein Netz, mein Haus aus Flechtwerk, wo ich lebe, und mein bemaltes Boot, in dem ich auf Wasser fahre. Nur sage mir, wie ich meine  Seele loswerden kann und ich will dir alles geben, was ich besitze&quot;

Sie lachte ihn aus und schlug mit ihrem Schierlingszweig nach ihm. &quot;Ich kann im Herbst die Bl&auml;tter in Gold verwandeln,&quot; antwortete sie, &quot;ich kann die Mondstrahlen in Silber verwandeln, wenn ich das will. Der, dem ich diene, ist reicher als alle K&ouml;nige der Welt und er herrscht &uuml;ber ihre L&auml;ndereien.&quot;

&quot;Aber was soll ich dir dann geben,&quot; rief er aus,&quot;wenn dein Preis weder 
Gold noch Silber ist?&quot;

Die Hexe strich mit ihrer zarten wei&szlig;en Hand &uuml;ber ihr Haar. &quot;Du sollst mit mir tanzen, h&uuml;bsche Junge!&quot; sagte sie leise und lachte ihn an, w&auml;hrend sie sprach. 
 

&quot;Nichts als das?&quot; rief der junge Fische verwundert aus und stand wieder auf.

&quot;Nichts als das!&quot; antwortete sie und l&auml;chelte ihn dabei an.

&quot;Bei Sonnenuntergang werden wir zusammen an einem geheimen Ort tanzen,&quot; sagte er,&quot; und nach dem Tanz wirst du mir sagen, was ich wissen will.&quot;

Sie sch&uuml;ttelte den Kopf. &quot;Wenn der Mond voll ist, wenn der Mond voll ist,&quot; murmelte sie. Dann sp&auml;hte sie in die Runde und horchte. Ein blauer Vogel flog schreiend von seinem Nest auf und kreiste &uuml;ber die D&uuml;nen, drei gesprenkelte V&ouml;gel raschelten durch das harte graue Gras und pfiffen einander zu. Dann war nichts mehr zu h&ouml;ren au&szlig;er dem Ger&auml;usch einer Welle, die unten zwischen den Kieseln hindurch lief. Sie streckte ihre Hand aus und zog ihn nahe zu sich und legte ihre trockenen Lippen nahe an sein Ohr.

&quot;Heute Nacht musst du auf den Gipfel des Berges kommen,&quot; fl&uuml;sterte sie, &quot; Es ist Sabbat und er wird da sein.&quot;

Der junge Fischer fuhr zur&uuml;ck und sah sie an, sie zeigte ihre wei&szlig;en Z&auml;hne und lachte. &quot;Wer ist Er, von dem du sprachst?&quot; fragte er.

&quot;Das tut nichts zur Sache,&quot; antwortete sie, &quot;komme heute Nacht und stelle dich unter die Zweige der Wei&szlig;buche und warte auf mich. Wenn ein schwarzer Hund auf dich zul&auml;uft, dann schlage ihn mit einer Weidenrute, dann wird er weggehen. Wenn eine Eule dich anspricht, so gebe ihr keine Antwort.  Wenn der Mond voll ist, werde ich bei dir sein und wir werden zusammen auf dem Rasen tanzen.&quot;

&quot;Schw&ouml;rst du, dass du mir dann sagt, wie ich meine Seele von mir wegschicken kann?&quot; fragte er.

Sie ging hinaus in den hellen Sonnenschein und durch ihre roten Haare blies der Wind. &quot;Bei den Hufen der Gei&szlig; schw&ouml;re ich es dir!&quot; war ihre Antwort. 

&quot;Du bist die beste aller Hexen,&quot; rief der junge Fischer aus,&quot; und ich werde ganz bestimmt heute Nacht mit dir auf dem Gipfel des Berges tanzen. Es w&auml;re mir wohl lieber gewesen, du h&auml;ttest Gold oder Silber von mir verlangt. Aber du sollst den Preis haben, auch wenn er mir gering scheint.&quot; Er zog seine M&uuml;tze vor ihr und beugte tief sein Haupt. Dann rannte er voller Freude in die Stadt zur&uuml;ck.

Die Hexe sah ihm nach wie er so ging, und als er au&szlig;er Sichtweite war, ging sie wieder in ihre H&ouml;hle. Sie nahm einen Spiegel aus einem geschnitzten Zedernholzk&auml;stchen, setzte ihn in einen Rahmen, verbrannte Eisenkraut auf gl&uuml;henden Kohlen vor ihm und sp&auml;hte durch den kr&auml;uselnden Rauch. Nach einer Weile sch&uuml;ttelte sie zornig ihre H&auml;nde. &quot;Er h&auml;tte mein sein m&uuml;ssen,&quot; murmelte sie,&quot; ich bin genau so sch&ouml;n wie sie!&quot;

Als am Abend der Mond aufgegangen war, stieg der junge Fischer auf den Gipfel des Berges und stand unter den &Auml;sten der Wei&szlig;buche. Wie ein Schild aus poliertem Metall lag die Bucht des Meeres zu seinen F&uuml;&szlig;en und die Schatten der kleinen Fischerboote bewegten sich &uuml;ber dem Wasser. Eine gro&szlig;e Eule mit schwefelgelben Augen rief ihn beim Namen, aber er antwortete nicht. Ein schwarzer Hund rannte auf ihn zu und knurrte. Er schlug ihn mit einer Weidenrute und das Tier lief winselnd davon.

Zu Mitternacht kamen Hexen wie Flederm&auml;use durch die Luft geflogen. &quot;Pfui,&quot; riefen sie, als sie auf dem Boden landeten, &quot;hier ist jemand, den wir nicht kennen!&quot; Sie schn&uuml;ffelten herum, schwatzten miteinander und gaben sich Zeichen. 

Als letzte von allen kam die junge Hexe mit ihren roten im Wind wehenden Haaren. Sie trug ein aus Gold gewebtes mit Pfauenaugen besticktes Kleid und hatte eine kleine Kappe aus gr&uuml;nem Samt auf dem Kopf.

&quot;Wo ist er? Wo ist er?&quot; kreischten die Hexen, als sie die junge Hexe sahen. Sie aber lachte nur und lief zu der Wei&szlig;buche. Sie nahm den jungen Fischer bei der Hand und f&uuml;hrte ihn in das Mondlicht hinaus und begann zu tanzen.

Sie wirbelten rund herum, und die junge Hexe sprang so hoch, das der Fischer die scharlachroten Haken ihrer Schuhe sehen konnte. Dann war mitten unter den Tanzenden der Laut eines galoppierenden Pferdes zu h&ouml;ren. Zu sehen war gar nichts, er f&uuml;rchtete sich.

&quot;Schneller!&quot; kreischte die Hexe und legte ihre Arme um seinen Hals und ihr Atem streife hei&szlig; sein Gesicht. &quot;Schneller, schneller!&quot; kreischte sie und die Erde schien sich unter seinen F&uuml;&szlig;en zu drehen, sein Verstand verwirrte sich und ein gro&szlig;er Schrecken kam &uuml;ber ihn, als ob ein teuflisches Wesen ihn belauere. Schlie&szlig;lich sah er, dass unter dem Schatten eines Felsens eine Gestalt stand, die er vorher noch nicht gesehen hatte..

Es war ein Mann, der einen schwarzen Samtanzug nach der spanischen Mode trug. Sein Gesicht war seltsam blass, aber seine Lippen glichen einer stolzen roten Blume. Er schien m&uuml;de. Er lehnte sich zur&uuml;ck und spielte abwesend mit dem Knauf seines Dolches. Neben ihm im Gras lag sein Federhut und ein Paar mit Perlen in einem seltsamen Muster bestickte Reithandschuhe. Ein kurzer mit Zobel gef&uuml;tterter Umhang hing von seiner Schulter und Ringe schm&uuml;ckten die feinen wei&szlig;en H&auml;nde. Schwere Augenlider senkten sich &uuml;ber seine Augen. Wie von einem Zauber umfangen beobachtete ihn der junge Fischer. Wo er auch immer tanzte, glaube er die Augen des Mannes auf sich gerichtet. Schlie&szlig;lich begegneten sich ihre Blicke. Er h&ouml;rte die Hexe lachen, und er fasste sie um die Taille und wirbelte sie wie toll im Kreise.  

Pl&ouml;tzlich bellte ein Hund im Wald, die T&auml;nzer hielten in ihrem Tanz inne und gingen hinaus, immer zwei und zwei und k&uuml;ssten die H&auml;nde des Mannes. Da flog in leichtes l&auml;cheln um dessen Lippen, wie ein Vogelfl&uuml;gel die Wasseroberfl&auml;che ber&uuml;hrt und es l&auml;cheln macht. Aber hier lag eine gewisse Missachtung darin. Der Mann schaute unverwandt auf den jungen Fischer.

&quot;Komm, wir wollen ihn anbeten,&quot; fl&uuml;sterte die Hexe und f&uuml;hrte ihn hinauf.  Ein gro&szlig;es Verlangen kam &uuml;ber ihn, zu tun, was sie von ihm verlangte. So folgte er ihr. Als sie ganz nahe waren, schlug er ohne zu wissen warum ein Kreuzzeichen &uuml;ber seiner Brust und rief den heligen Namen an.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 04</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10887&amp;goto=11078</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 17:01:15 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- Abschied von der Seele -


Doch kaum hatte er dies getan, da schrien die Hexen auf wie Habichte und sie flohen hinweg. Das bleiche Gesicht dessen, der in beobachte hatte, verzog sich wie in einem Krampf. Der Mann ging hin&uuml;ber in das kleine W&auml;ldchen und pfiff. Ein kleines Pferd mit silbernem Zaumzeug rannte auf ihn zu. Als er sich in den Sattel schwang, drehte er sich um und schaute sehr traurig nach dem jungen Fischer.

Auch die Hexe mit den roten Haaren versuchte weg zu fliegen, aber der junge Fischer fasste sie bei den Armen und hielt sie fest. 

&quot;Lass mich los!&quot; schrie sie, &quot;lass mich gehen. Du hast hier den Namen genannt, der nie genannt werden darf und ein Zeichen gezeigt, das nie gezeigt werden darf!&quot;

&quot;Nein,&quot; sagte er,&quot;ich werde dich nicht gehen lassen, ehe du mir nicht das Geheimnis gesagt hast.&quot; 

&quot;Welches Geheimnis?&quot; fragte die Hexe, w&auml;hrend sie mit ihm rang und sich auf die schaumbedeckten Lippen biss.

&quot;Das wei&szlig;t du,&quot; gab er zur Antwort.

Tr&auml;nen verschleierten ihre grasgr&uuml;nen Augen und sie sagte zu dem Fischer, &quot;frage mich nach allem, nur nicht danach. &quot;

Er lachte und hielt sie nur noch fester.

Als sie sah, dass sie nicht loskommen konnte, fl&uuml;sterte sie ihm zu: &quot;Bin ich denn nicht genau so sch&ouml;n wie die T&ouml;chter der See und bin ich nicht ebenso anmutig wie jene, die sich im blauen Wasser wiegen?&quot; Sie schmiegte sich an ihn und legte ihr Gesicht ganz nahe an das seine.

Er aber stie&szlig; sie mit finsterer Mine zur&uuml;ck und sagte:&quot; Wenn du dein Versprechen nicht h&auml;ltst, das du mir gegeben hast, werde ich dich als eine falsche Hexe erschlagen.“ 

Sie wurde fahl wie die Bl&uuml;te des Judasbaumes und erschauderte:&quot; Dann soll es sein,&quot; murmelte sie, &quot;es ist deine Seele und nicht meine, mache mit ihr was du willst.&quot; Sie zog aus ihrem G&uuml;rtel ein kleines Messer, dessen Griff mit gr&uuml;ner Vipernhaut &uuml;berzogen war und gab es ihm.

&quot;Wozu soll mir das n&uuml;tzen?&quot; fragte er verwundert.

F&uuml;r eine kurze Weile war sie still, das Entsetzen war ihr ins Gesicht geschrieben. Dann strich sie sich das Haar aus der Stirn und sagte ihm mit einem seltsamen L&auml;cheln:&quot; Was ihr Menschen den Schatten Eures K&ouml;rpers nennt, das ist nicht nur euer Schatten, das ist der K&ouml;rper eurer Seele. Stelle Dich mit dem R&uuml;cken zum Mond ans Ufer der See und schneide deinen Schatten, der ja der K&ouml;rper deiner Seele ist, um die F&uuml;&szlig;e herum ab. Befehle dann deiner Seele dich zu verlassen, so wird sie es tun.

Der junge Fischer zitterte. &quot;Ist das auch wirklich wahr?&quot; murmelte er.

&quot;Nat&uuml;rlich ist das wahr und ich wollte, ich h&auml;tte dir nie davon erz&auml;hlt!&quot; schrie sie und umfasste weinend seine Knie.

Er stie&szlig; sie von sich und lie&szlig; sie im Gras liegen.  Er steckte das Messer in seinen G&uuml;rtel und begann den Berg wieder hinabzusteigen.

Und seine Seele, die ja in ihm war, schrie laut und sagte zu ihm:&quot; H&ouml;re, ich habe mit dir die ganzen Jahre gelebt und war dein Diener. Schicke mich jetzt nicht von dir weg, was habe ich dir denn b&ouml;ses getan?&quot;

Der junge Fischer lachte &quot;Du hast mir nichts B&ouml;ses getan, aber ich habe auch keinen Nutzen von Dir,&quot; antwortete er,&quot; die Welt ist gro&szlig; und Himmel und H&ouml;lle sind &uuml;berall und genauso das Haus der D&auml;mmerung dazwischen. Gehe, wohin du willst, aber st&ouml;re mich nicht weiter, denn meine Liebe ruft mich!&quot;

Seine Seele flehte und jammerte, aber er h&ouml;rte nicht auf sie. Er sprang so sicher wie eine wilde Ziege von Stein zu Stein. Schlie&szlig;lich erreichte er die Ebene wieder und das gelbe Seeufer.

Wohlgestaltet und braun stand er wie eine griechische Statue im Sand mit dem R&uuml;cken zum Mond, aus dem Schaum des Meeres tauchten wei&szlig;e Arme auf und winkten ihm und aus den Wellen erhoben sich seltsame Gestalten und huldigten ihm. Vor ihm lag sein Schatten, der ja der K&ouml;rper seiner Seele ist und hinter ihm hing die Mondscheibe an dem honigfarbenen Himmel.

Seine Seele sagte zu ihm.&quot; Wenn du mich wirklich fortschicken musst, so lass mich nicht gehen ohne Herz. Die Welt ist grausam, gibt mit dein Herz mit.&quot;

Er sch&uuml;ttelte den Kopf und lachte: &quot;Womit sollte ich dann meine Liebste lieben, wenn ich dir mein Herz g&auml;be?&quot; rief er aus.

&quot;Sein barmherzig,&quot; bettelte die Seele, &quot;Gib mir dein Herz, denn die Welt ist sehr grausam und ich f&uuml;rchte mich.&quot;

&quot;Mein Herz geh&ouml;rt meiner Liebsten,&quot; antwortete er, &quot;also z&ouml;gere nicht und gehe deiner Wege.&quot;

&quot;Aber darf ich denn nicht auch lieben?&quot; fragte seine Seele.

&quot;Scher dich fort, ich brauche dich nicht mehr!&quot; schrie der junge Fischer und er nahm das kleine Messer mit dem Griff aus gr&uuml;ner Vipernhaut und schnitt seinen Schatten rund um seine F&uuml;&szlig;e ab. Dieser erhob sich, stand vor ihm und schaute ihn an und er sah genau so aus wie er selbst.

Er wich zur&uuml;ck und steckte das Messer in seinen G&uuml;rtel zur&uuml;ck. Das Gef&uuml;hl einer heiligen Scheu &uuml;berkam ihn. &quot;Gehe endlich weg,&quot; murmelte er, &quot;und lass dich nie mehr wieder sehen.&quot;

&quot;Nein, wir m&uuml;ssen uns wieder treffen,&quot;sagte die Seele mit einer leisen fl&ouml;tengleichen Stimme und w&auml;hrend sie sprach bewegte sie kaum ihre Lippen.

&quot;Wie sollen wir uns den treffen,&quot; schrie der junge Fischer,&quot; Du wirst mir doch nicht in die Tiefe der See folgen?&quot;

&quot;Einmal im Jahr werde ich an diesen Platz kommen und dich rufen,&quot; sagte die Seele, &quot;es kann sein, dass du mich dann n&ouml;tig hast.&quot;

&quot;Wozu sollte ich dich n&ouml;tig haben,&quot; schrie der junge Fischer,&quot; aber es soll sein, wie du willst.&quot; Damit sprang er ins Wasser und die Tritonen bliesen ihre H&ouml;rner und die kleine Meerjungfrau stieg herauf, um ihn zu empfangen. Sie legte ihre Arme um seinen Hals und k&uuml;sste ihn auf den Mund.


Die Seele stand einsam am Ufer und schaute ihnen zu. Als sie im Wasser untergetaucht waren, ging sie weinend &uuml;ber die Marschen hinweg.
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 05</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10886&amp;goto=11077</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:59:31 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- bei den Tartaren -


Als ein Jahr vergangen war, kam die Seele herunter ans Ufer der See und rief den jungen Fischer. Er stieg aus der Tiefe empor und sagte:&quot; Warum rufst du mich?&quot;

Die Seele antwortete: &quot;Komm n&auml;her, dass ich mit dir sprechen kann, denn ich habe wunderbare Dinge gesehen.&quot;

Er kam n&auml;her, streckte sich im flachen Wasser aus, lehnte sein Haupt auf seine Hand und h&ouml;rte zu.

Und die Seele erz&auml;hlte:&quot; Als ich dich verlie&szlig;, wandte ich mich nach Osten und begann meine Reise. Vom Osten kommt alles, was klug und weise ist. Sechs Tage wanderte ich und am Morgen des siebten Tages kam ich zu einem H&uuml;gel im Lande der Tartaren. Ich setzte mich in den Schatten eines Tamariskenbaumes, um mich vor der Sonne zu sch&uuml;tzen. Der Boden war ausgetrocknet und von der Hitze verbrannt. Menschen liefen da &uuml;ber die Ebene wie Fliegen auf einer polierten Kupferscheibe.

Zur Mittagszeit stieg eine Wolke roten Staubes am Horizont des Landes auf. Als die Tartaren sie sahen, spannten sie ihre bemalten Bogen, sprangen auf ihre kleinen Ponies und galoppierten los, um sie zu treffen. Die Frauen flohen kreischend zu ihren Wagen und versteckten sich hinter den dichten Vorh&auml;ngen aus Filz.

In der D&auml;mmerung kehrten die Tataren zur&uuml;ck, aber f&uuml;nf von ihnen fehlten und von denen die zur&uuml;ckkehrten, waren nicht wenige verwundet. 
Sie spannten ihre Pferd vor die Wagen und fuhren in Eile davon. Drei Schakale kamen aus ihrer H&ouml;hle und schauten ihnen nach. Dann witterten sie in der Luft und trotteten in die entgegengesetzte Richtung.

Als der Mond aufging, sah ich in der Ebene ein Lagerfeuer brennen und ging darauf zu. Eine Gruppe von Kaufleute sa&szlig;en auf ihren Teppichen darum. Ihre Kamele waren hinter ihnen angebunden und Neger, welche ihre Sklaven waren schlugen im Sand Zelte aus gegerbten Fellen auf und errichteten einen hohen Wall aus Feigendisteln.

Als ich n&auml;her kam, stand der Anf&uuml;hrer der Kaufleute auf und zog sein Schwert. Er fragte mich, was meine Gesch&auml;fte w&auml;ren.

Ich antwortete, dass ich zuhause in meinem Land ein Prinz sei und dass ich vor den Tartaren gefl&uuml;chtet w&auml;re, die mich zu ihrem Sklaven machen wollten. Der Anf&uuml;hrer lachte und zeigte mir f&uuml;nf K&ouml;pfe, die auf langen Bambusstangen gespie&szlig;t waren.

Er fragte mich weiter, wer Gottes Prophet sei und ich antwortete Mohammed. 

Als er den Namen dieses falschen Propheten h&ouml;rte, verbeugte er sich, nahm mich bei der Hand und bot mir einen Platz an einer Seite an. Ein Sklave brachte mir in einer h&ouml;lzernen Schale Stutenmilch und ein St&uuml;ck ger&ouml;stetes Lammfleisch.

Bei Tagesanbruch starteten wir unsere Reise wieder. Ich ritt auf einen rothaarigen Kamel an der Seite des F&uuml;hrers und ein L&auml;ufer mit einem Speer ging uns voran. Auf beiden Seiten ritten Krieger und hinter uns folgen die Maultiere mit den Handelswaren. Es gab vierzig Kamele in dieser Karawane und Maultiere waren es zweimal vierzig an der Zahl.

Wir zogen von dem Land der Tartaren in das Land derer, die den Mond verehren. Wir sahen, wie Greife auf wei&szlig;en Felsen ihr Gold bewachten und schuppige Drachen, die in ihren H&ouml;hlen schliefen. Als wir &uuml;ber den Gebirgspass kamen, hielten wir den Atem an, damit die Schneemassen nicht auf uns st&uuml;rzen m&ouml;gen. Jedermann band sich einen Gazeschleier &uuml;ber die Augen. Als wir dann durch die T&auml;ler zogen, schossen die Pygm&auml;en aus ihre Baumh&ouml;hlen heraus Pfeile auf uns. Zur Nachtzeit h&ouml;rten wir die Wilden ihre Trommeln schlagen. Als wir zum Turm der Affen kamen, legten wir Fr&uuml;chte vor ihnen nieder und so taten sie uns nichts zu Leide. Beim Turm der Schlangen  gaben wir ihnen warme Milch in Messingsch&uuml;sseln und  sie lie&szlig;en uns passieren. Drei Mal auf unserer Reise kamen wir an die Ufer des Oxus.  Wir &uuml;berquerten ihn auf gro&szlig;en Fl&ouml;&szlig;e aus Holz und gro&szlig;en Schwimmblasen aus Tierh&auml;uten. Flusspferde griffen uns dabei an und versuchten uns zu t&ouml;ten. Die Kamele zitterten bei deren Anblick.

Die K&ouml;nige von jeder Stadt verlangten Abgaben von uns, aber sie lie&szlig;en uns nicht durch ihre Tore. Sie warfen uns Brot &uuml;ber die Mauer, kleine in Honig gebackene Kuchen und mit Datteln gef&uuml;llte Kuchen aus feinem Mehl. Wir gaben ihnen eine Bernsteinperle f&uuml;r je hundert K&ouml;rbe.

Als uns die Bewohner der D&ouml;rfer kommen sahen, vergifteten sie die Brunnen und flohen auf  kleine H&uuml;gel. Wir k&auml;mpften gegen die Magad&auml;er, die alt geboren werden und j&uuml;nger und j&uuml;nger werden mit jedem Jahr. Sie sterben, sobald die kleine Kinder sind. Wir standen auch gegen die Lektroiden, wie von sich sagen, sie seien S&ouml;hne von Tigern. Sie bemalen sich deshalb gelb und schwarz. Auch k&auml;mpften wir gegen die Anrauten, die ihre Toten auf den Wipfeln von B&auml;umen bestatten. Selbst leben sie in dunklen H&ouml;hlen, damit die Sonne, welche ihr Gott ist, sie nicht erschl&auml;gt. Auch k&auml;mpften wir gegen die Krimier, die ein Krokodil anbeten und ihm Ohrringe aus gr&uuml;nem Glas opfern. Sie f&uuml;ttern es mit Butter und frischem Gefl&uuml;gel. Auch gegen die Agazonb&auml;er, die Hundegesichter haben und gegen die Sibnier, die Hufen wie Pferde haben und schneller als jedes Pferd laufen k&ouml;nnen. Etwa ein Drittel unserer Gruppe starb im Kampf, ein weiteres Drittel an Ersch&ouml;pfung. Der Rest murrte gegen mich und sagten, dass ich ihnen nur des Teufels Gl&uuml;ck bringen w&uuml;rde. Ich zog eine Giftschlange unter einem Stein hervor und lie&szlig; mich von ihr bei&szlig;en. Als sie sahen, dass ich davon nicht erkrankte, befiel sie gro&szlig;e Furcht.

Im vierten Monat erreichten wir die Stadt Illel. Es war Nacht, als wir ein W&auml;ldchen erreichten, das vor den Mauern liegt. Die Luft war schw&uuml;l, denn der Mond stand im Skorpion. Wir pfl&uuml;ckten die reifen Pomeranzen von den B&auml;umen, brachen sie auf und tranken ihren s&uuml;&szlig;en Saft. Dann legten wir uns auf unsere Teppiche nieder und warteten auf den Morgen.

Als es d&auml;mmerte, erhoben wir uns und klopften an die Tore der Stadt. Die waren aus Bronze gef&uuml;gt und mit Seedrachen verziert und diese Drachen hatten Fl&uuml;gel. Die W&auml;chter schauten von den Zinnen herab und fragten nach unseren Gesch&auml;ften. Der Dolmetscher der Karawane antwortete, das wir von der Insel Syria k&auml;men mit sehr vielen Handelswaren. Sie nahmen Geiseln und sagen uns, dass sie zu Mittag die Tore &ouml;ffnen w&uuml;rden und geboten uns, bis dahin zu warten.

Als der Mittag kam, &ouml;ffneten sie die Tore und wir traten ein. Die Einwohner kamen in Scharen aus ihren H&auml;usern, um uns zu sehen. Ein Ausrufer ging durch die ganze Stadt rief uns mit einer Muschel aus. 
Wir standen auf dem Marktplatz und die Neger schn&uuml;rten die Ballen aus bunten Stoffen auf und &ouml;ffneten die geschnitzten Sykomorekisten. Als sie damit fertig waren, stellten die Kaufleute ihre fremdl&auml;ndischen Waren aus. Da  gab es gewachste Stoffe aus &Auml;gypten und bemaltes Leinen aus &Auml;thiopien, Purpurschw&auml;mme aus Tyros und blaue Vorh&auml;nge aus Sidon. Da waren Schalen aus k&uuml;hlem Bernstein und feines Gef&auml;&szlig;e aus Glas und seltsame geformte Gef&auml;&szlig;e ausgebranntem Ton. Eine Schar Frauen beobachteten uns von den D&auml;chern ihrer H&auml;user. Eine von ihnen trug eine Maske aus vergoldetem Leder.

Am ersten Tag kamen die Priester und handelten mit uns, am zweiten Tag kam der Adel und am dritten die Handwerker und die Sklaven. So war es der Brauch im Umgang mit den Kaufleuten, solange sie sich in der Stadt aufhielten. ]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 6</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10885&amp;goto=11076</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:57:03 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

der Spiegel der Weisheit


Wir hielten uns einen Monat lang in der Stadt auf. Als der Mond abnahm, langweilte mich das und ich wanderte durch die Stra&szlig;en der Stadt und kam zum Garten ihres Gottes. Priester in gelben Roben bewegten sich leise zwischen den gr&uuml;nen B&auml;umen und auf einem Pflaster von schwarzem Marmor stand ein rosenrotes Haus, in dem ihr Gott wohnte. Die T&uuml;ren waren aufs feinste lackiert und Stiere und Pfauen aus Goldblech getrieben waren daran angebracht. Die Ziegel des Daches waren aus meergr&uuml;nem Porzellan und an den Dachtraufen hingen kleine Gl&ouml;ckchen. Sobald die wei&szlig;en M&ouml;wen dran vorbeiflogen, streiften sie die Gl&ouml;ckchen mit ihren Fl&uuml;geln und lie&szlig;en sie l&auml;uten.

Vor dem Tempel war ein mit Onyx ausgelegtes Becken mit klarem Wasser. Ich legte mich dort nieder und mit meinen bleichen Fingern ber&uuml;hrte ich die breiten Bl&auml;tter. Einer der Priester kam zu mir und stellte sich hinter mich. Er hatte Sandalen an seinen F&uuml;&szlig;en, einen aus Schlangenhaut und den anderen aus Vogelfedern. Auf dem K&ouml;pf trug er eine Mitra aus schwarzem Filz, die mit silbernen Mondsicheln geschm&uuml;ckt war. Sieben Farbschattierungen von Gelb waren in seiner Robe verwoben und sein gelocktes Haar hatte er mit Antimon gef&auml;rbt.

Nach einer kleinen Weile sprach er mich an und fragte nach meinen W&uuml;nschen. Mein Wunsch w&auml;re, den Gott zu sehen, erz&auml;hlte ich ihm. 

&quot;Der Gott ist auf der Jagd,&quot; sagte der Priester und schaute mich seltsam aus seinen kleinen schr&auml;gen Augen an.

&quot;Sage mir, in welchem Wald,“ antwortete ich ihm, &quot;ich will mit ihm reiten.&quot;

Er k&auml;mmte die Fransen seiner Tunika mit seinen langen N&auml;geln. &quot;Gott schl&auml;ft,&quot; murmelte er.

&quot;Sage mir auf welchem Lager, ich wil bei ihm wachen,&quot; antwortete ich.

&quot;Gott ist bei einem Festmahl!&quot; schrie er jetzt.

&quot;Wenn es ein s&uuml;&szlig;er Wein ist, will ich mit ihm trinken, ist er herb, so will ich ebenfalls mit ihm trinken!&quot; war meine Antwort.

Verwundert neigte der Priester sein Haupt, nahm mich bei der Hand, zog mich hoch und f&uuml;hrte mich in den Tempel hinein.

In dem ersten Gemach sah ich einen G&ouml;tzen auf einem Thron aus Jaspis sitzen. Er war mit gro&szlig;en orientalischen Perlen geschm&uuml;ckt und war aus Ebenholz geschnitzt. Er hatte die Statur eines Mannes. Auf seiner Stirn trug er einen Rubin und dickes &Ouml;l tropfte aus seinen Haaren bis auf seine Schenkel. Seine F&uuml;&szlig;e waren rot vom Blut eines neugeborenen Zickleins und seine Lenden waren mit einem Kupferg&uuml;rtel umg&uuml;rtet, der mit sieben Beryllen geschm&uuml;ckt war.

Ich sagte zu dem Priester:&quot; Ist das Gott?&quot; und er antwortete mit:&quot; Das ist Gott!&quot;

&quot;Zeige mir Gott,&quot; schrie in des Priester an, &quot;oder sei versichert, dass ich dich auf der Stelle t&ouml;ten werde&quot; Ich ber&uuml;hrte seine Hand und sie wurde welk.

Der Priester flehte:&quot; Gebieter, lasse deinen Diener heil bleiben und ich werde dir Gott zeigen.&quot;

So blies ich meinem Atem auf seine Hand und sie wurde wieder gesund. Er zitterte und f&uuml;hrte mich in eine zweite Kammer. Wieder sah ich ein G&ouml;tzenbild auf einem Lotos aus Jade mit gro&szlig;en Smaragden. Er war aus Elfenbein geschnitzt und  zweimal so gro&szlig; wie ein Mann. Auf der Stirn trug er einen Krysolit und seine Brust war mit Myrrenn und Zimt gesalbt. In der einen Hand hielt er ein gebogenes Szepter aus Jade und in der anderen eine Krisallkugel. Um den Hals hatte er einen Reif aus Selniten.

Und ich sagte zu dem Priester:&quot; Ist das Gott?&quot; und er antwortete:&quot; Das ist Gott!&quot;

„Zeige mir Gott&quot; schrie ich ihn an,&quot;oder ich werde dich auf der Stelle t&ouml;ten.&quot; Dabei ber&uuml;hrte ich seine Augen und er war blind.

Der Priester flehte mich an und sagte:&quot; Gebieter, heile deinen Diener und ich werde dir Gott zeigen.

So blies ich auf seine Augen und sein Augenlicht kam zur&uuml;ck. Er zitterte und er f&uuml;hrte mich in ein drittes Gemach, doch darin war kein G&ouml;tze und kein irgendwie gestaltetes Bild, nur ein runder Spiegel stand da auf einem steinernen Altar.

Ich fragte den Priester:&quot; Und wo ist Gott?&quot;

Er antwortete:&quot; Es gibt keinen Gott au&szlig;er diesem Spiegel, den du hier siehst. Dieser Spiegel ist der Spiegel der Weisheit! Er zeigt alle Dinge, die im Himmel und auf der Erde sind, nur das Gesicht dessen, der hineinblickt, zeigt er nicht, damit der, der hineinblickt weise wird. Es gibt noch viele Spiegel hier, aber das sind Spiegel des Eigend&uuml;nkels. 

Wer diesen Spiegel besitzt, kennt alle Geheimnisse, nicht ist ihm verborgen. Wer ihn nicht hat, der hat auch keine Weisheit. Deshalb ist dies Gott und wir beten ihn an.&quot;

Ich sah in den Spiegel und es war genau so, wie er gesagt hatte.

Ich handelte jetzt in einer geheimnisvollen Weise, wie, das tut nichts zur Sache, aber weniger als einer Tagereise von diesem Ort entfernt habe ich den Spiegel der Weisheit versteckt. Erlaube mir, wieder in dich einzukehren und dein Diener zu sein, dann sollt Du der weiseste aller Menschen sein.“
 
Aber der junge Fischer lachte nur. &quot;Liebe ist besser als jede Weisheit,&quot; rief er aus, „und die kleine Meerjungfrau liebt mich!&quot;

&quot;Nein, es gibt nichts besseres als Weisheit, &quot; sagte seine Seele.

&quot;Liebe ist besser&quot;, antwortete der Junge Fischer und er tauchte wieder in die Tiefe hinab und die Seele ging weinend &uuml;ber die Marschen hinweg.
]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 07</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10884&amp;goto=11075</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:55:18 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- der Markt in der seltsamen Stadt -

Als das zweite Jahr vergangen war, kam die Seele wieder zum Ufer des Meeres herunter und rief den jungen Fischer. Er tauchte aus der Tiefe auf und fragte:&quot;Warum rufst du mich?&quot;

&quot;Komme n&auml;her&quot;, antwortete die Seele, &quot;damit ich mit dir reden kann, denn ich habe wundervolle Dinge gesehen.&quot;

So kam er n&auml;her, streckte sich in dem flachen Wasser aus und st&uuml;tzte sein Haupt in seine Hand und horchte. 

Und die Seele erz&auml;hlte:&quot;Als ich dich verlassen hatte, richtete ich meinen Blick nach S&uuml;den und begann meine Reise. Vom S&uuml;den kommt alles, was kostbar ist. Sechs Tage lang reiste ich &uuml;ber die Heerstra&szlig;en, die zur Stadt Asher f&uuml;hren. Immer die schmutzigen rotstaubigen Stra&szlig;en entlang, &uuml;ber die die Pilger gehen wollen, so wie ich und am Morgen des siebten Tages hob ich meine Augen auf und siehe da, die Stadt lag zu meinen F&uuml;&szlig;en, denn sie liegt in einem Tal.

Die Stadt hat neun Tore und vor jedem steht ein Bronzepferd, das wiehert, wenn die Beduinen von den Bergen herankommen. Die Mauern sind mit Kupfer verkleidet und die Wacht&uuml;rme auf den Mauern sind mit Messing gedeckt. Auf jedem Turm steht ein Bogensch&uuml;tze mit seinem Bogen in der Hand. Bei Sonnenaufgang schl&auml;gt er mit seinem Pfeil auf einen Gong und bei Sonnenuntergang bl&auml;st er auf einen Horn.

Als ich eintreten wollte, hielten mich die W&auml;chter an und fragten, wer ich sei. Ich antwortete, ich w&auml;re ein Derwisch auf dem Weg nach Mekka, wo es einen gr&uuml;nen Wandteppich g&auml;be, auf dem von einem Engel der Koran in silbernene Buchstaben geschrieben sei. Sie staunten und baten mich herein.

Drinnen sieht es aus wie auf einem Basar. Wirklich, du h&auml;ttest mit mir dort sein sollen. &Uuml;ber den engen Stra&szlig;en flattern die Schmetterlinge bunte Papierlaternen.  Wenn der Wind &uuml;ber die D&auml;cher weht, steigen und fallen sie wie schillernde Seifenblasen. Vor ihren St&auml;nden sitzen die Kaufleute auf seidenen Teppichen. Sie haben streng frisierte schwarze B&auml;rte und ihre Turbane sind mit goldenen M&uuml;nzen bedeckt. Lange Ketten aus Bernstein und geschnitzten Pfirsichkernen gleiten durch ihre k&uuml;hlen Finger. Einige von Ihnen verkaufen Galbanum und Narde und die seltsamsten Parfums von den indische Inseln, auch dickfl&uuml;ssiges &Ouml;l von roten Rosen und Myrrhen und kleine N&auml;glein genannten Gew&uuml;rze. Wenn man stehn bleibt um mit ihnen zu sprechen , werfen sie eine Prise von Weihrauch auf ein Kohlenbecken und machen damit die Luft s&uuml;&szlig;. Ich sah einen Syrer, der hielt in seiner Hand ein d&uuml;nnes Rohr wie aus Schilf. Grauer Rauch stieg daraus empor und der Duft, solange es brannte, war dem rosigen Mandelbaum gleich, wie er im Fr&uuml;hling bl&uuml;ht.
Andere verkauften silberne Armb&auml;nder, die &uuml;berall mit milchblauen T&uuml;rkisen besetzt waren und Spangen aus feinem Messingdraht, auf den kleine Perlen aufgef&auml;delt waren. Auch in Gold gefasstee Tigerkrallen und Krallen einer goldfarbenen Katze, dem Leopard, ebenfalls in Gold gefasst, auch Fingerringe aus durchbohrter Jade. Aus den Teeh&auml;usern ist der Klang von Gitarren zu h&ouml;ren und Opiumraucher mit ihren blassen Gesichtern schauen auf die Vor&uuml;bergehenden.

Wirklich, Du h&auml;ttest bei mir sein sollen. Die Weinverk&auml;ufer bahnten sich mit ihren Ellenbogen ihren Weg durch die Menge. Sie trugen gro&szlig;e schwarze Schl&auml;uche auf ihren Schultern. Die meisten verkauften Wein aus Schiras, er ist so s&uuml;&szlig; wie Honig. Sie reichen ihn aus kleinen Metallgef&auml;&szlig;en und streuen Rosenbl&auml;tter dar&uuml;ber. 
Auf dem Marktplatz stehen die Obstverk&auml;ufer, die Fr&uuml;chte aller Art verkaufen. Reife Feigen mit ihrem zerdr&uuml;ckten Fruchtfleisch, Melonen, die nach Moschus duften und gelb sind wie Topase. Zitronen und Jambusen und Henkel von wei&szlig;en Trauben, runde rotgoldene Orangen und ovale Zitronen , die wie gr&uuml;nes Gold aussehen. 
Einmal sah ich einen Elefanten vorbeikommen. Sein R&uuml;ssel war mit Zinnober und Safran bemalt und &uuml;ber seinen Ohren hatte er ein Netz aus roter Seidenkordel. Er blieb vor den Buden stehen und begann die Orangen zu essen. Der Mann lachte nur. Du kannst dir nicht vorstellen, wie seltsam die Leute dort sind. Wenn sie besonders froh sind, gehen sie zu einem Vogelverk&auml;ufer und kaufen dort einen Vogel im K&auml;fig, den sie dann freilassen, um so ihre Freude noch zu vergr&ouml;&szlig;ern. Wenn sie traurig sind, schlagen sie sich mit Dornen, damit ihr Schmerz nicht geringer wird.

Eines Abends sah ich einige Neger, die eine gro&szlig;e S&auml;nfte durch den Basar trugen. Sie war aus vergoldentem Bambus gefertigt und die Stangen waren aus rotem Lack, verziert mit Messingpfauen. Vor den Fenstern hing ein Vorhang auss d&uuml;nnem Musselin, der mit K&auml;ferfl&uuml;geln und d&uuml;nnen Seeperlen besticktt war. Als er an mir vorbeiging, schaute eine blasse Tscherkessin heraus und l&auml;chelte mir zu. Ich folgte ihnen. Die Neger beschleunigten ihre Schritte und schimpften. Aber ich achtete nicht darauf. Mich &uuml;berfiel eine seltsame Stimmung. 

Schlie&szlig;lich hielten sie vor einem wei&szlig;en viereckigen Haus. Es hatte keine Fenster, nur eine kleine T&uuml;r wie die T&uuml;r zu einem Grabmal. Sie stellten die S&auml;nfte nieder und klopften dreimal mit einem Kupferhammer. Ein Armenier in einem gr&uuml;nen Lederkaftan sp&auml;hte durch ein Fensterchen und &ouml;ffnete, als er sie sah. Er breitete einen Teppich auf dem Boden aus und die Frau stieg aus. Als sie hineinging, drehte sie sich noch einmal um und l&auml;chelte mir wieder zu. Ich hatte noch niemals jemand gesehen, der so blass war.

Wirklich, du h&auml;ttest bei mir sein sollen. Am Neumondfest kam der junge Kaiser aus seinem Palast und ging in die Moschee zum Gebet. Seine Haare und sein Bart waren mit Rosenbl&auml;ttern gef&auml;rbt und seine Wangen mit einem feinen Goldstaub gepudert. Seine Handfl&auml;chen und F&uuml;&szlig;e waren gelb von Safran.

Bei Sonnenaufgang ging er von seinem Palast weg in einer silberne Robe und bei Sonnenuntergang kam er wieder in einer Goldrobe zur&uuml;ck. Die Menschen warfen sich auf den Boden und verbargen ihre Gesichter, aber ich wollte das nicht tun. Ich stand bei der Bude eines Dattelverk&auml;ufers und wartete. Als der Kaiser mich sah, hob er seine gemalten Augenbrauen und hielt an. Ich stand ganz still und machte ihm keinerlei Ehrenbezeugung. Die Leute wunderten sich ob meiner K&uuml;hnheit und rieten mir aus der Stadt zu fliehen. Ich nahm keine Notiz von Ihnen, sondern ging und setzte mich zu den H&auml;ndlern von G&ouml;tzenbildern, die wegen ihres Gesch&auml;ftes dort verabscheut wurden.

Als ich ihnen erz&auml;hlte, was ich gerade getan hatte, schenke mir jeder von Ihnen ein G&ouml;tzenbild und bat mich, sie zu verlassen.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 08</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10883&amp;goto=11074</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:52:58 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- der Ring des Reichtums -


In dieser Nacht, als ich auf einem Polster in dem Teehaus lag, das in der Stra&szlig;e der Granat&auml;pfel ist, kamen die Soldaten des Kaiser herein und f&uuml;hrten mich zum Palast.  Als ich in diesen eintrat, schlossen sie jede T&uuml;r hinter mir und legten eine Kette davor. Drinnen war ein gro&szlig;er Hof mit Arkaden rund herum. Die W&auml;nde waren aus wei&szlig;em Alabaster, hier und da mit bunten Ziegeln  verziert. Die S&auml;ulen waren von gr&uuml;nem Marmor und der Boden war mit einer Art pfirsichfarbenen Marmornausgelegt. So etwas hatte ich noch nie vorher gesehen.

Als ich &uuml;ber den Hof ging, blickten zwei verschleierte Frauen von einem Balkon herunter und sie verw&uuml;nschten mich. Die W&auml;chter eilten weiter und die schweren Enden ihrer Lanze schlugen auf den polierten Boden. Sie &ouml;ffneten ein Tor aus sch&ouml;n bearbeitetem Elfenbein und ich befand mich in einem bew&auml;sserten Garten aus sieben Terrassen. Sie waren mit Tulpen und Mondblumen bepflanzt und mit silbrigen Aloes. Wie ein schlankes Schilfrohr aus Kristall bewegte sich eine Font&auml;ne in der d&auml;mmerigen Luft. Die Zypressen glichen ausgebrannten Fackeln. In einer von ihnen sang eine Nachtigall.

Am Ende des Gartens stand ein kleiner Pavillon. Als wir uns n&auml;herten, kamen zwei Eunuchen aus demselben uns entgegen. Ihre fetten Leiber schwabbelten beim Gehen und sie blickten mich aus ihren gelben Lidern seltsam an. Einer von ihnen nahm den K&auml;pit&auml;n der Garde beiseite und fl&uuml;sterte mit ihm. Der andere kaute unentwegt parf&uuml;mierte Pastillen, die er mit affektierten Geste aus einer ovalen Schachtel aus fliederfarbener Emaille nahm.

Nach wenigen Augenblicken entlie&szlig; der K&auml;pit&auml;n der Garde seine Soldaten. Sie gingen in des Palast zur&uuml;ck, die Eunuchen folgten ihnen langsam, pfl&uuml;ckten dabei s&uuml;&szlig;e Maulbeeren im Vorbeigehen von den B&auml;umen und l&auml;chelten mir mit einem teuflischen Lachen zu.

Dann schob mich der Kapit&auml;n der Wache auf den Eingang des Pavillons zu. Ich ging ohne zu zittern dorthin, zog den schweren Vorhang beiseite und trat ein.

Der junge Kaiser lag auf einem Divan aus L&ouml;wenfellen und ein Falke sa&szlig; auf seinem Handgelenk. Hinter ihm stand ein Nubier mit einem Bronzeturban, ansonsten nackt bis auf den G&uuml;rtel. Schwere Ohrringe zierten seine geschlitzten Ohren. Auf dem Tisch neben dem Divan lag ein gewaltiger st&auml;hlerner Krumms&auml;bel.

Als der Kaiser mich sah, runzelte er seine Stirn und sagte zu mir:&quot;Wie hei&szlig;t du? Wei&szlig;t du nicht, dass ich der Kaiser dieser Stadt bin?&quot; Ich gab ihm aber keine Antwort.

Er deutete mit dem Finger auf den Krumms&auml;bel, der Nubier ergriff ihn, st&uuml;rzte sich vorw&auml;rts und schlug mit gro&szlig;er Heftigkeit nach mir. Die Klinge fuhr durch mich hindurch ohne mich zu verletzen. Der Mann fiel platt auf den Boden. Als er sich erhob, klapperte er vor Entsetzen mit den Z&auml;hnen und versteckte sich hinter dem Divan.

Der Kaiser sprang auf die F&uuml;&szlig;e, nahm eine Lanze von einem Waffenst&auml;nder und warf damit nach mir. Ich fing die Lanze im Fluge und brach den Schaft entzwei. Er schoss nach mir mit einem Pfeil, aber ich hielt meine H&auml;nde empor und der Pfeil stoppte mitten in der Luft. Dann zog er seinen Dolch aus seinem wei&szlig;en Lederg&uuml;rtel und stie&szlig; ihn dem Nubier in die Kehle, damit der Sklave nicht von seinem Misserfolg erz&auml;hlen k&ouml;nnte. Der Mann wand sich wie eine getretene Schlange und roter Schaum stand ihm vor dem Munde.

Sobald er tot war, drehte sich der Kaiser nach mir um und, nachdem er sich den hellen Schwei&szlig; mit einem kleinen Taschentuch aus purpurner Seide von seiner Stirn gewischt hatte, sagte er zu mir:&quot; Bist du ein Prophet, das ich dich nicht verletzen kann, oder der Sohn eines Propheten, dass ich dich nicht verwunden kann? Ich flehe dich an, verlasse meine Stadt noch in dieser Nacht, denn so lange du noch hier bist, bin ich nicht mehr ihr F&uuml;rst.

Ich antwortete ihm:&quot; Gegen die H&auml;lfte aller deiner Sch&auml;tze will ich gehen. Gib mir also die H&auml;lfte deines Staatsschatzes und ich werde weggehen.

Er nahm mich bei der Hand und f&uuml;hrte mich hinaus in den Garten. Als der Kapit&auml;n der Garde mich sah, verwunderte er sich und als mich die Eunuchen sahen, zitterten ihre Knie und sie fielen vor Angst zu Boden.

In diesem Palast gibt es ein Zimmer, das hat acht W&auml;nde aus rotem Porphyr und Lampen aus Messingpl&auml;ttchen h&auml;ngen von der Decke. Der Kaiser ber&uuml;hrte eine der W&auml;nde und sie tat sich auf. Wir gingen einen von Fackeln beleuchteten Gang hinunter. In den Nischen auf beiden Seiten standen gro&szlig;e Weinkr&uuml;ge, die bis oben mit Silberm&uuml;nzen gef&uuml;llt waren. Als wir die Mitte des Ganges erreicht hatten, sprach der Kaiser ein Wort, das sonst nicht ausgesprochen werden darf, und eine T&uuml;r aus Granit schwang von einer geheimen Feder bewegt auf. Der Kaiser legte seine Hand vor sein Gesicht, damit seine Augen nicht geblendet w&uuml;rden.

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie wunderbar dieser Raum war.  Da gab es Schildkr&ouml;tenpanzer, die voll von Perlen waren und sehr gro&szlig;e ausgeh&ouml;hlte Mondsteine mit roten Rubinen gef&uuml;llt. Gold war in Koffern aus Elefantenhaut gepackt und es gab Goldstaub in ledernen Flaschen. Da lagen Opale und Saphire, die einen in Kristallschalen und die anderen in Jadeschalen gef&uuml;llt. Runde gr&uuml;ne Smaragde waren ordentlich auf d&uuml;nnen Elfenbeinplatten aufgereiht. In einer Ecke waren seidene S&auml;cke mit T&uuml;rkisen, andere mit Beryllen gef&uuml;llt. In Elfenbeinh&ouml;rnern waren purpurne Amethyste aufget&uuml;rmt und in Mesingtrinkh&ouml;rner Kalzedone und Karneole. An den  Zedernholzpfeiler hingen 
Ketten aus gelben Cordieriten. Auf flachen ovalen Schilden lagen Karfunkel in der Farbe des Weines, andere gr&uuml;n wie Gras. Bis jetzt habe ich nur einen Teil dessen aufgez&auml;hlt, was dort gelegen ist.

Als der Kaiser die H&auml;nde von seinem Gesicht genommen hatte, sagte er zu mir: 
&quot;Dies ist mein Schatzhaus und die H&auml;lfte von allem geh&ouml;rt dir, so wie ich es versprochen habe. Ich gebe dir noch Kamele und Kameltreiber. Sie werden deinen Befehlen gehorchen und sie werden deinen Teil des Schatzes an jeden Platz der Welt bringen, den du bestimmst. All dies wird in der Nacht geschehen, denn ich w&uuml;nsche nicht, dass die Sonne, welche mein Vater ist, sehen kann, dass es in der Stadt einen Menschen gibt, dem ich nicht standhalten kann.

Aber ich antwortete ihm:&quot; All das Gold hier, auch das Silber genau so wie die kostbaren Juwelen und all die wertvollen Dinge hier sollen weiterhin dein sein. Ich brauche das alles nicht. Ich will nur eines von dir haben, jenen kleinen Ring, den du an dem Finger tr&auml;gst.&quot;

Der Kaiser schaute mich finster an.&quot;Das ist nur ein Ring aus Blei,&quot;schrie er,&quot;er hat keinen Wert. Deshalb nimm die H&auml;lfte dieses Schatzes hier und verlasse meine Stadt!&quot;

&quot;Nein,&quot; antwortete ich, &quot;ich will nichts au&szlig;er diesem bleiernen Ring, denn ich wei&szlig;, was darin geschrieben steht und zu welchem Zweck!&quot;

Der Kaiser zitterte, flehte mich an und sagte:&quot; &quot;Nimm alle meine Sch&auml;tze und gehe aus meiner Stadt. Nimm auch meine H&auml;lfte mit dir.&quot; 

Nun tat ich etwas ungew&ouml;hnliches, was , das ist nicht von Bedeutung, nur soviel , in einer H&ouml;hle nur eine Tagereise von diesem Platz entfernt versteckte ich diesen Ring des Reichtums. Er ist nur eine Tagereise von hier entfernt und wartet auf dich.  Wer diesen Ring besitzt, ist reicher als alle K&ouml;nige der Welt. Deshalb komm und nimm ihn, und alles Reicht&uuml;mer der Welt sind dein.&quot;

Aber der junge Fischer lachte:&quot; Die Liebe ist mehr wert als alle Reicht&uuml;mer,&quot; rief er, &quot; und die kleine Meerjungfrau liebt mich!&quot;

&quot;Nein!&quot; entgegnete die Seele,&quot; es gibt nichts besseres als Reichtum!&quot;

&quot;Doch, Liebe ist besser!&quot; antwortete der junge Fischer und sprang in die See. Die Seele ging weinend &uuml;ber die Marschen davon.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 09</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10882&amp;goto=11073</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:49:40 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman
and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

 - die Seele w&uuml;nscht B&ouml;ses -

Als das dritte Jahr vor&uuml;ber war, kam die Seele wieder an das Ufer der See und rief den jungen Fischer. Dieser stieg aus der Tiefe empor und fragte:&quot; Warum rufst du mich?&quot;

Die Seele antwortete:&quot; Komm n&auml;her, dass ich mit dir Sprechen kann, denn ich habe wunderbare Dinge gesehen.&quot;

Er kam n&auml;her, streckte sich in dem seichten Wasser aus, st&uuml;tzte den Kopf in seine Hand und h&ouml;rte zu.

Und die Seele sagte zu ihm:&quot; In einer Stadt, die ich kenne, steht ein Gasthaus nahe am Fluss. Ich sa&szlig; dort mit Seeleuten zusammen, die zwei verschiedenfarbige Weine tranken, dazu a&szlig;en sie Gerstenbrot, und kleine gesalzene Fische wurden auf Lorbeerbl&auml;ttern und in Essig serviert.  Wie wir so sa&szlig;en und es uns gut gehen lie&szlig;en, trat ein alter Mann zu uns. Er hatte einen ledernen Teppich und eine Laute mit zwei H&ouml;rnern aus Bernstein. Nachdem er seinen Teppich auf dem Boden ausgebreitet hatte, zupfte  er mit einem Schlagpl&auml;ttchen die Metallsaiten seiner Laute. Ein M&auml;dchen mit verschleiertem Gesicht kam herein und begann vor uns zu tanzen. Ihr Gesicht war hinter einen Gazeschleier verborgen, und sie war barfu&szlig;. Ihre F&uuml;&szlig;e bewegten sich wie kleine wei&szlig;e Tauben &uuml;ber den Teppich. Ich habe nie so etwas wunderbares gesehen und die Stadt wo sie tanzte ist nur eine Tagereise von  hier entfernt. &quot;

Als der junge Fischer diese Worte von seiner Seele h&ouml;rte, erinnerte er sich, dass die kleine Meerjungfrau keine F&uuml;&szlig;e hatte und nicht tanzen konnte. Es kam ein gro&szlig;es Verlangen &uuml;ber ihn und er sagte sich:&quot; Es ist ja nur eine Tagereise und ich kann zu meiner Liebsten zur&uuml;ckkehren&quot; 

Er lachte, stand aus dem seichten Wasser auf und ging mit gro&szlig;en Schritten auf das Ufer zu. 

Als es den trockenen Strand erreicht hatte, lachte er abermals und streckte seine Arme seiner Seele entgegen. Die Seele schrie vor Freuden auf und lief schnell, ihm zu begegnen. Sie kehrte in ihn ein und der junge Fischer sah vor sich auf dem Sand den Schatten seinen K&ouml;rpers, der ja der K&ouml;rper seiner Seele ist.

Und seine Seele sagte zu ihm:&quot; lasss uns nicht z&ouml;gern, sondern sofort weitergehen, den die Meerg&ouml;tter sind eifers&uuml;chtig und sie haben Ungeheuer, die auf ihre Befehle h&ouml;ren.&quot;

So beeilten sie sich und wanderten die ganze Nacht unter dem Mondschein und den n&auml;chsten Tag unter der Sonne. Am Abend des Tages kamen sie zu einer Stadt.

Der junge Fischer fragte seine Seele:&quot; Ist dies die Stadt, wo die tanzt, von der du mir erz&auml;hlt hast?&quot;

Die Seele antwortete ihm:&quot; Nein, das ist nicht die Stadt, sondern eine andere. Lass uns trotzdem hineingehen.&quot;

So traten sie ein und wanderten durch die Stra&szlig;en. Als sie die Stra&szlig;e der Juweliere entlanggingen, sah der junge Fischer einen sch&ouml;nen Silberbecher in der Auslage einer Verkaufsbude. Die Seele sagte zu ihm:&quot; Nimm diesen Silberbecher und verstecke ihn!&quot;

So nahm er den Becher, verbarg ihn in den Falten seines Gewandes und beide eilten aus der Stadt.

Nachdem sie eine Meile aus der Stadt gegangen waren, runzelte der Junge Fischer seine Brauen, er schleuderte den Becher von sich und fragte seine Seele:&quot; Warum hie&szlig;est du mich diesen Becher wegnehmen und verstecken, das war eine b&ouml;se Tat!&quot;

Aber seine Seele antwortete ihm:&quot; Sei ruhig, sei ruhig!&quot;.

Am Abend des zweiten Tages kamen sie wieder zu einer Stadt. Der junge Fischer fragte seine Seele:&quot; Ist dies die Stadt, wo das M&auml;dchen tanzt, von dem du gesprochen hast?&quot;

&quot;Nein,&quot; antwortete die Seele, „das ist eine andere Stadt. Lass uns aber trotzdem hineingehen. &quot;

So betraten sie die Stadt und wanderten durch die Stra&szlig;en. Als sie durch die Stra&szlig;e der Sandaltenverk&auml;ufer kamen, sah der Junge Fischer dort ein M&auml;dchen neben einem Wasserkrug stehen. Und die Seele sagte zu ihm:&quot; Schlage dieses Kind!&quot; und so schlug er dieses M&auml;dchen bis es weinte, und nachdem er dies getan hatte, eilten sie aus der Stadt.

Nachdem sie eine Meile von der Stadt entfernt waren, wurde der junge Fischer zornig und sagte zu seiner Seele:&quot; Warum hie&szlig;est du mich dieses Kind schlagen. Das war eine sehr b&ouml;se Tat.&quot;

Aber die Seele antwortete ihm:&quot; Sei friedlich, sei friedlich.&quot;

Am Abend des dritten Tages kamen sie wieder zu einer Stadt und der Junge Fischer fragte die Seele:&quot; Ist das die Stadt, in der die tanzt, von der du erz&auml;hlt hast?&quot;

Die Seele antwortete:&quot; Mag sein, dass dies die Stadt ist, deshalb lass und hineingehen.&quot;

So traten sie in die Stadt ein und wanderten durch die Stra&szlig;en, aber nirgends konnte der Junge Fischer den Fluss oder da Wirtshaus am Fluss finden. Die Einwohner der Stadt schauten neugierig zu ihm. Er begann sich zu f&uuml;rchten und sagte zu der Seele:&quot; Lass uns weggehen, denn die, welche mit ihren wei&szlig;en F&uuml;&szlig;en tanzt ist nicht hier.&quot;

Doch die Seele entgegnete &quot;Nein, lass und hier bleiben, denn die Nacht ist dunkel und drau&szlig;en werden R&auml;uber auf den Wegen sein.&quot;

So setzte er sich auf dem Marktplatz nieder und nach einiger Zeit kam ein Kaufmann vorbei, der trug eine Kapuze und einen Mantel aus tartarischem Tuch. Er hatte eine Laterne aus durchbrochenem Horn an einer Schilfrohrstange. 

Der Kaufmann sagte zu ihm:&quot; Was sitzt du hier auf dem Marktplatz, alle Buden sind geschlossen, alle Warenballen sind wieder verschn&uuml;rt!&quot;

Der junge Fischer antwortete ihm:&quot; Ich kann hier in der Stadt kein Gasthaus finden, auch habe ich keine Verwandten, die mir Herberge geben k&ouml;nnten.&quot;

&quot;Sind wir denn nicht alle Verwandte,&quot; sagte der Kaufmann,&quot; machte uns Gott nicht alle gleich? Komm mit mir, ich habe ein Raum f&uuml;r G&auml;ste&quot;

So stand der junge Fischer auf und folgte dem Kaufmann zu seinem Haus. 
Sie kamen durch einen Garten mit Granatapfelb&auml;umen und betraten das Haus. Der Kaufmann brachte Rosenwasser in eine Kupferschale, damit der Gast seine H&auml;nde waschen k&ouml;nnte und reife Melonen, um seien Durst zu stillen. Auch setzte er eine Sch&uuml;ssel Reis mit St&uuml;cken von gebratenen Zicklein vor ihn.


Als er fertig war, f&uuml;hrte des Kaufmann ihn in das G&auml;stezimmmer und hie&szlig; ihn schlafen und gut ruhen. Der Junge Fischer dankte, k&uuml;sste den Ring an seiner Hand und streckte sich nieder auf einen Teppich von Ziegenhaaren. Als er sich mit einer Decke aus schwarzen Schafwolle zugedeckt hatte, schlief er bald ein.

Drei Stunden vor Morgengrauen, es war immer noch Nacht, weckte ihn seine Seele und sagte zu im:&quot; Steh auf und gehe in das Zimmer des Kaufmanns. Gehe in sein Schlafgemach und erschlage ihn dort. Dann nimm sein Gold weg, denn wir brauchen es.&quot;

Der junge Fischer stand auf und schlich in das Zimmer des Kaufmannes. Zu seinen F&uuml;&szlig;e lag ein Krumms&auml;bel und der Schrein neben dem Kaufmann enthielt neun Beutel mit Gold. Er streckte seine Hand nach dem Schwert aus und als er es ergreifen wollte, wachte der Kaufmann auf und packte sein Schwert selber und schrie den jungen Fischer an:&quot; Vergiltst du so gutes mit schlechtem und bezahlst die Freundlichkeit, die ich dir erwiesen habe, mit Blut?&quot;

Und die Seele sagte zu dem jungen Fischer:“ Erschlage ihn!&quot; und er schlug so heftig zu, dass der Kaufmann bewusstlos zu Boden ging. Er ergriff die neun Beutel mit dem Gold und floh hastig durch den Garten mit den Granatapfelb&auml;umen. Dann wandte er sich in die Richtung des Morgensternes. 

Als sie etwa eine Meile von der Stadt weggegangen waren, schlug sich der junge Fischer an seine Brust und sagte zu seiner Seele:&quot; Warum hast du mich den Kaufmann erschlagen lassen und sein Gold wegnehmen? Wahrlich, du bist des Teufels.&quot;

Aber die Seele antwortete:&quot; Sei ruhig, sei ruhig!&quot;]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 10</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10881&amp;goto=11072</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:47:39 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.  

Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman 

and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

 - wieder zur&uuml;ck am Meeresufer -

&quot;Nein,&quot; schrie der junge Fischer, ich will nicht ruhig sein, denn alles wozu du mich veranlasst hast, hasse ich. Ebenso hasse ich dich und ich bitte dich, sage mir, warum du mich auf diese Weise beeinflusst hast.&quot;

Und die Seele antwortete ihm:&quot; Als du mich in die Welt weggeschickt hast, da hast du mir kein Herz mitgegeben. So lernte ich all diese Dinge so zu tun und das zu lieben.&quot;

&quot;Was sagst du da?&quot; murmelte der junge Fischer.

&quot;Du wei&szlig;t es,&quot; sagte die Seele, &quot;Du wei&szlig;t es nur zu gut. Hast du vergessen, dass du mir kein Herz mitgegeben hast? Ich denke nein. Deshalb qu&auml;le weder dich noch mich, sondern sei ruhig. Es wird keinen Schmerz geben, den du nicht austeilen wirst und kein Vergn&uuml;gen, das du nicht empfangen sollst.

Als der junge Fischer diese Worte h&ouml;rte, zitterte er und er sagte zu seiner Seele:&quot;Nein, du bist b&ouml;se und du hast mich meine Liebe vergessen lassen, du hast mich in Versuchungen gef&uuml;hrt und du hast mich meinen Fu&szlig; auf den Weg der S&uuml;nde setzen lassen.&quot;

Die Seele antwortete ihm:&quot; Vergiss nicht, als du mich von dir in die Welt fortschicktest, da gabst du mir kein Herz mit. Also lass uns in die n&auml;chste Stadt gehen und uns vergn&uuml;gen, denn wir haben neun Beutel mit Gold dabei.&quot;

Aber der junge Fischer nahm die neun Beutel mit Gold, schleuderte sie auf den Boden und trampelte darauf herum.

&quot;Nein,&quot; schrie er, &quot;ich will mit dir nichts zu tun haben und ich will mit Dir auch nirgendwohin reisen, sondern ebenso wie ich dich zuvor weggeschickt haben so will ich dich wieder wegschicken, denn du hast mir nichts gutes eingebracht.&quot; Er drehte sich mit dem R&uuml;cken zum Mond und mit dem kleinen Messer mit dem Griff aus gr&uuml;ner Schlangenhaut versuchte er, den Schatten seines K&ouml;rpers, der ja der K&ouml;rper der Seele ist, von seinen F&uuml;&szlig;en abzuschneiden.

Doch die Seele wich nicht von ihm und achtete seines Befehls nicht, sondern sagte zu ihm: &quot;Der Zauber, den dir die Hexe verriet, n&uuml;tzt dir nichts mehr, denn ich kann dich nicht mehr verlassen, auch kannst du mich nicht mehr wegjagen. Nur einmal in seinem Leben kann ein Mensch seine Seele wegschicken, wenn er sie aber zur&uuml;ckkehren l&auml;sst, muss er f&uuml;r immer mit ihr leben, das ist gleichzeitig Lohn und Strafe.&quot;

Der junge Fischer wurde bleich, er ballte seine F&auml;uste und schrie:&quot; Sie war eine falsche Hexe, da sie mir das nicht gesagt hat.&quot;

&quot;Nein,&quot; antwortete die Seele,&quot;sie war wahrhaftig gegen&uuml;ber dem, den sie anbetet und dessen Diener sie immer sein wird.&quot;

Als der junge Fischer so gewahr wurde, dass er seine Seele nie mehr loswerden konnte und dass diese Seele b&ouml;se war und immer bei ihm bleiben w&uuml;rde, da fiel er zu Boden und weinte bitterlich.

Als es Tag wurde, stand der Junge Fischer auf und sagte zu seiner Seele.&quot; Ich werde meine H&auml;nde fesseln, dass sie nicht tun, was du verlangst und ich werde meine Lippen verschlie&szlig;en, dass ich nicht deine Worte ausspreche. Ich werde an den Platz zur&uuml;ckkehren, wo meine Liebe ihren Platz hat. Ja, ich will zur See zur&uuml;ckkehren, zu der kleinen Bucht, wo sie zu singen pflegt. Ich will sie rufen und ihr all das B&ouml;se erz&auml;hlen, was ich getan habe und wozu du mich verf&uuml;hrt hast.&quot;

Aber die Seele versuchte ihn weiter und sagte:&quot; Wer ist denn deine Liebste, zu der du zur&uuml;ckkehren willst? Die Welt hat viele, die sch&ouml;ner sind als sie. Da sind die samarischen T&auml;nzerinnen, die wie die V&ouml;gel und alles Getier tanzen. Ihre F&uuml;&szlig;e sind mit Henna gef&auml;rbt und in den H&auml;nden haben sie kleine kupferne Gl&ouml;ckchen. Sie lachen w&auml;hrend sie tanzen und ihr Lachen ist hell wie das Lachen des Wassers. Komm mit mir und ich zeige sie dir. 
Was qu&auml;lst du dich um s&uuml;ndige Dinge. Ist es denn nicht angenehm, zu genie&szlig;en, was f&uuml;r den Genie&szlig;er gemacht ist? Ist denn das, was s&uuml;&szlig; zu trinken ist ein Gift? Qu&auml;le dich nicht, sondern komme mit mir in eine andere Stadt. Ganz in der N&auml;he ist eine kleine Stadt, wo ein Tulpengarten ist. Dort wohnen in dem h&uuml;bschen Garten wei&szlig;e Pfauen und solche mit blauer Brust. Wenn sie ihre Schw&auml;nze in der Sonne ausbreiten gleichen sie Scheiben aus Elfenbein und gl&auml;nzen wie Gold. Und die, die sie f&uuml;ttert, tanzt zu ihrem Vergn&uuml;gen und manchmal tanzt sie auf den H&auml;nden und zum anderen Mal tanzt sie auf ihren F&uuml;&szlig;en. Ihre Augen sind mit Antimon bemalt und ihre Nase sind wie die Fl&uuml;gel der Schwalbe geformt. Von einem H&auml;kchen in einem ihrer Nasenfl&uuml;gel h&auml;ngt eine Blume, die aus einer Perle geschnitten ist. Sie lacht, w&auml;hrend sie tanzt, und die Silberringe um ihre Fesseln klingen wie Silbergl&ouml;ckchen. Deshalb qu&auml;le dich nicht l&auml;nger, sondern komme mit mir in diese Stadt.&quot;

Doch der junge Fischer gab der Seele keine Antwort, er veschloss seine Lippen mit dem Siegel des Schweigens und band mit einem festen Strick seine H&auml;nde. Dann kehrte er zu dem Platz zur&uuml;ck, von wo er gekommen war, zu der kleinen Bucht wo seine Liebste zu singen pflegte. Wieder und wieder versuchte ihn seine Seele, aber er gab ihr keine Antwort, auch beging er keine der Gemeinheiten zu denen sie ihn zu begehen motivieren wollte. So stark war die Macht der Liebe, die in ihm war.

Als er das Ufer der See erreicht hatte, l&ouml;ste er das Siegel des Schweigens von seinen Lippen und l&ouml;ste den Strick von seinen H&auml;nden. Dann rief er der kleinen Seejungfrau, aber sie kam auf seinen Ruf nicht, obwohl er sie den ganzen Tag lang rief und sie bat.

Die Seele verlachte ihn und sagte:&quot; Sicher, deine Liebe macht dir keine Freude. Du spielst dich auf wie einer, der in Notzeiten Wasser in einen zerbrochenen Kessel gie&szlig;t. Du gibst weg, was du hast und nichts wird dir daf&uuml;r gegeben. Es w&auml;re besser f&uuml;r dich, wenn du wieder mit mir gingest, denn ich wei&szlig;, wo das Tal der Freuden liegt und was sich dort alles abspielt.

Aber der junge Fischer antwortete seiner Seele nicht, sonder er baute sich in einer Felsspalte ein H&uuml;tte aus Flechtwerk und hauste dort ein volles Jahr.Jeden Morgen rief er die kleine Seejungfrau und zu jedem Mittag rief er sie erneut und zur Nachtzeit nannte er ihren Namen. Doch niemals tauchte sie aus der See auf um ihn zu treffen, auch konnte er sie an keinem Platz mehr finden, obwohl er sie in jeder H&ouml;hle und in dem gr&uuml;nen Wasser suchte, in den Wasserl&ouml;chern der Flut und in den Strudeln, die bis zum Grund der See reichten.

Und immer wieder versuchte ihn seine Seele mit Bosheiten und fl&uuml;sterte ihm schreckliche Dinge ein. 

Aber sie bekam keine Gewalt mehr &uuml;ber ihn, so stark war die Macht seiner Liebe.

Nach einem weiteren Jahr dachte die Seele bei sich,&quot;Ich habe meinen Herrn mit B&ouml;sem versucht und seine Liebe ist st&auml;rker als ich. Ich will ihn nun mit Gutem versuchen, vielleicht wird er dann mit mir kommen.&quot;

Also redete sie den jungen Fischer an und sagte:&quot; Ich habe dir von den Freuden der Welt erz&auml;hlt, aber du hattest nur taube Ohren daf&uuml;r. Erlaube mir jetzt, dir von dem Elend der Welt zu erz&auml;hlen, vielleicht wirst du mich dabei anh&ouml;ren. Den wahrlich, Elend ist der Herr dieser Welt und niemand kann seinem Netz entrinnen. Da gibt es Menschen, denen fehlt Kleidung, anderen Brot. Es gibt Witwen die in Purpur gehen und andere die in Lumpen da sitzen. Die Auss&auml;tzigen wandern in den S&uuml;mpfen und sind sehr grausam zueinander. Die Bettler gehen auf der Stra&szlig;e auf und nieder und ihr Bettelsack bleibt leer. Durch die Stra&szlig;en der Stadt wandern die Hungersnot und an ihren Toren sitzt die Pest. Komm, lass uns gehen und diesen Dingen abhelfen und bewirken, das sie nicht mehr sind. Deshalb solltest du nicht hier sitzen und nach deiner Liebsten rufen, du siehst doch, dass sie auf deinen Ruf nicht folgt. Ist das lieben, dass du ihr einen so hohen Wert beimisst.

Der junge Fischer antwortete mit keinem Wort, so gro&szlig; war die Macht seiner Liebe. Jeden Morgen rief er der Meerjungfrau, jeden Mittag rief er sie wieder, und zur Nachtzeit nannte er ihren Namen. Doch niemals erhob sie sich aus der See, um ihn zu treffen und an keinem Ort der See konnte er sie finden. obwohl er sie suchte in allen Fl&uuml;ssen der Gew&auml;sser in der T&auml;lern, die es unter dem Wasser gibt, wo in der bei Nacht das Wasser purpufarben leuchtet und in der See, die in der D&auml;mmerung graut.  ]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Fischer und seine Seele - 11</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10880&amp;goto=11071</link>
            <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 16:45:05 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[&quot;Der Fischer und seine Seele&quot; ein M&auml;rchen von Oscar Wilde.
Hier wurde es nach dem englischen Original &quot; The Fisherman
and his Soul&quot; von Henning Vieser neu erz&auml;hlt.

- Liebe, Tod und Vergebung -



Als das ritte Jahr vor&uuml;ber war sagte die Seele zu dem Jungen Fischer zur Nachtzeit, als er einsam in seiner Flechth&uuml;tte sa&szlig;: Schau, nun habe ich dich mit B&ouml;sem versucht, ebenso mit Gutem und deine Liebe ist st&auml;rker als ich. Deshalb will ich dich nicht l&auml;nger mehr versuchen, aber ich bitte dich, lass mich in dein Herz eintreten, damit ich wieder mit dir eins bin wie zuvor.

&quot;Sicher kannst du einkehren,&quot; sagte der junge Fischer,&quot;schlie&szlig;lich musstest du in den Tagen, da du ohne Herz durch die Welt zogst, viel leiden.&quot;

&quot;Ach,&quot; seufzte seine Seele,&quot; ich kann keinen Eingang finden, dein Herz ist vollkommen von deiner Liebe eingeschlossen.&quot; 

&quot;Ich wollte, ich k&ouml;nnte dir helfen,&quot; sagte der junge Fischer

Und als er dies sagte, kam ein lauter Klageruf von der See, wie ein Schrei, den Menschen h&ouml;ren, wenn einer von dem Seevolk gestorben ist. Der junge Fischer sprang auf und verlie&szlig; seine H&uuml;tte und rannte zum Ufer. Schwarze Wogen schlugen an das Ufer und sie trugen eine B&uuml;rde mit sich, die wei&szlig;er war als Silber. Wei&szlig; war sie wie die Brandung und wie eine Blume schwamm sie auf den Wellen. Der Schaum entriss sie den Wellen und landete sie am Ufer an. Zu den F&uuml;&szlig;en des jungen Fischers lag der K&ouml;rper der kleinen Meerjungfrau. Tot lag sie zu seien F&uuml;&szlig;en.

Von Schmerz &uuml;berw&auml;ltigt  warf er sich weinend neben sie und er k&uuml;sste die kalten roten Lippen ihres Mundes. Er streichelte die nassen Bernstein locken ihres Haares. Er warf sich an ihrer Seite in den Sand. Er weinte wie einer, der vor Gl&uuml;ck bebt, und in seinen braunen Armen dr&uuml;ckte er sie an seine Brust. Kalt waren ihre Lippen, doch k&uuml;sste er sie. Salzig war der Honig ihres Haares, trotzdem streichelte er es in schmerzlicher Freude. Er k&uuml;sste ihre geschlossenen Augenlider und die wilde Gischt, die  auf ihren Augen lag, war weniger salzig als seine Tr&auml;nen.

Und der Toten beichtete er alle Dinge, die er gemacht hatte. In ihre Ohrmuscheln goss er den bitteren Wein seiner Erz&auml;hlung. Er legte ihre kleinen H&auml;nde um seinen Nacken und mit seinen Fingers ber&uuml;hrte er sachte ihre zarte Kehle. Schmerzlich, so schmerzlich war seine Freude und voll seltsamer Freude war seine Schmerz. 

Die schwarze See kam immer n&auml;her und die Gischt st&ouml;hnte die ein Kranker (Auss&auml;tziger) und wei&szlig;e Arme aus Schaum griffen nach dem Ufer. Weit drau&szlig;en auf der See bliesen gro&szlig;e Tritonen misst&ouml;nend auf ihren H&ouml;rnern. 

&quot;Fliehe,&quot; rief seine Seele,&quot; fliehe hinweg, das Meer steigt immer h&ouml;her, wenn du z&ouml;gerst, wird es dich verschlingen. Fliehe, denn ich f&uuml;rchte mich, da dein Herz durch die Gr&ouml;&szlig;e deiner Liebe gegen mich verschlossen ist. Fliehe an einen sicheren Platz. Sicher willst du mich doch nicht ohne Herz in eine andere Welt schicken?

Aber der junge Fischer h&ouml;rte nicht auf seine Seele, sondern rief die kleine Seejungfrau an und sagte:&quot; Die Liebe ist besser als Weisheit, kostbarer als alle Reicht&uuml;mer und sch&ouml;ner als die F&uuml;&szlig;e der T&ouml;chter der Menschen. Feuer k&ouml;nnen sie nicht zerst&ouml;ren oder Wasser sie ertr&auml;nken. Ich habe dich in der D&auml;mmerung gerufen, aber du kamst nicht auf meinen Ruf. Der Mond h&ouml;rte deinen Namen, aber du hattest keinen Gedanken f&uuml;r mich.

Aus Bosheit habe ich dich verlassen und zu meinem eigenen Schaden wanderte ich hinweg. Aber immer begleitete mich deine Liebe und war stark und nichts gewann Gewalt &uuml;ber sie, auch wenn ich auf B&ouml;ses gesehen habe und nun auf Gutes schauen wollte. Jetzt bist du tot und ganz gewiss werde ich hier mit Dir sterben.&quot;

Seine Seele flehte ihn eindringlich an, endlich weg zu gehen, aber er wollte das nicht, so gro&szlig; war seine Liebe.

Das Meer kam immer n&auml;her und suchte schon, ihn mit seinen Wogen zu bedecken. Er aber k&uuml;sste mit wilden Lippen die kalten Lippen seinen Meerjungfrau, als das Herz in seiner Brust zersprang. Als nun in der F&uuml;lle seiner Liebe das Herz entzwei sprang, fand die Seele doch noch einen Eingang und kehrte in sein Herz zur&uuml;ck und war wieder eins mit ihm. Und jetzt bedeckte das Meer den jungen Fischer mit seinen Wogen.

Am anderen Morgen zog der Priester aus, um das Meer zu segnen, denn es war sehr unruhig gewesen. Mit ihm zogen die M&ouml;nche, Musikanten, Kerzentr&auml;ger und die Ministranten, die die Weihrauchgef&auml;&szlig;e schwangen. Alles in allem eine gro&szlig;e Gesellschaft.

Als der Priester das Ufer erreichte, sah der den jungen Fischer ertrunken in der Brandung liegen und fest in seinen Armen war der K&ouml;rper der Seejungfrau. Der Priester wich mit gerunzelter Stirn zur&uuml;ck, bekreuzigte sich, schrie laut auf und sagte dann:&quot; Heute will ich das Meer nicht segnen, auch nicht das, was darinnen ist. Verflucht sei das Meervolk und verflucht alle, die mit ihm Umgang pflegen. Ebenso den, der um der Liebe willen Gott absagte. Er liegt hier mit seiner Buhle vom Gericht Gottes getroffen. Nehmt ihn auf, auch den K&ouml;rper seiner Liebschaft und begrabt sie in der Ecke des Schindangers. Setzt keinen Grabstein dorthin, auch kein Zeichen f&uuml;r das Grab, dass niemand den Platz ihrer letzten Ruhe erkennen kann. Verflucht waren sie in ihrem Leben und verflucht sollen sie auch in ihrem Tod sein.&quot;

Die Leute taten, was er befohlen hatte und in der Ecke des Schindangers, wo kein Gras und keine duftenden Kr&auml;uter wachsen, gruben sie ein tiefes Grab und legten die Toten hinein.

Als das dritte Jahr verstrichen war, ging der Priester an einem heiligen Feiertag in seine Kapelle. Er wollte da dem Volk die Wunden des Herrn zeigen und der Gemeinde &uuml;ber den Zorn Gottes predigen.

Nachdem er seine Messgew&auml;nder angelegt hatte, trat er ein und verbeugte sich vor dem Altar. Da sah er, dass der Altar mit fremdartigen Blumen bedeckt war, wie er sie zuvor noch nie gesehen hatte.  Seltsam waren sie anzusehen in ihrer besonderen Sch&ouml;nheit. Diese Sch&ouml;nheit verwirrte ihn, und ihr Duft stieg im s&uuml;&szlig; in die Nase. Er f&uuml;hlte sich besonders froh, ohne dass er sagen k&ouml;nnte warum.

Er &ouml;ffnete das Tabernakel, r&auml;ucherte die Monstranz darinnen und zeigte dem Volk die makellose Hostie. Dann verbarg er sie wieder hinter einem zwiefachen Vorhang und begann zu dem Volke zu sprechen.  Er w&uuml;nschte &uuml;ber den Zorn Gottes zu predigen, aber die Sch&ouml;nheit der wei&szlig;en Blumen verwirrte ihn, ihr Duft war angenehm in seiner Nase, und dann kamen ganz andere Worte von seinen Lippen. Er sprach nicht vom Zorn Gottes, sondern er predigte von Gott, dessen Name die Liebe ist. Er wusste gar nicht, warum er so sprach.

Als er seine Predigt beendet hatte, weinte alles Volk. Der Priester ging zur&uuml;ck in seine Sakristei, auch seine Augen waren voller Tr&auml;nen. Der Diakon kam herein und half ihm beim Auskleiden. Er nahm ihm Albe und Zingulum ab, Manipel und die Stola. Und immer noch stand er wie im Traum da.

Nachdem sie ihm die Gew&auml;nder abgenommen hatten, schaute er sie an und fragte.&quot;Was sind das f&uuml;r Blumen, die auf dem Altar standen, wo kamen sie her?&quot;

Sie antworteten ihm:&quot;Was das f&uuml;r Blumen sind, k&ouml;nnen wir auch nicht sagen, aber sie kommen von der Ecke des Schindangers.&quot;

Der Priester zitterte und ging nach Hause und betete.

Am n&auml;chsten Morgen, als es noch d&auml;mmerte, zog er mit den M&ouml;nchen, den Musikanten, den Kerzentr&auml;gern und den Ministranten mit den Weihrauchf&auml;ssern aus. Es war eine gro&szlig;e Schar. Sie kamen an das Ufer der See und dann segnete er das Meer und alle wilden Gesch&ouml;pfe, die darinnen sind.  Auch die Faune segnete er und die kleinen Wesen, die im Wald tanzen, und die hell&auml;ugigen Wesen, die durch die Bl&auml;tter sp&auml;hen. Alle Gesch&ouml;pfe in Gottes Welt segnete er. Alle Leute wunderten sich und waren voll Freude. 

Doch niemals wieder wuchsen auf dem Schindanger Blumen, nein, das Feld blieb unfruchtbar wie zuvor.

Auch kamen die Meerleute nicht mehr in die Bucht, wie sie es zuvor getan hatten, denn sie zogen in einen anderen Teil des Meeres.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>ich suche auch Märchen........</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10727&amp;goto=11070</link>
            <pubDate>Fri, 24 Jun 2011 13:04:18 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Hall&ouml;le Dieter,

danke sch&ouml;n f&uuml;r die ausf&uuml;hrliche Antwort. Ich werde mich langsam durcharbeiten.
Im Moment habe ich soooo wenig Zeit und muss so viel vorbereiten in meiner Ausbildung zur M&auml;rchenerz&auml;hlerin. Aber es macht so Spa&szlig;.

Hempel, Gertud hei&szlig;t die Dame mit dem M&auml;rchen Prinz Aschenbr&ouml;del. Ich habe inzwischen das Buch im Antiquariat erstanden;-)) Die ist wohl auch nicht erlaubt zu ver&ouml;ffentlichen. Hm. Langweilig eigentlich, denn die M&auml;rchen sind sehr sch&ouml;n.

Wer &uuml;brigens mal M&auml;rchen h&ouml;ren m&ouml;chte der schaue auf 
http://maerchen-atelier.de/termine_aktuell.html

Dort finden Erz&auml;hlabende f&uuml;r Erwachsene statt. Am 7.7. trete ich dort vermutlich auch auf. ;-)))
am 29.10. habe ich dort Abschlusspr&uuml;fung. Erz&auml;hlen am Nachmittag f&uuml;r Kleine und abends f&uuml;r gro&szlig;e Menschen!!!

Wer M&auml;rchen mag, und in Schleswig-Holstein wohnt, dem wird es gefallen.
Vielleicht geh&ouml;rt diese Info auch woanders hin, aber ich kenne mich ja noch nicht so aus. Ich hoffe, demn&auml;chst mehr Zeit zu haben und mich mal ausf&uuml;hrlicher mit diesem wundervollen Board zu besch&auml;ftigen.
Bis demn&auml;chst,
liebe Gr&uuml;&szlig;e und nochmals Danke,
Waldengel]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Die wandernde Muttergottes</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10879&amp;goto=11069</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 21:37:14 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Die wandernde Muttergottes

Im Winter des Jahres 1782 bildete sich auf der Donau in der N&auml;he des Dorfes Wittau, im Bereich des heutigen 22. Bezirkes, ein m&auml;chtiger Eissto&szlig;. Riesige Eisschollen trieben auf dem Strom, prallten mit lautem Knallen aufeinander und t&uuml;rmten sich zu gewaltigen Gebirgen auf. Sehr oft passierte es, da&szlig; die einzelnen Eisschollenberge wieder zusammenfroren und die Donau v&ouml;llig verlegten. Der Eissto&szlig; war bei Floridsdorf entstanden und bewegte sich nun donauabw&auml;rts. Die H&uuml;tten der Fischer, die nahe am Ufer standen, wurden mitgerissen und auch die Br&uuml;cken st&uuml;rzten in den Strom und wurden weggeschwemmt.

Viele Schaulustige, aber auch &auml;ngstliche Menschen, die um ihr Leben f&uuml;rchteten, hatten sich am Ufer versammelt um das Schauspiel zu beobachten. Kr&auml;ftige M&auml;nner mit langen Stangen, die an den Spitzen Eisenhaken hatten, versuchten das Eis in Bewegung zu halten, um eine Stauung der Schollen zu verhindern.

Pl&ouml;tzlich ging ein Raunen durch die Menge. Ein kleiner Bub hatte auf einer treibenden Eisscholle einen Menschen ersp&auml;ht. Tats&auml;chlich sahen nun alle eine hochaufgerichtete, ganz ruhig stehende Gestalt auf dem Eis. Die Scholle trieb direkt auf das Dorf Wittau zu und blieb schlie&szlig;lich davor stehen. Nun erkannten die Leute, da&szlig; es kein Mensch, sondern eine Marienstatue war, die so unbeweglich auf dem Eis schwamm. Die M&auml;nner versuchten an die Statue heranzukommen, um sie zu bergen, aber es war ihnen unm&ouml;glich sie zu erreichen und so blieb sie tagelang vor dem Ort bewegungslos stehen, obwohl das Wasser immer weiter anstieg. Die Bewohner von Wittau waren sicher, da&szlig; die Marienstatue zum Schutz ihres Dorfes erschienen war.

An einem sonnigen Morgen, als wieder besonders gro&szlig;e Eisbrocken am Ort vorbeitrieben, wurde ein Mann gesichtet, der sich schon v&ouml;llig ersch&ouml;pft an einer Scholle anklammerte. Er rief verzweifelt um Hilfe, aber die herbeieilenden Bauern konnten ihn nicht erreichen. Da schwamm die Eisscholle, auf der er lag, wie durch ein Wunder in die Richtung der Marienstatue. Mit letzter Kraft ergriff der Mann den herabh&auml;ngenden Ast eines Kastanienbaumes am Ufer und zog sich selbst vom Eis.

Als der Winter mit seinen Schrecken vorbei war, und die Statue am Ufer der Donau stand, erbaute der Mann zusammen mit den Bewohnern von Wittau eine Kapelle zum Andenken an seine wunderbare Rettung, und die &quot;wandernde Muttergottes&quot; wurde auf dem Altar aufgestellt.

Quelle: Wien in seinen Sagen]]></description>
        </item>
        <item>
            <title> Die Teufelsmühle am Wienerberg</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10878&amp;goto=11068</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 21:33:59 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Die Teufelsm&uuml;hle am Wienerberg

Einer alten Sage nach stand au&szlig;er dem Orte Siebenhirten, rechts an der Heerstra&szlig;e, die von Wien nach Neustadt f&uuml;hrt, vor Zeiten eine durch Geisterspuk verrufene M&uuml;hle, einst dem Ritter Kilian geh&ouml;rig, der viele Mordtaten ver&uuml;bt haben soll.

Da sich niemand in die N&auml;he der M&uuml;hle wagte, und diese schon viele Jahre verlassen und &ouml;de dastand, lie&szlig; Herzog Albert, mit dem Zopfe genannt, einen vertrauten, mit Mut begabten jungen Ritter auffordern, die M&uuml;hle des Nachts zu besuchen. Er hoffte, der Spukgeschichte so am sichersten auf die Spur zu kommen, und noch an demselben Tage machte sich Ritter Reinprecht von Wallsee mit mehreren beherzten Knappen auf den Weg und gelangte zur M&uuml;hle, als es bereits dunkelte.

Ein am Wege ruhender Pilger, der sie dem Vorhofe zureiten sah, warnte den Ritter, lieber im Freien, als von Gespenstern umgeben, zu &uuml;bernachten. Dieser aber lie&szlig; sich nicht abhalten, indem er dem Warner scherzend versicherte, da&szlig; er die Lieblingsfarbe der Geister in Erfahrung zu bringen w&uuml;nsche. Am Tore angelangt, befahl er den Knappen, seiner wachend im Stalle zu harren, und schritt mit einer flammenden Fackel durch die verschlossenen Gem&auml;cher der M&uuml;hle nach der Mahlstube, wo er des Nachts zu verweilen beschlo&szlig;.

Da sie still vor&uuml;berzog und sich weder etwas sehen noch h&ouml;ren lie&szlig;, so wollte er die Spukgeschichte bezweifeln; als aber die Diener ihn des Morgens erblickten und nicht ohne Scheu ihm er&ouml;ffneten, da&szlig; seine blendend wei&szlig;en Helmfedern des Nachts in schwarze verwandelt worden seien, erinnerte er sich der Worte, die er zum Pilger gesprochen hatte, und beschlo&szlig;, in den Wienerwald hinauszuziehen, dem Weidwerke obzuliegen und des Nachts wieder in die M&uuml;hle zur&uuml;ckzukehren.

Die vielen Raubanf&auml;lle, die in der N&auml;he der M&uuml;hle vorgefallen waren, machten ihn vorsichtig. Doch da, wo am vorhergehenden Abend der Pilger geruht hatte, erblickte er heute ein junges M&auml;dchen mit einem B&uuml;ndel Reisig auf dem R&uuml;cken, das sich bei seinem Erscheinen verbergen wollte. Er versicherte dem zitternden M&auml;dchen, da&szlig; es ungehindert nach Hause ziehen k&ouml;nne, und die Beruhigte versprach, dankbar seiner im Gebete zu gedenken, damit der schwarze Gottseibeiuns ihm nichts anhaben k&ouml;nne.

Die Knappen, die dem M&auml;dchen einige Spottreden nachschickten, weil es ihrer keine Erw&auml;hnung gemacht hatte, erhielten von dem Ritter den Befehl, ihm heute keinen Weinkrug vorzusetzen. Er hatte in der letzten Nacht dem Weine flei&szlig;ig zugesprochen und erinnerte sich, entschlummert zu sein, weshalb er so manches verschlafen zu haben vermeinte.

Als der Morgen graute und in der M&uuml;hle abermals nichts zu sehen und zu h&ouml;ren und auch an ihm keine Ver&auml;nderung bemerkbar war, wollte er sie verlassen; doch wie erstaunte er diesmal, seine Knappen vom Haupte bis zur Zehe geschw&auml;rzt von Kohlenstaub zu erblicken. Sie gestanden aufrichtig, da&szlig; sie geschlummert haben mochten, weil sie, um sich wach zu halten, dem Weinkrug des Herrn Zugesprochen h&auml;tten. Unmutig, abermals &uuml;berlistet worden zu sein, beschlo&szlig; er, in den Wald hinauszureiten, dort dem Weidwerk obzuliegen und des Nachts neuerdings nach der M&uuml;hle zur&uuml;ckzukehren.

Kein lebendes Wesen lie&szlig; sich heute in der N&auml;he erblicken. Die Knappen mu&szlig;ten diesmal bei ihm verweilen. Grabesstille herrschte rings, nur zu Zeiten vom Klopfen des Holzwurmes oder dem Schwirren einer durch das Licht herbeigelockten Fledermaus unterbrochen. Ms aber die Mitternacht heranr&uuml;ckte, begannen pl&ouml;tzlich mit lautem Gepolter die M&uuml;hlr&auml;der sich zu bewegen, die Steine sich Zu drehen und die Beutelt&uuml;cher sich zu sch&uuml;tteln, da&szlig; ob des Get&ouml;ses Ritter und Knappen sich die Ohren zuhalten mu&szlig;ten. Da kein lebendes Wesen zu erblicken war, sondern unsichtbare Arme die R&auml;der zu bewegen, die Steine zu drehen und die Staubbeutel zu sch&uuml;tteln schienen, so Zwangen die Knappen, von Geisterfurcht ergriffen, den Ritter, noch w&auml;hrend der Nacht die M&uuml;hle zu verlassen. Doch wie staunten Ritter und Knappen, als sie beim rosigen Lichte des Morgens die schwarze Farbe diesmal in die wei&szlig;e verwandelt sahen.

Obwohl der Mehlstaub leichter als der Kohlenstaub von den Kleidern abzusch&uuml;tteln war, so vermochte der Ritter dennoch seinen Unmut nicht zu verbergen, weil er sich keinen R at wu&szlig;te, wie er dem Herzog den Spuk mit dem Farbenwechsel, den er unvorsichtig selbst verschuldet hatte, erz&auml;hlen sollte, ohne dessen Lachlust zu erregen. Der Herzog erfuhr es aber dennoch, als er an einem der Fastnachtstage dem Stechen der Wiener B&uuml;rger auf der Brandstatt beiwohnte; der Schalksnarr, halb wei&szlig;, halb schwarz gekleidet, verk&uuml;ndete n&auml;mlich, da&szlig; er von dem Teufelsm&uuml;ller am Wienerberge, den er f&uuml;r das n&auml;chste Scharlachrennen eingeladen habe, also beschenkt worden sei.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Die liebste Farbe der Geister</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10877&amp;goto=11067</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 21:27:32 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Die liebste Farbe der Geister

In der kleinen Ortschaft Siebenhirten, an der Stra&szlig;e, die von Wien nach Baden f&uuml;hrt, stand vor langer Zeit eine alte verlassene M&uuml;hle, die von Tag zu Tag immer mehr verfiel. Keiner der Bewohner der umliegenden D&ouml;rfer wagte sich in ihre N&auml;he, denn es wurde erz&auml;hlt, da&szlig; es dort in der Nacht spuke.

Am Hofe des Herzogs wurde ein gro&szlig;es Fest abgehalten und viele stolze Ritter waren als G&auml;ste geladen. Manche Geschichte wurde zur Kurzweil der Anwesenden erz&auml;hlt, darunter auch die Spukgeschichte &uuml;ber die alte M&uuml;hle. Der Herzog, der schon lange neugierig war, was denn Wahres daran sei, rief einem jungen Ritter, Reinprecht von Wallsee zu: &quot;Herr Ritter, Ihr seid doch ein tapferer K&auml;mpfer und immer begeistert von neuen Abenteuern! Reitet hinaus zur M&uuml;hle nach Siebenhirten und schaut nach, was dort passiert.&quot;

Ohne Zaudern lie&szlig; Reinprecht sein Pferd satteln, rief seinen Knappen und ein paar kr&auml;ftige Knechte herbei und machte sich mit ihnen auf den Weg. Es dunkelte bereits, als sie von einem H&uuml;gel aus die M&uuml;hle erblickten. Am Wegrand sa&szlig; ein m&uuml;der Wandersmann und gr&uuml;&szlig;te sie ehrerbietig. &quot;Wohin wollt Ihr zu so sp&auml;ter Stunde?&quot;, fragte er den Ritter.

&quot;Wir sind auf dem Weg in die M&uuml;hle und wollen den Geistern beim Abendessen Gesellschaft leisten!&quot;, rief Ritter Reinprecht &uuml;berm&uuml;tig. Der Wanderer warnte ihn: &quot;Ihr solltet lieber nicht hineingehen, denn mit den Geistern wohnt es sich nicht gut unter einem Dach!&quot; - &quot;Wir wollen ja nicht ewig dort bleiben&quot;, lachte der J&uuml;ngling, &quot;sie sollen uns nur ihre liebste Farbe kundtun.&quot;

Die kleine Schar setzte ihren Weg fort und ritt in den Hof der M&uuml;hle ein. Zuerst wurden die Pferde untergestellt und versorgt, dann betraten sie die verfallene Mahlstube. Nachdem er eine Fackel entz&uuml;ndet hatte, lie&szlig; Reinprecht sich von seinem Knappen Speise und Trank zubereiten. Der Ritter wollte die Nacht Wache haltend in der Stube verbringen, w&auml;hrend der Knappe und die Knechte bei den Pferden bleiben sollten. Doch die Stunden verrannen nur langsam und so trank der J&uuml;ngling einen Becher Wein nach dem anderen, bis er sanft entschlummerte.

Am n&auml;chsten Morgen fragte Reinprecht seine Leute, ob w&auml;hrend der Nacht etwas Verd&auml;chtiges vorgefallen sei. Sie lachten herzlich, starrten dabei auf seinen Helm und sagten: &quot;Bei uns nicht!&quot; Der Ritter nahm den Helm ab und sah, da&szlig; sein wei&szlig;er Federbusch, der die Kopfbedeckung zierte, &uuml;ber Nacht schwarz geworden war. Er &auml;rgerte sich sehr, da&szlig; er eingeschlafen war und nahm sich vor in der n&auml;chsten Nacht keinen Wein mehr zu trinken.

Die M&auml;nner verbrachten den ganzen Tag auf der Jagd und als sie einen kapitalen Hirsch erlegt hatten, ritten sie zur&uuml;ck zur M&uuml;hle. An der gleichen Stelle, an der sie am Vortag den Wandersmann getroffen hatten, sa&szlig; nun ein junges M&auml;dchen, das Reisig gesammelt hatte. &Auml;ngstlich blickte es den Reitern entgegen.

&quot;F&uuml;rchte dich nicht! Du solltest dich beeilen, denn die Nacht bricht schon herein!&quot;, sprach der Ritter freundlich. &quot;Habt vielen Dank f&uuml;r Eure Sorge, Herr Ritter! Ich will f&uuml;r Euch ein Gebet sprechen, damit kein Teufel Euch schaden kann&quot;, erwiderte das M&auml;dchen sch&uuml;chtern und setzte seinen Weg fort.

Reinprecht und seine M&auml;nner erreichten die M&uuml;hle und nahmen ihre Pl&auml;tze ein, wie in der Nacht zuvor. Der Ritter blieb die ganze Nacht wach und als bis zum Morgen nichts Au&szlig;ergew&ouml;hnliches geschehen war, beschlo&szlig; er das Abenteuer zu beenden. Als er dann aber seine M&auml;nner drau&szlig;en im Hof sah, die eingeschlafen waren, weil sie den Wein zu &uuml;ppig genossen hatten, war die &Uuml;berraschung gro&szlig;. Alle waren sie von Kopf bis Fu&szlig; schwarz mit Asche best&auml;ubt. Nun mu&szlig;ten sie doch noch eine Nacht in der M&uuml;hle verweilen, um die Geister zu Gesicht zu bekommen.

In dieser dritten Nacht blieben alle zusammen in der Mahlstube sitzen. Lange Zeit war es v&ouml;llig still und man h&ouml;rte nur ab und zu ein K&auml;uzchen rufen. Doch dann schlug es von der nahen Turmuhr Mitternacht und im selben Moment begannen sich die morschen M&uuml;hlr&auml;der zu drehen und die schweren Mahlsteine bewegten sich mit ohrenbet&auml;ubendem L&auml;rm. Der Knappe und die Knechte sahen ihr Heil nur in der Flucht und auch Ritter Reinprecht, dem das alles nicht geheuer war, verlie&szlig; &uuml;berst&uuml;rzt die Stube. Den Rest der Nacht verbrachten die M&auml;nner bei ihren Pferden in unruhigem Schlaf.

Am n&auml;chsten Morgen war das Erstaunen gro&szlig;, denn alle M&auml;nner waren zur G&auml;nze mit Mehlstaub bedeckt. Drei N&auml;chte lang hatten die Geister der M&uuml;hle ihren Schabernack mit den M&auml;nnern getrieben und Ritter Reinprecht von Wallsee mu&szlig;te sich damit abfinden, da&szlig; der Herzog und mit ihm ganz Wien &uuml;ber sein Abenteuer lachten.

Quelle: Wien in seinen Sagen]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Speising</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10876&amp;goto=11066</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 21:03:00 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Speising

Ein Babenbergerherzog verirrte sich auf einer Jagd im Wienerwald und erreichte in sp&auml;ter Nacht sieben Holzknechth&uuml;tten, die inmitten des Waldes lagen. Die Knechte empfingen den Herzog mit Freuden, und er lie&szlig; sich auch die ihm vorgesetzten Speisen gut schmecken.

Als er am folgenden Morgen von ihnen Abschied nahm, beschenkte er sie so reichlich, da&szlig; sie zum Andenken an diese gro&szlig;e Wohltat ihre Ansiedlung &quot;Speising&quot; (Speis eng = ich speise euch) benannten.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952]]></description>
        </item>
        <item>
            <title> Der Prater und seine Geschichte/2</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10875&amp;goto=11065</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 20:59:24 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Prater und seine Geschichte/2

Als Kaiser Karl im Jahre 791 gegen die Awaren zog, war &Auml;nother in seinem Gefolge. Damals wurde auch die Gegend, in der einst die R&ouml;merstadt Vindobona gestanden, von der Barbarenherrschaft befreit, und &Auml;nother machte sich nach beendigtem Kriegszuge in diesem Landstriche ans&auml;ssig. Wohl mag bei der Aufz&auml;hlung seiner Taten nach damaliger Sitte viel Fabelhaftes mit unterlaufen sein, aber dieser Riese an Gestalt und K&ouml;rperkraft hat unstreitig wirklich existiert, auch sind solche Leute bis in die neueste Zeit auffindbar gewesen, wenngleich von ihnen keine Wunderdinge berichtet werden.

Das Geschlecht des Riesen &Auml;nother pflanzte sich in &Ouml;sterreich fort und war durch altgewohnte Umgestaltung aller Namen endlich als Familie Ain&ouml;der oder Eineder eingeb&uuml;rgert. Die Nachkommen wurden s&auml;mtlich Gewerbsleute, die sich ehrlich ern&auml;hrten; und wie es mit dem Menschenstamme &uuml;berhaupt ging, so geschah es auch mit diesen oder jenen Familien, sie unterschieden sich immer mehr von ihren Ahnen, die ihnen an Geistesund K&ouml;rperkr&auml;ften oft weit &uuml;berlegen waren. Eines der hervorragendsten Beispiele ersehen wir aus folgendem:

Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts befand sich am Stubentore die sogenannte &quot;Stadt Tafferne&quot; (Weinschenke, Weinstube), und zwar in dem Hause der Wollzeile, welches heute die Nummer 17 (fr&uuml;her 778) tr&auml;gt. Von dieser alten Weinstube erhielt auch das Stubentor- und Viertel seinen Namen. In derselben war ein absonderlich klein und verkr&uuml;mmt gewachsenes, etwa zwanzigj&auml;hriges B&uuml;rschchen namens Michael Ain&ouml;ther als Schankjunge (Kellner) bedienstet. Er war ein gerader Abk&ouml;mmling des vorerw&auml;hnten Riesen, aber wie verk&uuml;mmert sah er aus. Michael war kaum 1 &frac14; Meter hoch, r&uuml;ckw&auml;rts mit einem hochgew&ouml;lbten H&ouml;cker versehen, er hielt sich aber wacker auf seinen Krummbeinen aufrecht und bediente seine G&auml;ste mit einer Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Gewandtheit, da&szlig; - statt &uuml;ber die Mi&szlig;geburt zu spotten, was leider gar viele unvern&uuml;nftige Leute tun - die Schenkebesucher gro&szlig;e Achtung vor dem t&auml;tigen Zwerglein hat- ten, welches das Gesch&auml;ft besser verstand als sein wohlgebauter Chef, der sich auf seine m&auml;nnliche Sch&ouml;nheit und seinen Verm&ouml;gensbesitz nicht wenig einbildete, ja sich beinahe entw&uuml;rdigt hielt, wenn er an etwas selbst Hand anlegen sollte. Das blasse, aber geistvolle Gesicht des J&uuml;nglings sp&auml;hte jedoch schon vorher nach den Bed&uuml;rfnissen eines Gastes, bevor dieser darum sich meldete, und so kam es, da&szlig; der &quot;Taffern-Micherl&quot;, wie er allge- mein hie&szlig;, mehr G&ouml;nner unter den B&uuml;rgern der Reichshauptstadt Wien z&auml;hlte, als sich der geckenhafte Wirt, sein Herr, tr&auml;umen lie&szlig;.

Michael mochte &uuml;ber ein Jahr Kellnerdienste in der Tafferne versehen und an ersparten Geschenken bei seiner einfachen Lebensweise ein paar Groschen sich zur&uuml;ckgelegt haben, als der Geist seines Ahnherrn, des Riesen, &uuml;ber ihn kam und eine treffliche Idee in dem Gehirne des kleinen K&ouml;pfchens auftauchte.

Zu jener Zeit gab es in Wien keine &ouml;ffentlichen Vergn&uuml;gungsorte, aber die Wiener gingen gern in der Richtung der Praterauen spazieren, da die herrlichen Wiesen doch gar zu einladend waren. Besonders tummelte man sich dort auf einem Platze herum, der am Ende der J&auml;gerzeile, von der Gegend des jetzigen Nordbahngeb&auml;udes an bis zum heutigen sogenannten Praterstern oder Eingang in den Prater, lag, mit sch&ouml;nen B&auml;umen besetzt war, der Gemeinde Wien geh&ouml;rte und deshalb das Stadtgut hie&szlig;.

Michael teilte nun einst seinen G&auml;sten die k&ouml;stliche Idee mit, auf dem Stadtgute ein Wirtshaus zu errichten, was die ehrenfesten Wiener B&uuml;rger f&uuml;r so herrlich erkl&auml;rten, da&szlig; sie sich erboten, dem durch seinen Flei&szlig; sowie durch Kenntnisse im Gesch&auml;ft und seine so oft bew&auml;hrte Rechtschaffenheit beliebten Jungen die n&ouml;tigen Summen vorzustrecken. So erbat denn Michael Ain&ouml;ther vom Magistrate die Bewilligung und erhielt sie durch rege F&uuml;rsprache. Das neuerbaute, bescheiden eingerichtete Lokal wurde am 1. Mai 1603 er&ouml;ffnet und trug &uuml;ber dem Eingangstore die erg&ouml;tzlichen Verse:


&quot;Gott behuet dies Haus so lang,
Bis ein Schneck die Welt umgang,
Und ein Ameis d&uuml;rst so sehr,
Da&szlig; &#039;s austrinkt &#039;s ganze Meer.&quot;


Das Gl&uuml;ck, welches das Unternehmen hatte, war fabelhaft. Schon im Sommer desselben Jahres mu&szlig;te das Lokal vergr&ouml;&szlig;ert werden. Es wurde eine Kegelbahn angelegt, und bereits im Jahre 1608 verwandelte sich die h&ouml;lzerne H&uuml;tte in ein h&uuml;bsches steinernes Haus, auf welches die vorerw&auml;hnte Inschrift ebenfalls &uuml;bertragen wurde. Anfangs bekam man daselbst nur Bier und Wein geringer Sorte, dazu Cervelatw&uuml;rste und K&auml;se; da aber bald die ansehnlichsten B&uuml;rgerfamilien Wiens dort abends und an Feiertagen Erholung suchten, wurden feinere Getr&auml;nke und Speisen ebenfalls verabreicht.

Michael wurde reich, heiratete ein braves h&uuml;bsches M&auml;dchen, das seinerzeit schon mit ihm in der Stadt-Tafferne gedient und seine guten Eigenschaften sch&auml;tzengelernt hatte, kaufte sich 1625 eine kleine Besitzung in Haugsdorf, trieb aber seine eintr&auml;gliche Wirtschaft bis zu seinem am 25. April 1651 im 71. Lebensjahre erfolgten Tode mit stets gleichem Eifer weiter.

Nach seinem Tode ging das Praterwirtshaus durch Kauf in andere H&auml;nde &uuml;ber, und es fanden sich andere Unternehmer, die in der N&auml;he Geb&auml;ude auff&uuml;hrten und zu den Kegelbahnen und Marionetten, die Michael schon eingef&uuml;hrt hatte, noch Schaukeln und andere Belustigungen f&uuml;gten. Namentlich wurden zur Erg&ouml;tzung der Kinder in einfachen Holzbuden etliche Puppentheater errichtet, an denen der lustige Hanswurst eine Hauptrolle spielte. Danach wurde die &Ouml;rtlichkeit &quot;Wurstelprater&quot; genannt.

Im Jahre 1723 geriet dieser Vergn&uuml;gungsort durch abermaligen Fortschritt aus dem Gem&uuml;tlichen heraus in das Elegante; man a&szlig; dort Spargel, Krebse, Schinken, H&uuml;hner, Wildbret, feines Backwerk usw. Als Kaiser Joseph II. im Jahre 1766 den Prater freigab, zog sich der noch &uuml;briggebliebene gem&uuml;tliche Teil des Wurstelpraters in den noch heute also bezeichneten Teil der Auen, w&auml;hrend der elegante sich in der Hauptallee und den dort erbauten Kaffeeh&auml;usern ausbreitete. Der Sch&ouml;pfer aber aller heutigen Praterbelustigungen ist der &quot;Taffern-Micherl&quot;, und sein Verdienst um das popul&auml;rste Vergn&uuml;gen der Wiener Bev&ouml;lkerung ist sicher eines Andenkens wert.


Quelle: Die sch&ouml;nsten Sagen aus Wien]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Prater und seine Geschichte/1</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10874&amp;goto=11064</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 20:55:29 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Prater und seine Geschichte/1

Das Alter des Namens reicht in das zw&ouml;lfte Jahrhundert zur&uuml;ck. Es schenkte im Jahre 1194 Herzog Friedrich I. von &Ouml;sterreich, aus dem Stamme Babenberg - beigenannt der Katholische -, einige Wiesen dieser Au einem adligen Geschlechte, de Prato, und diese Familie stritt noch im Jahre 1329 mit anderen um den Besitz der nach ihr genannten Au. Sie schrieb sich sp&auml;ter Prater und nahm von den Wiesen ihres Besitztumes noch den zweiten Beinamen &quot;von Wiesen&quot; an, unter welchem sich dieses Geschlecht ferner in &Ouml;sterreich fortpflanzte.

Zu vorerw&auml;hnter Zeit war diese Gegend Eigentum des jeweiligen Landesf&uuml;rsten, im dreizehnten Jahrhundert erhielt das Stift Klosterneuburg einen Teil davon. Die Stadt Wien, einige geistliche Institute besa&szlig;en ebenfalls Gr&uuml;nde daselbst. W&auml;hrend der Anwesenheit der Ungarn unter Matthias Corvinus (1484) wurde der Name dieser Gegend in &quot;Bardea&quot; verwandelt, doch Kaiser Maximilian I. gab ihr 1505 die urspr&uuml;ngliche Benennung zur&uuml;ck.

Im Jahre 1564 gelangte Kaiser Maximilian II., der gewaltige J&auml;ger und Jagdfreund, derselbe, der auch das Jagdschl&ouml;&szlig;chen Sch&ouml;nbrunn erbaut hat, zur Regierung und wollte in n&auml;chster N&auml;he der Residenz sich den Vergn&uuml;gungen der Jagd hingeben. Er l&ouml;ste nun einige Teile des Praters ein, nahm andere in Pacht und verschlo&szlig; endlich den ganzen Bezirk mit Z&auml;unen und Planken, und so entstand der kaiserliche Forst.

Bereits in den Jahren 1537 und 1538 waren vom Kaiser Ferdinand I. die Kastanienalleen angelegt worden, wobei die jetzige Hauptallee eine L&auml;nge von 4734 Meter erhielt und bis zum J&auml;gerhause (heute &quot;Lusthaus&quot; genannt) f&uuml;hrte. Der Grund zur J&auml;gerzeile (heute Praterstra&szlig;e) wurde 1569 gelegt, da Kaiser Maximilian II. auf dem Boden dieser Vorstadt f&uuml;r seine J&auml;ger kleine H&auml;user in einer &quot;Zeil&quot; (Reihe) bauen lie&szlig;.

Im Jahre 1592 erging unter Kaiser Rudolf II. in betreff des Praters das Verbot: &quot;Niemand soll in unserer Au, dem Prater, zur Sommer- oder Winterzeit gehen, fahren, reiten, hetzen, jagen oder fischen, ohne Willen des kaiserlichen Forstknechtes (Hofj&auml;gers) Hanns Bengel.&quot; - Dieser F&ouml;rster entsprach seinem Namen in der Tat, denn er entwickelte gegen harmlose Naturfreunde, die ihn um die Erlaubnis ersuchten, sich in den Auen ergehen zu d&uuml;rfen, eine urw&uuml;chsige Grobheit; gegen solche aber, die ohne Erlaubnis den Prater betraten, ging er auf die roheste Weise vor.

Der Zwang des Einlasses wurde wohl unter Kaiser Karl VI. gemildert, aber nur der hohe Adel hatte das Gl&uuml;ck, des Praters Gr&uuml;n, nota bene aus dem Wagen heraus, zu genie&szlig;en, am Gesange der V&ouml;gel sich zu erg&ouml;tzen; denn er wurde nur im Monat Mai f&uuml;r elegante Equipagen ge&ouml;ffnet, wobei es streng verboten war, aus dem Wagen zu steigen. Der damalige Forstmeister, Herr Johann Franz Bernrieder, war mit der Aufsicht betraut, und er bot gerade das Gegenteil vom rohen &quot;Bengel&quot;, denn er zeichnete sich durch so &uuml;bergro&szlig;e H&ouml;flichkeit aus, da&szlig;, als einst der Erzherzogin Maria Theresia (der sp&auml;teren gro&szlig;en Kaiserin) ein prachtvolles Scho&szlig;h&uuml;ndchen aus der Equipage fiel, er dasselbe mit der an das quietschende Tierchen gerichteten respektvollen Ermahnung: &quot;Euer Gnaden sollten halt k&uuml;nftig vorsichtiger sein!&quot; der hohen Herrin in den Wagen reichte. Auf Maria Theresia machte diese Szene einen so unvertilgbar komischen Eindruck, da&szlig; sie noch in den sp&auml;testen Tagen gern diese Begebenheit erw&auml;hnte und sich im vertraulichen Scherze dieses Ausdruckes als Sprichwort bediente.

Im Jahre 1766 bestimmte aber der unverge&szlig;liche Menschenfreund Kaiser Joseph II. diese Au zu einem allgemeinen Belustigungsorte und gestattete w&auml;hrend der Sommermonate den Spaziergang in derselben jedermann bis zum Untergange der Sonne. Erst mit einbrechender Nacht wurde das Einla&szlig;gitter geschlossen, welche Sperre drei B&ouml;llersch&uuml;sse dem Publikum verk&uuml;ndeten. Bei der Er&ouml;ffnung machte ein Kavalier den Kaiser darauf aufmerksam, da&szlig; Seine Majest&auml;t sich jetzt unter das gemeine Volk werde mengen m&uuml;ssen, worauf der erhabene Sch&auml;tzer der Menschheit trocken erwiderte: &quot;Wenn ich stets unter meinesgleichen herumwandeln wollte, d&uuml;rfte ich nur in der kaiserlichen Gruft spazierengehen.&quot;

Im Jahre 1775 lie&szlig; Joseph II. auch das Gitter niederrei&szlig;en, und der Prater war somit zu jeder Jahres- und Tageszeit zug&auml;nglich. Gleich nach dieser allgemeinen Er&ouml;ffnung war die sch&ouml;ne Kastanienallee im Hauptteile der Sammelplatz der besseren Gesellschaft geworden, 1786 wurden dort Kaffeeh&auml;user angelegt, sp&auml;ter ein Panorama errichtet und im Jahre 1808 der weltber&uuml;hmte Zirkus de Bach er&ouml;ffnet.

Die sogenannte Praterfahrt entfaltete schon zur Zeit Kaiser Josephs ihren &uuml;ppigsten Flor, aber auch schon damals erlaubte man sich Unzuk&ouml;mmlichkeiten, insbesondere mit dem Schnell- und Vorfahren. Ein B&uuml;rger, der von einem reichen Kavalier &uuml;berfahren worden war, kam zu Kaiser Joseph in den Kontrollorgang der Burg und zeigte seinen verwundeten Arm. Der Kaiser fragte, was er f&uuml;r eine Entsch&auml;digung begehre. &quot;Ich bin selbst verm&ouml;glich&quot;, antwortete der B&uuml;rger, &quot;und verlange blo&szlig;, da&szlig; der &Uuml;berm&uuml;tige einen derben Denkzettel in &ouml;ffentlicher Besch&auml;mung erhalte, damit andere seinesgleichen den B&uuml;rger besser schonen.&quot; - Der Kaiser erf&uuml;llte die Bitte, und von da an fuhr man langsamer.

In dem verh&auml;ngnisvollen Jahre 1809 war der Prater der Schauplatz kriegerischer Vorg&auml;nge. Am 10. Mai wurden von den &ouml;sterreichischen Truppen vom Augarten an, &uuml;ber den sogenannten Sch&uuml;ttel, bis an die Donau Schanzen aufgeworfen, hohe B&auml;ume umgehauen und zu Verhauen verwendet, die ganze Linie bis zum Lusthause im Prater mit Kanonen, einem Bataillon Grenadiere und mit der Landwehrmannschaft besetzt. Am 11. Mai beorderte Napoleon I., Kaiser von Frankreich, am Donauarme bei Simmering zwei Kompagnien Voltigeurs, um das Lusthaus einzunehmen. Vom jenseitigen Ufer wurden Schiffe geholt, eine Br&uuml;cke geschlagen, die Kapit&auml;ne setzten mit den Kompagnien &uuml;ber, und es begann nun der Kampf um das Geb&auml;ude, der so hartn&auml;ckig gef&uuml;hrt wurde, da&szlig; es den Franzosen nicht gelang, den aus Wien abr&uuml;ckenden &ouml;sterreichischen Truppen den &Uuml;bergang auf das jenseitige Donauufer abzuschneiden. Im Jahre 1814 war der Prater der Schauplatz der gl&auml;nzendsten Festlichkeiten des Wiener Kongresses.

Ja, wo ist denn der Wurstelprater geblieben? So h&ouml;re ich euch, liebe Leser, fragen. Die Geschichte des Wurstelpraters will ich euch gesondert im nachfolgenden erz&auml;hlen. Den Wurstelprater gr&uuml;ndete der - Taffern-Micherl.

Was dessen Familie und Herkommen betrifft, hat er einen sehr interessanten Stammvater. Es lebte erselbe am Hofe des ersten deutschen Kaisers, Karl des Gro&szlig;en, bei dem er bedienstet war. Er hie&szlig; &Auml;nother, auch Einheer, und war deshalb so genannt, weil er - ein furchtbarer Riese - blo&szlig; durch seinen Anblick ein ganzes Heer in die Flucht trieb, sich im Kriege gegen die B&ouml;hmen, Wenden und Hunnen auszeichnete und den Feinden seines Monarchen stets den gr&ouml;&szlig;ten Schrecken verursachte. Er war ein geborener Schweizer, und von ihm erz&auml;hlt ein Zeitgenosse Rudolfs von Habsburg: &quot;&Auml;nother konnte die gro&szlig;en St&ouml;me, so nicht bebr&uuml;cket waren, durchwaten, wann sie auch noch so tief waren. Als er unter seine Feinde, die Wenden, kam, da zuckete er sein Schwert und meyete [m&auml;hte] nicht anders darunter, als ein Gro&szlig;meyer auf der Wiesen zu tun pflegt. Die erschlagenen Menschen steckte er, als w&auml;ren es kleine V&ouml;glein, an seinen baumlangen Spie&szlig; und hing sie &uuml;ber seine Schulter. Wann er, nachdem er wieder nach Hause zu den Seinigen gelanget, wegen des Ausgangs des Krieges befragt wurde und wie stark der Feind gewesen, hatte er im Zorne geantwortet: &#039;Was soll ich von den kleinen Fr&ouml;schlein viel erz&auml;hlen? Ich habe manchmal ihrer sieben bis acht an meinen Spie&szlig; gesteckt und sie hin und wider getragen, wiewohl sie, ich wei&szlig; nicht was, dagegen gequaket haben. Der Kaiser und wir haben ganz vergeblich wider solche kleine W&uuml;rmlein so gro&szlig;e Unkosten zum Kriege angewendet.&#039;&quot;]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der goldene Brunnen</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10873&amp;goto=11063</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 20:46:58 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der goldene Brunnen

Als die Leopoldstadt noch vor den Stadtmauern Wiens in den sumpfigen Donauauen lag, war die Taborstra&szlig;e die einzige Verbindung zwischen Norden und S&uuml;den. Das &auml;lteste Wirtshaus &quot;Zum Goldenen Brunnen&quot;, das hier stand, war nie leer, weil viele Kaufleute, Kutscher und Wanderer einkehrten. Der Wirt und seine Frau waren zufrieden und lebten gut von ihren Einnahmen.

Doch eines Tages brach der Krieg aus, Seuchen suchten die Bev&ouml;lkerung heim und auch die Handelsleute blieben aus. Immer weniger G&auml;ste kamen in das Wirtshaus, und die Besitzer mu&szlig;ten sich sogar Geld leihen, um das Haus nicht zu verlieren.

Als die Lage immer schlimmer wurde, beschie&szlig; die gl&auml;ubige Frau zum Stephansdom zu pilgern um die Mutter Gottes um Hilfe anzuflehen. Im Dom angekommen, kniete sie vor der Marienstatue nieder und sprach ihre F&uuml;rbitte. Maria fl&uuml;sterte ihr zu: &quot;Gehe nach Hause und sch&ouml;pfe aus dem Hausbrunnen Wasser f&uuml;r die Pferde. Auf dem Boden jedes Eimers wirst du ein Goldst&uuml;ck finden. Entnimm aber dem Brunnen nie mehr Wasser, als die Tiere brauchen.&quot;

Die gl&uuml;ckliche Wirtin eilte nach Hause und berichtete ihrem Mann von der Prophezeiung. Weil die Pferde gerade getr&auml;nkt werden mu&szlig;ten, holten sie zwei Eimer Wasser aus dem Brunnen, und wirklich fanden sie die versprochenen Goldst&uuml;cke auf den B&ouml;den der Eimer. Von nun an hatte alle Not ein Ende. Die Wirtsleute konnten nach und nach ihre Schulden begleichen, und auch das Gasthaus wurde erneuert. Nun trug das Haus den Namen &quot;Zum Goldenen Brunnen&quot; zurecht.

Aber wie es in der Natur mancher Menschen liegt, packte den Wirt die Habgier. Er wollte mehr Goldst&uuml;cke auf einmal haben und so schlich er eines Nachts zum Brunnen und sch&ouml;pfte einen Eimer Wasser heraus, ohne da&szlig; die Pferde ihn ben&ouml;tigten. Er leerte das Wasser achtlos auf den Boden und suchte nach dem Goldst&uuml;ck. Aber es war keines drinnen. Noch einmal lie&szlig; er den Eimer in den Brunnen hinunter, doch ein Goldst&uuml;ck war darin nicht zu finden. Traurig d&auml;mmerte ihm die Erkenntnis, da&szlig; die Goldquelle versiegt war, weil er gegen die Anweisungen der Gottesmutter versto&szlig;en hatte.

Der Wirt beichtete seiner Frau die ruchlose Tat, aber im Grunde genommen waren sie trotzdem dankbar, da&szlig; Maria ihnen in ihrer G&uuml;te in den schlechten Kriegszeiten geholfen hatte, das Gasthaus zu erhalten.

Quelle: Wien in seinen Sagen]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Das Maria Pötsch-Bild</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10872&amp;goto=11062</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 20:43:20 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Das Maria P&ouml;tsch-Bild

In alten Zeiten als es in Wien noch keinen Postdienst gab, trugen Boten, die L&auml;ufer genannt wurden, Briefe und Pakete aus. Man w&auml;hlte daf&uuml;r nur besonders zuverl&auml;ssige und ehrliche M&auml;nner, denn man wollte sicher sein, da&szlig; wichtige amtliche Briefe oder wertvolle Gegenst&auml;nde auch tats&auml;chlich bei den Empf&auml;ngern abgeliefert wurden.

In der Leopoldstadt lebte Florian, der schon viele Jahre das Amt des Stadtl&auml;ufers rechtschaffen aus&uuml;bte, in einer kleinen Kammer direkt unter dem Dach eines alten Hauses. Es war ein sehr h&uuml;bsches und ordentliches Zimmer, in dem er in einer Ecke einen kleinen Hausaltar errichtet hatte. Es fehlte nur noch ein sch&ouml;nes Heiligenbild, das den Altar schm&uuml;cken sollte.

So betrat er einen Laden in der Inneren Stadt, der mit Devotionalien handelte, trug dort dem Kaufmann sein Anliegen vor und bat ihn, ihm bei der Auswahl des Bildes behilflich zu sein. Der Mann empfahl ihm das Gnadenbild &quot;Maria P&ouml;tsch&quot; zu w&auml;hlen, das vor Feuer und Fieber sch&uuml;tzen sollte. Das Original dieses Bildnisses war 1697 aus Ungarn nach Wien geholt worden und hatte die Stadt w&auml;hrend der Belagerungen in den T&uuml;rkenkriegen besch&uuml;tzt. Nun stand es auf dem Hochaltar in Sankt Stephan und manchmal geschah es, da&szlig; das Marienbild weinte.

Florian, der sehr beeindruckt von den Tr&auml;nen der Maria war, kaufte die Kopie des Bildes und schm&uuml;ckte damit seinen Hausaltar. Dort stand sie lange Zeit und so manches Gebet wurde von dem Stadtl&auml;ufer davor gesprochen.

Eines Tages als Florian gerade einen wichtigen Brief zur Ratsstube brachte, h&ouml;rte er vom Stephansturm den Feuerruf und sah die rote Fahne, die in die Richtung der Leopoldstadt wies. Er ahnte Schlimmes und lief so schnell er konnte zu seinem Wohnhaus. Dort mu&szlig;te er sehen wie es lichterloh brannte, nichts verschonten die prasselnden Flammen und nur die Grundmauern blieben stehen. Alles, was Florian besa&szlig;, hatte er verloren.

Zu Tode betr&uuml;bt stocherte er in den verkohlten &Uuml;berresten und als er einen Mauerstein zur Seite schob, fiel sein Blick auf das v&ouml;llig unversehrt gebliebene Maria-P&ouml;tsch-Bild von seinem Hausaltar. Er hob es auf und frohe Hoffnung erf&uuml;llte sein Herz. Er glaubte nun an einen gl&uuml;cklichen Neubeginn durch die Gnade des wundersamen Bildnisses.

Ein freundlicher Nachbar bot ihm eine kleine Stube an, in der er f&uuml;r die erste Zeit wohnen konnte. Jeden Abend nach getaner Arbeit verrichtete Florian sein Gebet vor dem Bild, das er als einziges Besitztum in der Kammer aufgeh&auml;ngt hatte.

Als er wieder einmal davor niederkniete, erf&uuml;llte sich der winzige Raum mit strahlendem Licht und eine wundersch&ouml;ne zarte wei&szlig;gekleidete Frau erschien vor ihm. Mit sanftem L&auml;cheln legte sie einen prall gef&uuml;llten Geldbeutel vor das Gnadenbild und verschwand.

Nun hatte alle Not ein Ende. Florian konnte sich eine neue Wohnung mieten und alle Dinge, die er zum Leben brauchte, anschaffen. Das Bildnis aber h&auml;ngte er an einen Baum in der Praterstra&szlig;e, damit viele Menschen davor um Hilfe beten konnten. Einige Zeit sp&auml;ter wurde das Maria-P&ouml;tsch-Bild in die Pfarrkirche Sankt Nepomuk gebracht und dort f&uuml;r die Gl&auml;ubigen aufgestellt.

Quelle: Wien in seinen Sagen]]></description>
        </item>
        <item>
            <title> Die Hausmutter und St. Florian im Himmelpfortkloster</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10871&amp;goto=11061</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 18:49:54 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Die Hausmutter und St. Florian im Himmelpfortkloster

Die Oberin des Klosters zur Himmelpforte, Barbara Pauboffer, fand, als man im Klostergeb&auml;ude baute, ein Marienbild in einem abgelegenen Winkel, aber derma&szlig;en schwarz und w&uuml;st aussehend, da&szlig; man sowohl das hohe Altertum desselben als auch Denkzeichen des Feuers, in dem es nicht ohne Wunderwerk erhalten worden sein mu&szlig;, daran wahrnahm und das Bild von sich selbst Zeugnis dar&uuml;ber gab. Die w&uuml;rdige Frau, aus Andacht gegen die g&ouml;ttliche Mutter, befahl, das Gem&auml;lde zu s&auml;ubern und auszubessern. Allein kaum hatte der Maler seine Arbeit verrichtet, so fiel die Farbe wieder ab, und es schien, die Muttergottes trage gr&ouml;&szlig;eres Gefallen an dem Altertum und an der vorigen Schw&auml;rze, weil sie in den hohen Liedern zwar ihre Sch&ouml;nheit, jedoch aber auch ihre Schw&auml;rze selbst r&uuml;hmt. Diese ungew&ouml;hnliche Sache setzte die Klosterfrauen in gr&ouml;&szlig;te Verwunderung. Sie &uuml;bertrugen das Bild in ihre Hauskapelle, setzten es auf einen Altar und erw&auml;hlten es zur Hausmutter ihres Klosters. Und nicht vergeblich, denn diesem Gnadenbild schrieb man es zu, da&szlig; bei der Pest im Jahre 1679 in diesem Kloster niemand starb. Nach der Aufhebung des Klosters wurde das hochverehrte Bild in die Stephanskirche &uuml;bertragen.

Ein anderer Schutzpatron des Klosters war der hl. Florian, dem man als Dank eine eigene Kapelle errichtet hatte. Als sich das Kloster einst in einer gro&szlig;en Feuersgefahr befand, da lie&szlig; sich der Heilige mit einem goldenen Harnisch bekleidet sehen und wehrte das Feuer ab.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Die Muttergottes zu St. Lorenz in Wien</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10870&amp;goto=11060</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 18:46:30 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Die Muttergottes zu St. Lorenz in Wien

In dem wohlehrw&uuml;rdigen Frauenkloster zu St. Lorenz in Wien, berichtet eine alte Handschrift, befand sich ein Bildnis Mari&auml;, &quot;welches nicht gar Ellen hoch, aus Holz geschnitzt und mit mancherlei Farben geschm&uuml;ckt ist, daselbst in einem Sessel sitzend den Urheber aller Gnaden, Jesum ihr S&ouml;hnlein, auf ihrem Sch&ouml;&szlig;e h&auml;lt. Das Haupt der Mutter ist mit einem wei&szlig;en H&auml;ublein bedeckt, die beiderseits &uuml;ber den Hals auf die Brust herabflie&szlig;enden Haare sind in Z&ouml;pfen geflochten. Das Jesuskind ist ohne H&auml;ublein, mit ausgestreckten H&auml;ndlein, &uuml;ber die linke Achsel und um die Mitte des Leibes mit einer Binde gebunden&quot;.

Von diesem Bildnis wurde durch mehr denn anderthalb hundert Jahre her best&auml;ndig im Stift bei St. Lorenz einhellig erz&auml;hlt. Alle redeten aus dem Munde ihrer Vorfahren, da&szlig; es auf ihrem Chore so lange and&auml;chtig verehrt worden sei, bis jener ungl&uuml;ckliche Tag angebrochen, an welchem von den grausam w&uuml;tenden Feuersflammen das Gotteshaus und Frauenstift ergriffen wurde. Alle waren damals beflissen, was sie konnten dem verzehrenden Feuer zu entrei&szlig;en, doch niemand war eingedenk, das Marianische Bild in Sicherheit zu bringen. Es ist solches demnach von den Flammen ergriffen worden, da&szlig; es au&szlig;er den Fu&szlig;sohlen des Kindleins und der &uuml;ber die F&uuml;&szlig;e der Mutter abh&auml;ngenden Kleidung also unverletzt geblieben, da&szlig; es sogar von dem Feuerrauche nicht entstellt worden ist. Von wem solches aber auf die Schneckenstiege unweit des Zimmers der Frau Oberin aus dem Chor &uuml;bertragen und daselbst niedergesetzt worden sei, wo sie von einer Chorfrau solle ersehen worden sein, wu&szlig;te niemand zu sagen. Dies wurde wohl best&auml;ndig und einhellig von den Chorfrauen erz&auml;hlt, da&szlig; dieses Bildnis jene Chorfrau, von welcher selbes erblickt worden, dem Vorgeben nach auf der Schneckenstiege mit diesen Worten solle angeredet haben: Tochter! alles sucht man zu retten, nur mich nicht; worauf dieselbe das Bild auf ihre Arme genommen und in vollkommene Sicherheit gebracht habe. Nach ged&auml;mpfter Feuersbrunst war man gleich beflissen, die von selber verletzten Teile des Bildnisses von dem Kohlenru&szlig; zu s&auml;ubern; aber vergebens. Von dieser Zeit an wurde ihr ein Kleid angetan, und sie kam in solchem als aufrechtstehend zu Gesichte. Nunmehr aber ist Maria in diesem Bilde als eine besondere Besch&uuml;tzerin in verschiedenen Feuersbr&uuml;nsten befunden worden; denn die Erfahrung hat es &ouml;fter gelehrt, da&szlig;, wenn das Feuer schon zum Dache ausgebrannt, wenn dieses Bildnis entgegengehalten wurde und man das heilige Kreuzzeichen dar&uuml;ber gemacht hat, die Flammen sich nicht nur allein augenblicklich geschw&auml;cht gezeigt, sondern auch nach und nach g&auml;nzlich erloschen seien. Diese Wohltat war einer gewissen wienerischen Vorstadt zu Teil geworden, in welcher bei hellem Tage eine sch&auml;dliche Feuersbrunst entstanden war. Sobald man dieses Marianische Bildnis von einem hohen Orte des Stiftes bei St. Lorenz entgegen gehalten, die Lauretanische Litanei durch die Chorfrauen vor denselben gebetet und jenes wei&szlig;e H&auml;ublein welches man dem Bildnis auf das Haupt zu legen pflegte, durch einen Klosterbediensteten hinausgeschickt und in die Mitte der w&uuml;tenden Brunst geworfen worden, so sind die Flammen nicht nur gleich schw&auml;cher geworden, sondern gar bald g&auml;nzlich erloschen, das H&auml;ublein aber ist bei der Wegr&auml;umung des Schuttes unverletzt und so wei&szlig; befunden worden, als wenn es niemals in Mitte der Flammen gewesen w&auml;re.

Wieder ein andermal, als eben die Chorfrauen bei dem Mittagsmahl versammelt sa&szlig;en, brach g&auml;he auf dem Chore, der damals mit einer eisernen T&uuml;r verschlossen war, ein Feuer aus. Sobald die Chorfrauen h&ouml;rten, da&szlig; aus dem Chore eine Feuersbrunst entstanden, eilten sie sogleich, ihr liebes Marienbild zu retten; sie fanden dasselbe aber bei verschlossener T&uuml;r auf dem letzten Staffel vor derselben stehend und das Feuer schon ausgeloschen, als wenn sich Maria an ihrem Bildnis von den Flammen nicht mehr ber&uuml;hren lassen wollte.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Traum der Kaiserin</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10869&amp;goto=11059</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 18:40:42 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Traum der Kaiserin

&quot;Massen die Regierende Kaiserin, in Spanien sich mit Ihrer Majest&auml;t Carolo 6 befindent, bedaurte andachtlich mit villen z&auml;heren ihre von so vill Jahren her gehabten Ehestandts Augenscheinliche unfruchtbarkeit, daher sie von Gott erh&ouml;ret in dem schlaff ein Niemahl gesehenes Crucifixes gegenst&auml;ndig worden, von demselbigen getr&ouml;stet verstanden, da&szlig; sie nicht in Spanien, doch in dem 7ten Jahre ihres Ehestandes Ein Prinzen zur allgemeiner Freud geb&auml;hren werde. Als nun 1715 im Juni beyde Majesteten nachher Maria Cell andacht halber sich begabten und-under anderen auch die HI. Reliquien gezeigt, so erblickte die Kaiserin ein Crucifix, welches Jenen, so sie in Spanien in den schlaff gesehen hatte, gantz &auml;hnlich, verschr&ouml;ckt sich dergestalten dar&uuml;ber, da&szlig; Ihre Majest&auml;t der Kaiser dessen gewahr worden, Sie befraget, und nachdem er alles vernummen, befahl er alle und Jede Personen abzutretten. Mithin beyde Majestetten allein ihre Andacht vor diesem Crucifix (welches Mirakulos schon vor disem den Kaiseren bekant war), eine geraume weil verrichtet, von diser Zeit beobachtet worden, da&szlig; die Kaiserin eines gesegneten leibs seye, und verschinnen tag gl&uuml;ckselig gebohren, welchen man der Kaiserin auf das beth hat geben m&uuml;ssen, weilen sie Zweyfflete, ob es nicht ein Prinzesse seyn m&ouml;chte.&quot;

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Unschuldige</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10868&amp;goto=11058</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 18:36:40 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Unschuldige

In der Kapelle der Elisabethinenkirche befindet sich eine Christusfigur an der Marters&auml;ule. Christus tr&auml;gt eine massive Kette. Einen unschuldig zum Tode Verurteilten f&uuml;hrte sein letzter Weg an der Elisabethinenkirche vorbei. Als er zum offenen Fenster der Kapelle kam, bat er, hier noch einmal seine Andacht verrichten zu d&uuml;rfen. Die Bitte wurde ihm gew&auml;hrt, und der Ungl&uuml;ckliche flehte zu Christus, durch ein Wunder seine Unschuld zu beweisen. Da fielen klirrend die Ketten von seinen Gliedern, und man schenkte ihm nun, von seiner Unschuld &uuml;berzeugt, das Leben. Zum Danke opferte er die Ketten in der Kapelle, und so h&auml;ngen sie heute noch da.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Persische Märchen</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10867&amp;goto=11057</link>
            <pubDate>Thu, 23 Jun 2011 18:02:37 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Dre sch&ouml;ne persische M&auml;rchen findet ihr bei Akefeh Monchi-Zadeh, http://www.monchi-zadeh.de/seiten/maerchen.htm.
Schaut euch auch ihre Miniaturen an, mir gefallen sie.]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Der Riese und der Schneider</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10866&amp;goto=11055</link>
            <pubDate>Tue, 21 Jun 2011 22:49:43 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Der Riese und der Schneider

Einem Schneider, der ein gro&szlig;er Prahler war, aber ein schlechter Zahler, kam es in den Sinn, ein wenig auszugehen und sich im Wald umzuschauen. Sobald er nur konnte, verlie&szlig; er seine Werkstatt, wanderte seinen Weg &uuml;ber Br&uuml;cke und Steg, bald da, bald dort, immer fort und fort.

Als er nun drau&szlig;en war, erblickte er in der blauen Ferne einen steilen Berg und dahinter einen himmelhohen Turm, der aus einem wilden und finstern Wald hervorragte. &quot;Potz Blitz!&quot; rief der Schneider, &quot;was ist das?&quot; Und weil ihn die Neugierde gewaltig stach, so ging er frisch darauf los. Was sperrte er aber Maul und Augen auf, als er in die N&auml;he kam, denn der Turm hatte Beine, sprang in einem Satz &uuml;ber den steilen Berg und stand als ein gro&szlig;m&auml;chtiger Riese vor dem Schneider.

&quot;Was willst du hier, du winziges Fliegenbein!&quot; rief der mit einer Stimme, als wenn&#039;s von allen Seiten donnerte.

Der Schneider wisperte: &quot;Ich will mich umschauen, ob ich in dem Wald mein St&uuml;ckchen Brot verdienen kann.&quot;

&quot;Wenn&#039;s um die Zeit ist&quot;, sagte der Riese, &quot;so kannst du ja bei mir in den Dienst treten.&quot;

&quot;Wenn&#039;s sein mu&szlig;, warum nicht? Was krieg&#039; ich aber f&uuml;r einen Lohn?&quot;

&quot;Was du f&uuml;r einen Lohn kriegst&quot;, sagte der Riese, &quot;das sollst du h&ouml;ren. J&auml;hrlich dreihundertundf&uuml;nfundsechzig Tage, und wenn&#039;s ein Schaltjahr ist, noch einen obendrein. Ist dir das recht?&quot;

&quot;Meinetwegen&quot;, antwortete der Schneider und dachte in seinem Sinn: &quot;Man mu&szlig; sich strecken nach seiner Decken. Ich such&#039; mich bald wieder loszumachen.&quot;

Darauf sprach der Riese zu ihm: &quot;Geh, kleiner Halunke, und hol mir einen Krug Wasser.&quot;

&quot;Warum nicht lieber gleich den Brunnen mitsamt der Quelle?&quot; fragte der Prahlhans und ging mit dem Krug zu dem Wasser.

&quot;Was? Den Brunnen mitsamt der Quelle?&quot; brummte der Riese, der ein bi&szlig;chen t&ouml;lpisch und albern war, in seinen Bart hinein und fing an, sich zu f&uuml;rchten. &quot;Der Kerl kann mehr als &Auml;pfel braten, der hat einen Alraun im Leib. Sei auf deiner Hut, alter Hans, das ist kein Diener f&uuml;r dich&quot;

Als der Schneider das Wasser gebracht hatte, befahl ihm der Riese, im Wald ein paar Scheite Holz zu hauen und heimzutragen.

&quot;Warum nicht lieber den ganzen Wald mit einem Streich? Den ganzen Wald mit jung und alt, mit allem, was er hat, knorrig und glatt?&quot; fragte das Schneiderlein und ging das Holz zu hauen.

&quot;Was, den ganzen Wald mit jung und alt, mit allem, was er hat, knorrig und glatt? Und den Brunnen mitsamt der Quelle?&quot; brummte der leichtgl&auml;ubige Riese in den Bart und f&uuml;rchtete sich noch mehr. &quot;Der Kerl kann mehr als &Auml;pfel braten, der hat einen Alraun im Leib. Sei auf deiner Hut, alter Hans, das ist kein Diener f&uuml;r dich.&quot;

Wie der Schneider das Holz gebracht hatte, befahl ihm der Riese, zwei oder drei wilde Schweine zum Abendessen zu schie&szlig;en.

&quot;Warum nicht lieber gleich tausend auf einen Schu&szlig; und die alle hieher?&quot; fragte der hoff&auml;rtige Schneider.

&quot;Was?&quot; rief der Hasenfu&szlig; von einem Riesen und war heftig erschrocken, &quot;la&szlig; es nur f&uuml;r heute gut sein und lege dich schlafen&quot;

Der Riese f&uuml;rchtete sich so gewaltig, da&szlig; er die ganze Nacht kein Auge zutun konnte und hin und her dachte, wie er&#039;s anfangen sollte, um sich den verw&uuml;nschten Hexenmeister von Diener je eher, je lieber vom Hals zu schaffen. Kommt Zeit, kommt Rat. Am andern Morgen gingen der Riese und der Schneider zu einem Sumpf, um den ringsherum eine Menge Weidenb&auml;ume standen. Da sprach der Riese: &quot;H&ouml;r einmal, Schneider, setz dich auf eine von den Weidenruten, ich m&ouml;chte um mein Leben gern sehen, ob du imstand bist, sie herabzubiegen. Husch, sa&szlig; das Schneiderlein oben, hielt den Atem an und machte sich so schwer, so schwer, da&szlig; sich die Gerte niederbog. Als er aber wieder Atem sch&ouml;pfen mu&szlig;te, da schnellte sie ihn, weil er zum Ungl&uuml;ck kein B&uuml;geleisen in die Tasche gesteckt hatte, zur gro&szlig;en Freude des Riesen so weit in die H&ouml;he, da&szlig; man ihn gar nicht mehr sehen konnte. Wenn er nicht wieder heruntergefallen ist, so wird er wohl noch oben in der Luft herumschweben.


Quelle: Die sch&ouml;nsten M&auml;rchen aus &Ouml;sterreich]]></description>
        </item>
        <item>
            <title>Das Rätselmärchen</title>
            <link>http://www.chaineux.de/myforum/topic.php?id=10865&amp;goto=11054</link>
            <pubDate>Tue, 21 Jun 2011 22:40:10 +0200</pubDate>
            <description><![CDATA[Das R&auml;tselm&auml;rchen

Es war einmal ein K&ouml;nig und eine K&ouml;nigin, die hatten ein einziges Kind; der kleine Prinz, ein kluges und gutherziges Kn&auml;blein, war ihre Freude, ihr Stolz und der Erbe des ganzen Landes. Aber ein m&auml;chtiger Nachbar begann Krieg mit dem K&ouml;nig, eroberte die Hauptstadt, nahm das K&ouml;nigspaar gefangen und f&uuml;hrte es hinweg. Der Prinz, um den sich in der Verwirrung niemand k&uuml;mmerte, stand nun allein in der Welt und irrte umher, bis ein armes Ehepaar, das keine Kinder hatte, den h&uuml;bschen, gescheiten Knaben, dessen Herkunft es nicht kannte, in seine H&uuml;tte aufnahm. Er ward den guten Leuten ein vertrauter Pflegesohn, nur eines verschwieg er ihnen: seine f&uuml;rstliche Abstammung und seinen Wunsch, die k&ouml;niglichen Eltern aus der Gefangenschaft zu erl&ouml;sen.

Als der Prinz zu einem pr&auml;chtigen J&uuml;ngling herangewachsen war, da wurde sein Sehnen immer hei&szlig;er, und er bat die guten Pflegeeltern, sein Gl&uuml;ck in der Welt versuchen zu d&uuml;rfen. Schweren Herzens stimmten sie ein, dr&auml;ngten ihm ihre m&uuml;hselig zur&uuml;ckgelegten Sparpfennige auf und entlie&szlig;en ihn mit innigem Segenswunsch.

Der Prinz ging in die Welt und suchte seine Eltern. Weg und Steg waren ihm so unbekannt wie der Aufenthalt der Teuren; und so ging er halt immer gradaus. Aber er hatte kein Gl&uuml;ck, verbrauchte sein Geld und zerri&szlig; Kleider und Schuhe. Eines Abends kam er hungrig und matt auf einem Berggipfel an und erblickte im Tal zum Greifen nahe eine gro&szlig;e Stadt, die war festlich geschm&uuml;ckt und erleuchtet und erscholl von Freudensch&uuml;ssen und heiterer Musik.

&quot;Das ist gewi&szlig; eine K&ouml;nigsstadt, und die feiert ein gro&szlig;es Fest&quot;, meinte er; &quot;da gehe ich erst morgen hinein.&quot; Indem er nach einem Nachtlager Umschau hielt, gewahrte er am Abhang ein &auml;rmliches H&uuml;ftlein, klopfte dort an und ein freundliches M&uuml;tterlein hie&szlig; ihn willkommen. Die Alte teilte ihr k&auml;rgliches Abendmahl mit ihm und machte ihm ein reinliches Lager zurecht. Auf seine Frage nach der Stadt gab sie ihm ausf&uuml;hrlichen Bescheid: &quot;Wei&szlig;t, das ist unsere Hauptstadt, dort sitzt unser gro&szlig;m&auml;chtiger K&ouml;nig auf dem Thron. Seitdem er seinen Nachbar besiegt und gefangengenommen hat, hat er ein Reich, so gro&szlig;, nicht zu sagen.&quot; - Da fiel ihr der J&uuml;ngling ins Wort: &quot;Lebt der gefangene K&ouml;nig noch?&quot; - &quot;O freilich, und seine Frau auch, und es geht ihnen ja recht gut, bis auf das eine, da&szlig; sie um ihren verlorenen Sohn untr&ouml;stlich sind. Wei&szlig;t, und unser K&ouml;nig hat eine einzige Tochter, die sich verm&auml;hlen soll. Viele Freier sind schon in der Stadt, heute abends ist die Vorfeier und morgen die Wahl!&#039; - Wieder unterbrach sie der J&uuml;ngling: &quot;Der Br&auml;utigam mu&szlig; doch schon bestimmt sein?!&quot; - &quot;Nein&quot;, sagte das M&uuml;tterlein, &quot;h&ouml;re nur! Wei&szlig;t, das ist so: Br&auml;utigam und sp&auml;ter K&ouml;nig wird der, der zuerst drei R&auml;tsel l&ouml;sen kann, die die Prinzessin ihm aufgibt.&quot;

&quot;Oh, da will ich augenblicklich hingehen und mein Gl&uuml;ck versuchen&quot;, wandte hoffnungsvoll der J&uuml;ngling ein, aber das M&uuml;tterlein warnte: &quot;Nur nicht so hitzig, mein Lieber! Wei&szlig;t, welcher Freier die R&auml;tsel nicht l&ouml;sen kann, wird gek&ouml;pft!&quot; Und sie wunderte sich, da&szlig; er dar&uuml;ber nicht erschrak und bei seinem Vorhaben blieb.

Am Morgen stand unser Prinz fr&uuml;hzeitig auf, bla&szlig; und unerquickt, denn er hatte vor lauter Denken fast nichts geschlafen; die Alte brachte sein Gewand wieder in Ordnung, so da&szlig; er recht anst&auml;ndig aussah; sie kochte ihm ein S&uuml;pplein und entlie&szlig; ihn mit vielen Segensw&uuml;nschen und einiger Hochachtung, doch nicht ohne halb scherzhaft hinzuzuf&uuml;gen: „Wi&szlig;t, und wenn Ihr ja die Prinzessin heiratet, so erinnert Euch in einer frohen Stunde meiner Armut!&quot;

In der Hauptstadt meldete sich unser Held am Hofe als Bewerber an und wurde von dem k&ouml;niglichen Gefolge geringsch&auml;tzig, von den Mitbewerbern h&ouml;hnisch begr&uuml;&szlig;t; die wurden aber der Reihe nach kleinm&uuml;tig, da keiner von ihnen auch nur ein R&auml;tsel zu l&ouml;sen verstand.

Als endlich unser J&uuml;ngling vortrat, ma&szlig; ihn die Prinzessin ver&auml;chtlich von Kopf bis zu F&uuml;&szlig;en mit den Worten: &quot;Was wollt Ihr da? Ihr seid ja doch kein Ritter!&quot;

Unerschrocken, doch bescheiden erwiderte der J&uuml;ngling: &quot;Prinzessin, wenn ich Euch recht verstehe, gilt Euch der Geist mehr als die Herkunft; ich nehm&#039; es auf, ich wei&szlig;, es geht um meinen Kopf.&quot;

Die Prinzessin drauf: &quot;Ihr schmiedet Euch das Schicksal, h&ouml;rt mein erstes R&auml;tsel:


Als ewiger Wirt
Lab&#039; ich K&ouml;nig und Hirt,
Als t&auml;glicher Gast
Fall&#039; ich niemand zur Last.&quot;


Ohne langes Besinnen antwortete der J&uuml;ngling ruhig und sicher: &quot;Das ist die Sonne; sie spendet allen Menschen ewig Licht und W&auml;rme, und obwohl sie t&auml;glich uns besucht, verlangt und erwartet sie nichts.&quot;

Sichtlich betroffen erkl&auml;rte die Prinzessin: &quot;Das habt Ihr erraten, h&ouml;rt die zweite Aufgabe:


Kennst du den Baum, an dem sich alles mi&szlig;t,
An Bl&auml;ttlein, Blatt sowie an Zweig und Ast?
Der einsam lebt, am Leben einsam fri&szlig;t
Und dich erdr&uuml;ckt mit seiner Menge Last?&quot;


Und gleich darauf der J&uuml;ngling: &quot;O freilich, kenn&#039; ich ihn, der Baum ist ja das Jahr, das mit den Stunden, Tagen, Wochen und Monaten alles mi&szlig;t und z&auml;hlt, das scheidet, wenn ein andres kommt, und das uns altern macht und sterben.&quot;

Tief erschrocken, doch rasch gefa&szlig;t, gab die Prinzessin die richtige L&ouml;sung zu und trug das letzte R&auml;tsel vor:


&quot;Eine Mutter hat allj&auml;hrlich
Millionen zu ern&auml;hren,
Um sie alsdann, stets begehrlich,
Samt und sonders aufzuzehren.&quot;


&quot;Ja, das ist die Erde&quot;, versetzte augenblicks der J&uuml;ngling, &quot;die Erde, die alle Lebewesen n&auml;hrt und tr&auml;nkt und auch tr&auml;gt, um sie nach dem Tode in ihren Scho&szlig; aufzunehmen.&quot; Dann trat er bescheiden zur&uuml;ck.

Die Prinzessin war einer Ohnmacht nahe, und der Hofstaat hielt mit seinem Unwillen gegen den J&uuml;ngling nicht zur&uuml;ck; aber der K&ouml;nig legte die Rechte seiner Tochter in die des J&uuml;nglings und sprach: &quot;Ihr seid Braut und Br&auml;utigam, der Himmel segne euch!&quot;

Die Versammlung l&ouml;ste sich auf, und der Br&auml;utigam wurde in die ihm bestimmten Gem&auml;cher geleitet, wo zahlreiche Dienerschaft seiner harrte, jedes Winks gew&auml;rtig; aber er nahm niemand in Anspruch, blieb stets allein und kam mit der Prinzessin nur zu den Mahlzeiten zusammen. Je n&auml;her der Hochzeitstag kam, desto trauriger wurde die Prinzessin, die Braut, und ihr Br&auml;utigam merkte gar wohl, was sie bedr&uuml;ckte: Es war die eitle Sorge, einem gemeinen Manne anzugeh&ouml;ren.

Acht Tage vor der Hochzeit sprach der Br&auml;utigam zur Braut: &quot;Prinzessin, Ihr f&uuml;hlt Euch ungl&uuml;cklich, h&ouml;rt also! Durch drei R&auml;tsell&ouml;sungen gewann ich Euch, Ihr k&ouml;nnt Euch durch eine einzige befreien, wenn Ihr sie bis zum Hochzeitstage findet. Mein R&auml;tsel lautet:


Ein K&ouml;nig wird vertrieben
Von Heimat, Volk und Gl&uuml;ck -
Und kehrt zu seinen Lieben
Nach schwerer Zeit zur&uuml;ck.&quot;


Da fa&szlig;te die Prinzessin wieder Mut und Hoffnung, sich ehrlich freizumachen, aber sie fand keine L&ouml;sung; am dritten Tage zog sie ihre treuesten Dienerinnen ins Vertrauen, am f&uuml;nften auch die weisen R&auml;te des K&ouml;nigs, alles umsonst; am siebenten abends wandte sie sich verzweiflungsvoll an die dem Br&auml;utigam zugeteilte Dienerschaft, ob die nicht etwas erlauscht h&auml;tte immer dieselbe Auskunft: Der Br&auml;utigam ist stets ernst und schweigsam und verlangt keinen Dienst. Nur der letzte Wassertr&auml;ger und Kleiderputzer, der allein zum Br&auml;utigam Zutritt erhielt, verriet ihr: &quot;Jeden Abend seufzt der Fremde und spricht zu sich: ,O du armer Prinz, du K&ouml;nig ohne Land, was n&uuml;tzt deine Heimkehr, wenn die sch&ouml;ne Prinzessin dich nicht liebt und deine Eltern zeitlebens in der Gefangenschaft schmachten?&#039;&quot;

Diese Mitteilung erleuchtete der Prinzessin Stirn und erw&auml;rmte zugleich ihr Herz, sie schlo&szlig; nachts&uuml;ber kein Auge, und immer sicherer wurde ihre Vermutung; sie konnte den Tag der Entscheidung kaum erwarten, und als der Br&auml;utigam endlich erschien, eilte sie ihm gr&uuml;&szlig;end entgegen und bat: &quot;La&szlig;t mich, bitte, Euer R&auml;tsel noch einmal vernehmen!&quot; Und als er es, scheinbar vorahnend, nicht ohne innere Bewegung wiederholt hatte, da umarmte sie ihn tr&auml;nenden Auges und rief frohlockend: &quot;Du bist&#039;s, der k&ouml;nigliche Prinz, der heimkehrt in sein Land, zu seinen Eltern, seiner Braut und - hoffen wir - zu seinem und zu des Volkes Gl&uuml;ck. Ich kann mich nicht befreien, weil du selbst die L&ouml;sung ausgesprochen hast, und ich will auch nicht, weil ich dein edles Herz erkenne - nimm mich hin!&quot;

Jetzt sprangen die Fl&uuml;gelt&uuml;ren auf, und der K&ouml;nig f&uuml;hrte die Eltern des f&uuml;rstlichen Br&auml;utigams herein, die jahrelang zwar in der Gefangenschaft gelebt hatten, sonst aber stets w&uuml;rdig behandelt worden waren. Da gab es ein Begr&uuml;&szlig;en und Begl&uuml;ckw&uuml;nschen ohne Ende, und dann wurde die Auss&ouml;hnung der beiden k&ouml;niglichen Familien gefeiert und dann die Verbr&uuml;derung der beiden V&ouml;lker und dann die Hochzeit des jungen Paares. Die erste Ausfahrt der Gl&uuml;cklichen galt dem guten Weiblein in der H&uuml;tte au&szlig;erhalb der Stadt, die erste Reise den braven Zieheltern des nunmehr gl&uuml;cklichen Prinzen und Erben zweier K&ouml;nigreiche.


Quelle: Die sch&ouml;nsten M&auml;rchen aus &Ouml;sterreich]]></description>
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